Strafprozess angekündigt
Diese Karnevalswagen aus NRW haben Putin erzürnt – nun drohen heftige Konsequenzen
Putin klagt gegen die Karnevalskunst von Jacques Tilly. Russische Behörden werfen ihm Verunglimpfung der Armee vor. Der Künstler aus NRW will beim Rosenmontagszug darauf reagieren.
Karneval ist weit mehr als nur ausgelassene Feierei und bunte Kostüme – die Karnevalszüge sind mit ihren kunstvollen Mottowagen jedes Jahr aufs neue eine politische Bühne. In der närrischen Zeit werden gesellschaftliche Missstände durch Satire und Ironie thematisiert.
Vor allem der Düsseldorfer Rosenmontagszug zeigt die politische Dimension des Karnevals Jahr für Jahr besonders eindrucksvoll, indem aktuelle politische Ereignisse, Skandale und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf satirische Weise kommentiert werden. Nicht nur lokale Politiker, auch internationale Staatschefs werden dabei aufgegriffen. Die Karnevalswagen des Bildhauers Jacques Tilly aus Düsseldorf sind seit Jahren auf dem Rosenmontagszug berühmt wie berüchtigt. Doch diese haben nun wohl Russlands Präsident Wladimir Putin erzürnt.
Folgen für Düsseldorfer Wagenbauer – Strafprozess in Moskau angekündigt
Und das hat weitreichende Folgen für den Düsseldorfer Künstler. In Moskau soll am Mittwochmittag, 28. Januar, ein Prozess gegen Jacques Tilly starten. Ein erster öffentlicher Verhandlungstermin war Ende Dezember kurzfristig verschoben worden, wie unter anderem der WDR berichtet. Das Verfahren sei am 15. Dezember 2025 eingeleitet worden.
Zu dem Strafverfahren sei es gekommen, weil dem Karnevalswagenbauer Verunglimpfung der russischen Armee durch seine satirischen Werke vorgeworfen wurde. Das sei unter anderem durch seine bekannten Mottowagen des Rosenmontagszugs deutlich geworden. Russischen Medien zufolge werde ihm zur Last gelegt, Falschinformationen über die russische Armee verbreitet zu haben, da seine Werke als schwere Beleidigung gegen Putin in seiner Rolle als Oberkommandierender des Angriffskrieges gegen die Ukraine gewertet werden. Der Prozess könnte heftige Konsequenzen für den Düsseldorfer haben. Denn nach russischen Gesetzen drohen bei einer Verurteilung eine Geldstrafe oder bis zu zehn Jahre Haft.
Prozess gegen Wagenbauer: „Aus meiner Sicht Realsatire eines Zwangsregimes“
Tilly selbst zeigt sich unbeeindruckt von dem „Schauprozess“ in Moskau. Gegenüber dem WDR erklärt er: „Ich beschäftige mich damit nicht groß. Das Ganze ist aus meiner Sicht Realsatire eines Zwangsregimes“. Die Anschuldigungen bezeichnet er als absurd. Er habe sich nie zur Armee geäußert, sondern immer den Machthaber Putin ins Visier genommen.
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Die deutsche Botschaft werde einen Beobachter zu dem Verfahren entsenden. Tilly verzichte bewusst auf eine persönliche Teilnahme oder anwaltliche Vertretung, um dem Prozess keine zusätzliche Legitimität zu verleihen. Bislang habe er keinerlei offizielle Dokumente oder Mitteilungen zu dem Gerichtsverfahren erhalten.
Rosenmontagszug 2026: „Irgendwie werden wir das Thema natürlich verwursten“
Dass das Verfahren gegen ihn auch auf seinen traditionell streng gehüteten Motivwagen beim diesjährigen Rosenmontagszug auftauchen wird, scheint ausgemacht. „Irgendwie werden wir das Thema natürlich verwursten“, so Tilly.
Außerdem könnte der Düsseldorfer aktuelle politische Themen wie Trumps Zölle, der andauernde Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine oder aber auch die schwarz-rote Koalition unter Merz und die Herausforderungen bei Krankenkassenbeiträgen und andere sozialpolitische Themen aufführen.
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