Stand der Dinge

Gegenseite Hilfe nach Cyber-Attacke in NRW – doch bei Kennzeichen gibt es Probleme

Nach dem Cyber-Angriff in NRW sollen sich viele Kommunen untereinander helfen. Doch es gibt große Hürden. Der Weg zur Normalität ist noch ein langer.

Hamm/Arnsberg – Der Hackerangriff mit großen Folgen hat mehr als 70 Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen in vielen Bereichen lahmgelegt – noch ist nicht abzusehen, wann die betroffenen Kommunen wieder voll einsatzfähig sind. Die Kommunen rechnen auch diese Woche nicht mit einer Verbesserung der Situation.

Experten gehen davon aus, dass es bis zur Normalität noch lange dauern wird. Bei Attacken auf Verwaltungen in anderen Bundesländern, die nicht so extrem gewesen sein sollen, habe es mindestens ein Jahr gedauert, bis sie Systeme wieder einwandfrei liefen.

Notlösungen nach Cyber-Attacke: Kommunikation läuft schleppend

Derzeit arbeiten Ministerien, Bezirksregierungen und Kommunen mühsam an Notlösungen. Dabei sollen auch funktionsfähige Kommunen einspringen und Leistungen für betroffene Kommunen erbringen. Da geht es zum Beispiel um Kfz-Zulassung oder die Ausstellung von Pass und Führerscheinen. Denn in den Kommunen, die von dem verheerenden Cyber-Angriff betroffen sind, ist all das nicht mehr möglich.

Die Hilfe untereinander zu koordinieren ist aber nicht einfach. Ein Problem dabei: die Kommunikation, die schleppend langsam läuft. Denn nach dem Hackerangriff vom 30. Oktober auf den Dienstleister Südwestfalen-IT ist diesem nichts anderes übrig geblieben, als sämtliche Systeme sofort abzuschalten. Demnach haben die betroffenen Behörden keinen Zugriff mehr auf das Internet und somit auch nicht auf die E-Mail-Programme.

Üblicherweise läuft die Kommunikation zwischen den Behörden mit elektronischer Post. Da diese derzeit nicht funktioniert, greifen die Behörden auf Briefe zurück. „Das dauert natürlich länger“, sagt Christoph Söbbeler, Pressesprecher bei der Bezirksregierung Arnsberg. Absprachen, die sonst innerhalb weniger Stunden erledigt waren, benötigten nun mehrere Tage, so der Sprecher der Bezirksregierung.

Fremde Behörde können keine fremden Kennzeichen ausstellen

Das hat Auswirkungen auf die normale Verwaltungstätigkeit aber auch auf die Koordinierung von Hilfeleistungen. Denn bei der Bezirksregierung in Arnsberg sollen die Fäden zusammenlaufen und von dort Hilfen zwischen den einzelnen Kommunen koordiniert werden. „Wir sind gerade dabei, entsprechende Bedarfe zu ermitteln“ sagt Söbbeler. Auf dem beschriebenen Postweg kann das noch einige Tage dauern.

Unterdessen hat das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen Kommunen angeschrieben und bittet darum, dass funktionstüchtige Kommunen Amtshilfe leisten und bei wichtigen Aufgaben unterstützen. Dazu hat die Landesregierung Ausnahmeregelungen erlassen. So kann beispielsweise eine andere Kommune Kfz-Zulassungen vornehmen.

Allerdings kann die fremde Behörde nur das eigene Kennzeichen ausstellen. Ein Soester könnte in Hamm nur ein HAM-Schild und eben kein SO-Kennzeichen erhalten. Auch für das Ausstellen von Ausweispapieren hat die Landesregierung entsprechende Ausnahmeregelungen erteilt.

Derzeit laufe die Absprache mit den Kommunen, und die könne angesichts der schwierigen Kommunikationswege noch etwas dauern. Somit steht noch nicht endgültig fest, welche Kreise und Städte die betroffenen Kreise und Kommunen konkret unterstützen sollen.

Rubriklistenbild: © grafvision/Panthermedia/Imago

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