Nach Event „Date our Dogs“

„Die Unvermittelbaren“ bleiben oft unbeachtet – „Schon harter Tobak mit diesen Hunden“

Einige Hunde verbringen lange Zeit im Tierheim, manchmal ihr gesamtes Leben. Sie sind „die Unvermittelbaren“, die das Tierheim Duisburg jüngst präsentiert hat.

Duisburg - Was macht einen Hund in der Familie aus? Es gibt die einen Hundefans, die ihren ganz bestimmten Hund wollen, oft vom Züchter, ohne Probleme, gerne jung. Und dann gibt es die anderen Hundefans, die auf eine Herzensverbindung warten, die einem Tier ein neues Zuhause geben wollen, unabhängig von Rasse und Ticks. Auf diese hatte das Tierheim Duisburg bei seiner Veranstaltung „Date our Dogs - die Unvermittelbaren“ gehofft.

Die „Unvermittelbaren“ im Tierheim: „Haben es schwer, überhaupt angeschaut zu werden“

Sieben Hunde hat das Tierheim am 16. März vorgestellt. Sie alle sind Langzeitinsassen und, wie es heißt, „verhaltensauffällig“. So wie Rüde Purple, der schon seit vier Jahren auf ein neues Zuhause wartet. „Wir dachten, mit diesem Titel sprechen wir auch direkt die richtigen Leute an“, sagt Hundepflegerin Anna Koltermann aus dem Tierheim an der Lehmstraße im Gespräch mit wa.de.

Das bedeutet: Es sollten nicht unbedingt Interessenten für einen bestimmten Hund sein, sondern Menschen, die sich für den Tierheimalltag interessieren, für die Geschichten der Hunde, die Trainingsmethoden und einen Blick hinter die Kulissen.

„Date our Dogs“ im Tierheim Duisburg.

„Andrang repräsentativ für das Thema verhaltensauffällige Hunde“

Eine Idee, die erst mal super anmutet. Auch für Menschen mit eigenem Hund, die sich Tipps und Tricks holen wollen, wie es in der Erziehung besser klappen könnte. Doch: „Leider war der Andrang repräsentativ für dieses Thema der verhaltensauffälligen Hunde und auch für das Thema Tierheim“, sagt Anna Koltermann. „Wir sind mit vier Leuten gestartet, später auf dem Spaziergang waren wir zu zehnt, manche sind dann aber gar nicht ganz mitgegangen.“

Koltermann klingt nicht traurig, eher resigniert. Sie habe schon mit mehr Menschen gerechnet bei dem guten Wetter, auch weil beim letzten Mal 60 Besucher da waren. Doch da sei es auch nicht konkret um verhaltensauffällige Hunde gegangen.

„Dabei ist das ein guter Termin, um die Hunde kennenzulernen und auch, um mit uns in Kontakt zu treten, nachzufragen, einen Eindruck zu bekommen.“ Ein Tag der offenen Tür der besonderen Art, sozusagen.

Die Hunde nicht im Zwinger unter Gebell kennenlernen

Idee war, die Hunde nicht im Zwinger, unter Gebell kennenzulernen, nicht mit Termin, sondern einfach im Spaziergang, sagt Hundepflegerin Koltermann. Dabei wurden die Hunde an verschiedenen Stationen gemeinsam mit ihren Bezugsmenschen vorgestellt. Dann seien sie bis zur nächsten Station mitgelaufen, sodass die Hunde auch im Spaziergang beobachtet werden konnten.

Ein lockerer Besuch sollte es sein. „Denn es ist ja schon harter Tobak mit diesen Hunden, die verhaltensauffällig sind, die vielleicht auch schon Menschen verletzt haben“, ordnet die Hundepflegerin ein.

Die „Unvermittelbaren“ im Tierheim: „Haben es schwer, überhaupt angeschaut zu werden“

Und das geringe Interesse spiegle auch extrem deutlich wider, „wie schwer es die Tiere haben, überhaupt angeschaut zu werden“. „Das Interesse der Menschen zu wecken, ist super schwer“, sagt sie.

Es sei auch eindeutig gewesen, welche Menschen zu dem Termin kamen: „Die Leute, die Fragen gestellt haben, die begeistert waren, haben jeweils auch schon Hundeerfahrung mitgebracht, auch mit Tierschutzhunden, solchen Hunden, die nicht ein unbeschriebenes Blatt waren“, erzählt Koltermann.

Sie hätten den Tag genutzt, um mit dem Tierheim in Kontakt zu treten. Fast alle hätten Interessentenbögen ausgefüllt und sich mit der Arbeit des Tierheims auseinandergesetzt.

„Date our Dogs“ hat sich gelohnt: Lou hat Interessenten

Anna Koltermann weiß aber schon jetzt, dass sich „Date our Dogs“ dennoch auch diesmal gelohnt hat: Ein junges Paar habe sich für eine der vorgestellten Hündinnen interessiert und den jungen Malinois-Mix, Lou, dann auch direkt kennengelernt. „Die beiden haben auch bereits Erfahrung mit einem verhaltensauffälligen Hund“, erzählt sie.

Hündin Lou hat einen Interessenten.

Lou wartet schon fast ihr ganzes Leben lang im Tierheim. Sie ist sehr wachsam, reaktiv, territorial, heißt es auf der Website. „Der Interessent hat gesagt, er schaue schon seit Monaten nach ihr und habe jetzt gesehen, dass sie so ist, ,wie ich sie mir vorgestellt habe‘“, erzählt Anna Koltermann. Lou habe sich sogar streicheln lassen. Ein weiteres, intensives Kennenlernen soll nun folgen.

Koltermann: Wenn auch nur ein einziger Hund die Chance auf Vermittlung hat, lohnt es sich

Das sei genau das, was „so wichtig ist für die Unvermittelbaren“, sagt Koltermann: „Es muss die eine Anfrage sein, nicht 100, sondern manchmal ist es die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.“

„Erst war es sehr ernüchternd am Sonntag, aber es ist mega gut, wenn auch nur ein einziger Hund die Chance auf eine neue Familie bekommt“, sagt Koltermann im Rückblick. Und auch im Ausblick: Denn ein neuer Termin ist bereits geplant. Am 6. April ist das nächste „Date our Dogs“, bei dem die Seniorinnen und Senioren des Tierheims im Fokus stehen. Denn auch alte Hunde haben es oft besonders schwer.

Hemmungen abbauen, sich austauschen, Pate werden

Das Tierheim Duisburg will auf jeden Fall weitermachen mit den Extra-Terminen und auch mit der Arbeit für die „Unvermittelbaren“. „Auch wenn mal nur fünf Leute kommen“, sagt sie. Weil es sich immer lohne, in den Austausch zu gehen. Und weil immer mindestens einer der Hunde vermittelt wurde bei den Hunde-Dates. Bei manchen schaffe dieser Termin auch, Hemmungen vor dem Prozess des Adoptierens abzubauen.

„Date our Dogs“ lohnt sich laut Tierheim auch für diejenigen, die sich nicht für die Aufnahme eines Hundes interessieren. Spenden helfen Tierheimen immer, auch in Form von hochwertigem Futter, Patenschaften können ebenfalls etabliert werden. Und es hilft auch, das hier erlangte Wissen übers Tierheim mit anderen zu teilen und so Hemmungen und Vorurteile über Tiere aus dem Tierschutz abzubauen.

Das nächste „Date our Dogs“

Wo? Treffpunkt am Städtischen Tierheim Duisburg, Lehmstraße 12, 47059 Duisburg

Was? Spaziergang mit Hunden

Wann? Am 6. April um 10 Uhr; pünktlich da sein, denn dann geht‘s gemeinsam auf den Spaziergang

Außerdem: Am 23. März ist Trödelmarkt im Tierheim Duisburg von 11 bis 16 Uhr

Im Tierheim Duisburg wartet auch Kangalrüde Chopper auf sein Für-immer-Zuhause. Er hat rassebedingt besondere Anforderungen - aber ist „Kangal-Freunden“ meist zu schlank. Ein echtes Dilemma, denn Chopper ist laut Tierheim aufgeschlossen, freundlich und neugierig. Sein Wachinstinkt ist „nicht besonders ausgeprägt“.

Rubriklistenbild: © Tierheim Duisburg

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