GDL verhandelt mit der Bahn
Warum im Herbst und Winter lange Bahnstreiks drohen
Trifft eine große Streikwelle die Bahnreisenden in Deutschland? Im November beginnen Tarifverhandlungen zwischen Bahn und GDL. Und die Vorzeichen stehen nicht gut.
Köln – Auf Bahnreisende könnten in den kommenden Wochen und Monaten harte Zeiten zukommen. Die Lokführergewerkschaft GDL steht vor neuen Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn. Und schon im Vorfeld gibt es ordentlich Zündstoff. Die GDL um ihren Chef Claus Weselsky ist bereits in der Vergangenheit mehrfach dadurch aufgefallen, nicht nur besonders hart für ihre Mitglieder zu verhandeln, sondern auch vor teils tagelangen Streiks nicht zurückzuschrecken. Was Reisende im Bahnverkehr vorab wissen müssen und worauf sie sich einstellen sollten.
Wann drohen Streiks bei der Bahn?
Konkret lässt sich das im Vorfeld nicht beantworten, aber: Die Friedenspflicht zwischen Bahn und GDL gilt nur noch bis zum 31. Oktober. Der erste Verhandlungstermin ist laut Angaben der Deutschen Presse-Agentur für den 9. November angesetzt. Schon danach könnten Streiks drohen. „Falls die Tarifverhandlungen schwergängig sein sollten und die Arbeitgeberseite kein ordnungsgemäßes und für uns verhandlungsfähiges Angebot macht, dann werden sowohl die Welt als auch die Pendler das erfahren“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky schon Ende September im Gespräch mit Ippen.Media.
Und wie inzwischen klar ist: Der Gewerkschaftsführer will eher nicht auf Warnstreiks setzen, sondern bringt sogar schon unbefristete Streiks ins Gespräch. „Warum soll ich in irgendeiner Form nur ein kleines Tamtam veranstalten, wenn ich weiß, dass es auf die andere Seite keine Wirkung entfaltet?“, sagte Weselsky der Deutschen Presse-Agentur. Das heißt aber auch: Es könnte schnell zu tagelangen Streiks kommen, sollte keine Einigung in Sicht sein. Weselsky will daher möglichst schnell eine Urabstimmung innerhalb der GDL zu dem Thema durchsetzen. Falls rechtlich möglich, sogar schon vor dem ersten Verhandlungstermin.
Sind Bahnstreiks wenigstens an den Weihnachtstagen ausgeschlossen?
Klare Antwort: Nein. Weselsky hat bereits klargemacht, dass es keinen sogenannten „Weihnachtsfrieden“ geben werde. Die Bahn habe diesen zwar der GDL vorgeschlagen, doch die Gewerkschaft lehnte ab. „Das haben wir abgelehnt, weil wir die Entwicklung nicht kennen und weil wir nicht wissen, wie viel Verhandlungen wir bis dahin machen“, sagte Weselsky der dpa. Somit wäre auch ein Arbeitskampf, also Streiks, an den Weihnachtsfeiertagen möglich.
Tarifstreit zwischen Bahn und GDL – wichtige Termine
Wann endet die Friedenspflicht? 31. Oktober 2023
Wann beginnen die Verhandlungen? 9. November 2023
Wie stehen die Chancen auf eine schnelle Einigung zwischen Bahn und GDL?
Nicht gut. Bei der kommenden Tarifrunde fordert die GDL neben einer allgemeinen Entgelterhöhung auch eine Absenkung der Wochenarbeitszeit bei Schichtarbeitern von 38 auf 35 Stunden sowie eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro. Die Senkung der Wochenarbeitszeit gilt dabei als größter Knackpunkt vor den Verhandlungen. Genau diese Forderung werde von den anderen Beteiligten „als völlig falscher Weg bezeichnet und abgelehnt“, so Weselsky, der in seine letzte Tarifrunde mit der Bahn gehen wird, gegenüber Ippen.Media.
Der GDL-Chef selbst bezeichnet aber diesen Punkt als „entscheidende Komponente“ und „das Schwergewicht“ in dieser Tarifrunde. „Daher gehe ich davon aus, dass die Tarifrunde 2023 etwas anstrengender wird“, sagt Weselsky. Auch die Erfahrung vergangener Verhandlungen zwischen Bahn und GDL haben gezeigt: Eine schnelle Einigung ist eher nicht zu erwarten. Dafür ist auch diesmal schon vorab zu viel Zündstoff zwischen beiden Seiten vorhanden. Die Wahrscheinlichkeit für Streiks ist daher relativ hoch. (bs)
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