WestfalenTarif-Chef
„Dann sinkt die Nachfrage“: Warnung vor Preissprung beim Deutschlandticket
Der Chef der WestfalenTarif GmbH aus Bielefeld warnt vor einem zu großen Preissprung beim Deutschlandticket. Er übt zudem deutliche Kritik am Bund.
Bielefeld – Der größte Flächen-Nahverkehrstarif in NRW und zweitgrößte deutsche Gemeinschaftstarif – die WestfalenTarif GmbH aus Bielefeld – übt deutliche Kritik am Umgang der Bundesregierung mit dem Deutschlandticket. „Der Bund hat es in der Hand, hier Stabilität und Ruhe in die Diskussion zu bringen, indem man sich zu dem Thema bekennt und es nicht zum Spielball von politischen Diskussionen macht“, sagte WestfalenTarif-Geschäftsführer Oliver Mietzsch im Gespräch mit wa.de. Man könne den Eindruck gewinnen, dass der Bund sich aus der Finanzierung des Tickets zurückziehen will. „Den Ländern bleibt gar nichts anderes übrig, als über eine Preiserhöhung nachzudenken“, so Mietzsch.
„Dann sinkt die Nachfrage“ – Warnung vor Preissprung beim Deutschlandticket
Die Verkehrsminister der Bundesländer haben in dieser Woche eine Erhöhung des bisher monatlich 49 Euro teuren Abos ab Januar angekündigt. Die Bundesregierung plane zwar, die nicht verbrauchten Mittel aus 2023 in die Folgejahre zu übertragen. Gleichzeitig sollen jedoch 350 Millionen Euro zur Konsolidierung des Bundeshaushalts verwendet werden – was aus Sicht von Mietzsch einem Liquiditätsentzug der Länder und damit auch der Verkehrsunternehmen gleichkommt. Zur Finanzierung ab 2026 werde sogar keinerlei Stellung genommen.
Das Deutschlandticket gibt es seit Mai 2023. Es ermöglicht Inhaberinnen und Inhabern bundesweit und unbegrenzt Fahrten in Bussen und Bahnen des Regional- und Nahverkehrs. Die WestfalenTarif GmbH hat nach eigenen Angaben zwischen Mai und Dezember 2023 ein Minus von 46 Millionen Euro mit dem Ticket gemacht.
Dennoch ist Mietzsch gegen eine deutliche Preiserhöhung. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Nachfrage sinkt, wenn wir zu stark an der Preisschraube drehen“, sagte der 62-Jährige. Es gebe Untersuchungen, die bei 69 Euro eine Grenze ziehen. „Ich könnte mir persönlich zehn Prozent, also 5 Euro, vorstellen. Das ist vielleicht noch verkraftbar. Aber alles, was darüber hinausgeht, wird uns am Ende auf die Füße fallen.“
Kritik am Bund in Sachen Deutschlandticket
Der ÖPNV-Experte verweist auf das Beispiel Wien. Hier habe man 2012 das 365-Euro-Ticket eingeführt, also pro Tag 1 Euro für den Öffentlichen Personennahverkehr. Der Preis sei bis heute unverändert. Der Bund dürfe sich nicht aus seiner Finanzierungsverantwortung eines Projektes stehlen, das er selbst ins Leben gerufen hat. „Die Länder haben bereits gesagt, dass sie bereit wären, das Deutschlandticket für die nächsten zehn Jahre zu finanzieren – in der gleichen Höhe, wie der Bund dazu bereit ist“, so Mietzsch. Um den Finanzierungsbedarf in Höhe von drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr zu decken, sollte der Bund über das Dienstwagenprivileg und andere Subventionen für klimaschädliche Verkehre nachdenken.
„Entweder der Preis bleibt bei 49 Euro oder wir investieren in die Schiene.“ Diesen Satz von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) lässt Mietzsch nicht gelten. „Am Ende schadet man damit beiden Bereichen. Das ist kontraproduktiv.“ Mit dem Deutschlandticket habe die Politik doch mehr Menschen für den ÖPNV gewinnen und damit einen Beitrag zur Klima- und Verkehrswende leisten wollen. Dafür müsse man insbesondere das Angebot ausbauen.
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