Tödliche Gefahr
Bombe im Garten: Blindgänger auf keinen Fall „berühren oder bewegen“
Wer im Garten oder auf einer Baustelle einen Blindgänger findet, muss wichtige Regeln beachten. Die Bombe könnte zur tödlichen Gefahr werden.
Hamm – Beinahe täglich werden in Nordrhein-Westfalen Bomben aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gefunden. Besonders Letzterer hat seine Spuren im Erdreich hinterlassen – die Blindgänger schlummern im Boden und werden dort zur tödlichen Gefahr.
„Je länger die Bomben im Erdreich liegen, desto gefährlicher werden sie. Da spielen auch Alterungsprozesse bei den Bomben und den einzelnen Komponenten eine Rolle. Die können jederzeit hochgehen“, sagt Karl-Friedrich Schröder vom Kampfmittelräumdienst Westfalen-Lippe im Gespräch mit wa.de. Er und sein Team suchen gezielt nach Bomben aus dem Weltkrieg – doch was, wenn man mal eine zufällig findet? Dann sollten einige Sicherheitshinweise beachtet werden. Ansonsten könnte es tödlich enden.
Sprengstoff, Zünder und Bomben – zu Besuch beim Kampfmittelräumdienst




Weniger Bomben und Blindgänger zuletzt in NRW gefunden – wegen Corona
Zwar wurden in den Corona-Jahren laut Innenministerium NRW zuletzt weniger Bomben gefunden. „Teilweise gesunkene Fund- und Räumquoten“ würden dennoch nicht auf eine Trendwende und stagnierende Kampfmittelbelastung hindeuten. Wegen der Einschränkungen wurde schlichtweg weniger Erdreich bewegt, und auch die Kampfmittelräumer waren in ihrer Arbeit beeinträchtigt. Der Boden in NRW ist aber immer noch voll mit Bomben – und das wird auch lange so bleiben. Schröder und seine Kollegen suchen daher gezielt nach den Blindgängern, um sie zu entschärfen. Die Aufgabe der Beseitigung von Kampfmitteln gliedert sich dabei in vier Teilbereiche:
- Kriegsluftbildauswertung
- Kampfmitteldetektion/-ortung
- Kampfmittelräumung
- Kampfmittelvernichtung/endgültige Beseitigung
Bombe oder Blindgänger gefunden im Garten, auf der Baustelle oder im Wald: Was tun – und was nicht?
Im Jahr 2022 wurden in NRW 239 Bomben mit einer Bruttomasse von 50 Kilogramm oder mehr geräumt, wie aus einem Bericht des Innenministeriums hervorgeht. Nicht immer handelte es sich dabei um Bomben, die die Kampfmittelräumer gezielt gefunden haben. „In nicht unerheblichem Umfang ist der staatliche Kampfmittelbeseitigungsdienst tätig, sogenannte Zufallsfunde zu entsorgen. Hierbei handelt es sich um Kampfmittel, die nicht durch die Kampfmittelbeseitigungsdienste oder von ihnen beauftragten Firmen aufgefunden, sondern durch Dritte gemeldet wurden“, erklärt das Innenministerium. In solchen Fällen sollte man einige Dinge beachten:
- Kampfmittel nicht bewegen oder berühren.
- Wurden Kampfmittel mit der Hand aufgenommen, vorsichtig ablegen. Nie werfen!
- Wurde das Kampfmittel durch eine Baumaschine erfasst oder auf ein Fahrzeug verladen, Kampfmittel in der Lage belassen, Maschine abstellen und sichern.
- Fundort markieren.
- (Weitere) Erschütterungen vermeiden, Arbeiten am Fundort einstellen.
- Fundort räumen.
- Unbefugte vom Fundort fernhalten und warnen.
- Das örtliche Ordnungsamt, die Feuerwehr oder die Polizei benachrichtigen und die W-Fragen beantworten: Was haben Sie gefunden? Wo ist der Fundort? Wer ruft an?
- Warten Sie auf die Einsatzkräfte.
Für die Entschärfer vom Kampfmittelräumdienst Westfalen-Lippe beginnt dann der gefährlichere Teil der Arbeit – sie begeben sich in die Todeszone, bestimmen Bombe sowie Zünder und leiten die entsprechenden Entschärfungsmaßnahmen ein.
Blindgänger in NRW bescheren dem Kampfmittelräumdienst viel Arbeit
„120 bis 150 Bomben haben wir pro Jahr in unserem Gebiet. Wir sind mit 20 Leuten für die Regierungsbezirke Münster, Detmold und Arnsberg im Einsatz. Da gibt es dann auch einen Bereitschaftsdienst, wenn mal Zufallsfunde anstehen. Meistens freuen wir uns dann, wenn es regnet – dann buddelt keiner im Garten“, sagt Schröder und lacht. Arbeit haben er und seine Kollegen ohnehin schon genug.