Künstliche Intelligenz

Universität schafft Bachelorarbeit ab – wegen KI: Wie siehts an NRW-aus?

Einen Bachelorabschluss ohne Bachelorarbeit – das soll jetzt an der Universität in Prag möglich sein. Ist das auch hier denkbar? NRW-Unis äußern sich.

Hamm - Einen Bachelorabschluss bekommen, ohne am Ende eine Bachelorarbeit geschrieben zu haben: Was für viele absurd klingen mag, ist an einer Universität in Prag nun Realität. Wie Heise mitteilt, hat die Fakultät für Betriebswirtschaft der Wirtschaftsuniversität in Prag für neue Studenten die Bachelorarbeiten abgeschafft.

Wegen KI schafft Uni die Bachelorarbeit ab – ist das auch in NRW denkbar?

Der Dekan der Fakultät, Jiří Hnilica, bestätigte dies im Interview mit der tschechischen Ausgabe des Magazins Forbes. Als Grund für diese Entscheidung nennt Hnilica unter anderem Künstliche Intelligenz (KI). In Zeiten von KI sei das Anfertigen von Bachelorarbeiten nur noch wenig sinnvoll. Die Uni werde den Abschluss des Bachelorstudiums auf eine praktische Art und Weise konzipieren, die „viel weniger Raum für Plagiate lässt und von der die Studenten viel mehr nützliche Erfahrungen in ihr Leben mitnehmen werden.“

TU Dortmund: „Abschaffung von Bachelorarbeiten wird derzeit nicht diskutiert“

Eine Entscheidung, die auch an Universitäten in NRW denkbar wäre? „Eine Abschaffung von Bachelorarbeiten wird derzeit nicht diskutiert“, erklärt Eva Prost, Pressesprecherin der Technischen Universität (TU) Dortmund, auf Nachfrage von wa.de. In natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen wie Physik, Chemie oder Bioingenieurwesen an der TU Dortmund stehe im Zentrum der Bachelorarbeit sowieso ein eigenständig durchgeführtes Experiment. Und auch die Uni Duisburg-Essen äußert sich. „Nein, die Universität Duisburg-Essen plant eine solche Maßnahme nicht“, erklärt Pressesprecherin Astrid Bergmeister.

Die Universität Münster teilte auf Nachfrage mit: „Zunächst sind Abschlussarbeiten für Bachelor- und Masterstudiengänge in der nordrhein-westfälischen Studienakkreditierungsverordnung festgelegt. Das bedeutet auch, dass sie nicht ohne entsprechende Rechtsänderung abgeschafft werden können“, so Norbert Robers, Pressesprecher der Universität Münster. Es sei aber durchaus möglich, schriftliche Arbeiten mit einer „Verteidigung“ oder einem mündlichen Prüfungsgespräch zu verbinden. Damit könne man dann auch prüfen, ob ein Prüfling das zur Erstellung der Arbeit notwendige Verständnis erworben habe. Auch im Münsterland wird laut Robers eine grundsätzliche Abschaffung von Abschlussarbeiten in naher Zukunft keine erwartbare Lösung sein. Die Unis in Bochum und Köln teilen ebenso diese Meinung.

Wie gehen die Unis in NRW mit der KI um? „Verbot nicht zielführend“

Und wie steht es um die Handhabung mit KI an den Universitäten NRWs? „Ein grundsätzliches Verbot von KI wird als nicht zielführend erachtet. Vielmehr bietet sich Potenzial, den Umgang mit KI gewinnbringend in die Lehre zu integrieren“, so Eva Prost von der TU. Prüfungsformen wie Hausarbeiten stünden derzeit in Dortmund auf dem Prüfstand.

„Der Erwerb von Kenntnissen zu KI und Data Analytics und das Training eines zukunftsorientierten Praxis-Einsatzes gehören zu den Future Skills, die für die Lebens- und Arbeitswelt relevant sind“, erklärt Astrid Bergmeister. Ein konstruktiver Umgang mit ihnen sei dafür ein wichtiger Bestandteil eines Studiums und werde in Studiengängen, in denen es sinnvoll ist, in die Lehre integriert.

An der Uni Münster befasse sich eine vom Rektorat bestellte Task Force mit den Herausforderungen durch KI in Prüfungen.

Nach monatelanger Debatte und Umsetzung hat die Westfälische Wilhelms-Universität ihren Namen zum 1. Oktober geändert. Ende Januar 2023 fand die Universität einen neuen Namen und heißt nun Universität Münster.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Christoph Hardt

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