Auswirkungen nicht planbar

Immer öfter fallen wegen hoher Krankheitsstände Züge aus – Corona könnte es noch zuspitzen

Dünne Personaldecke, weitreichende Infektionswellen und die Angst vor einem erneuten Ausbruch von Corona. Viele Probleme beschäftigen aktuell die Bahn-Anbieter in NRW.

Hamm - „Aufgrund personalbedingter Ausfälle kommt es auf der Linie xy bei einigen Zügen zu Ausfällen“. Solche oder ähnliche Nachrichten müssen Zug-Passagiere auch in NRW spätestens seit Ausbruch der Corona-Pandemie immer öfter lesen. Die Nah-Verkehrsdienstleister haben immer wieder auch außerhalb von Krankheitswellen mit einer engen Personaldecke zu kämpfen.

Knappe Personallage und Angst vor Corona - Vermehrte Ausfälle von Zügen zu erwarten

So berichtet etwa eine Sprecherin der Eurobahn, dass nicht nur von Infektionswellen gesprochen werden kann. Das Hauptproblem in der gesamten Branche sei viel eher die Kombination aus hohen Krankenständen und akutem Personalmangel. „Auch in den vergangenen Wochen kam es zu erhöhten Krankenständen, die nicht immer kompensiert werden konnten. Hier reiht sich eine Kette von Ereignissen an, die nun das Ausmaß der vergangenen Jahre aufzeigen“, verrät die Sprecherin auf Nachfrage von wa.de.

Die Corona-Pandemie habe viele neue Aufgaben geschaffen und dafür gesorgt, dass die Angestellten immer flexibler werden müssen. Dadurch wurde ein erhöhtes Arbeits- und Stressaufkommen geschaffen. Dies habe auch dafür gesorgt, dass Mitarbeiter in der Regel länger brauchen würden, um wieder gesund zu werden.

Auch die Regiobahn hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Eine Sprecherin erklärt, dass ein erhöhter Krankenstand stets eine Herausforderung bedeutet und dass das Unternehmen das Ausmaß im Vorfeld nur schlecht einschätzen könne. Je nachdem, wo es zu Ausfällen kommt, seien diese mal mehr oder weniger stark zu spüren. Es stehe zwar Bereitschaftspersonal zur Verfügung, aber besonders Ausfälle in den Stellwerken und Leitstellen, sowohl bei den eigenen als auch der der Deutschen Bahn, sind nicht immer aufzufangen.

Dünne Personaldecke: Entwicklung der Corona-Zahlen stets im Blick

Da bereits der erhöhte Krankheitsstand durch eine normale Infektionswelle für große Probleme sorgen kann, beobachten die Unternehmen die aktuelle Entwicklung der Corona-Zahlen ebenfalls ganz genau. Eurobahn, Regiobahn und auch die Deutsche Bahn können, wenn es die Lage erfordert, eigenen Aussagen zufolge schnellstmöglich auf Konzepte zur Kontaktminimierung innerhalb des Personals zurückgreifen. „Leider lässt sich jedoch auch mit diesen Konzepten nicht immer alles auffangen“, erklärt die Eurobahn-Sprecherin.

Aber wie dann? Bei der Deutschen Bahn ist man sich sicher, dass durch attraktive Zukunftsperspektiven für Auszubildende und Quereinsteiger der Fachkräftemangel wieder aufgefangen werden kann. „Wir haben allein in diesem Jahr 5.500 neue Azubis eingestellt. Wir gehen nicht davon aus, dass künftige Infektionswellen zu großen Einschränkungen für die Fahrgäste führen“, erklärt ein Bahn-Sprecher auf Nachfrage von wa.de. Auch die anderen Anbieter versuchen, sich als möglichst attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren und glauben daran, dem Fachkräftemangel zumindest etwas entgegen zu wirken. Doch brauche dieser Prozess etwas Zeit.

Derweil hat die NRW-Landesregierung angekündigt, sechs Millionen Euro in Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel bei der Bahn zu investieren. Verlässlichkeit und Pünktlichkeit von Regionalzügen und S-Bahnen seien im Moment „nicht zufriedenstellend“, sagte Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). Der Personalmangel sei dafür ein entscheidender Grund. „Damit muss so schnell wie möglich Schluss sein.“ Es gehe jetzt darum, durch eine Beschäftigungsoffensive „so schnell wie möglich mehr Personal ins System zu bringen“.

Gewalt gegen Bahn-Personal nimmt zu

Ein weiterer Faktor, der die Personalplanung bei den Unternehmen deutlich erschwere, ist laut Eurobahn die steigende Bereitschaft zur Gewalt gegenüber dem Bahn-Personal. Angestellte, die bei Angriffen verletzt werden, fallen oft länger aus als „regulär Erkrankte“. Dies strapaziere die eh schon dünne Personaldecke zusätzlich.

In Geseke ist am 10. September ein Zug entgleist. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Der Lokführer ist bei dem Zugunglück ums Leben gekommen.

Rubriklistenbild: © Gottfried Czepluch/Imago

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