Nach der Steinkohle bald Erdgas?

Nach der Abschaltung: Das könnte mit dem Gersteinwerk geschehen

-
+
0458a9b8-9574-43af-b9dc-60ff1a06ff63.jpg

Werne - Mit Abschalten des Kohleblocks am Freitag hat das Herz des Stockumer Gersteinwerks aufgehört zu schlagen. Vielleicht wird es aber auch wieder in Gang gesetzt. Dann würde der Kessel nicht mehr mit Steinkohle befeuert, sondern mit Erdgas.

Gas statt Kohle – dieses Zukunftsszenario entwarf Werksleiter Dr. Christoph Schlechter bei einer Pressekonferenz des Kraftwerkbetreibers RWE am Montagmorgen. Realität werden könne es indes nur, wenn die Politik entsprechend „Leitplanken“ setze, betonte er. Will heißen: Die Stromerzeugung mithilfe von Erdgas müsste sich für Unternehmen wieder wirtschaftlich auszahlen.

Schlechter erinnerte am Montag an den beschlossenen Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie sowie an die geplante sukzessive Abkehr von der Kohle. Strom aus Sonne und Wind wiederum stehe immer nur zur Verfügung, wenn das Wetter es zulasse. Dies eröffne dem Brennstoff Gas womöglich ganz neue Chancen.

Umrüstung technisch möglich

Eine Umrüstung des Kohleblocks auf Gas sei mit Aufwand verbunden, aber technisch ohne Einbuße der Leistung möglich, erläuterte Schlechter. Schon jetzt sei der Block K mit Gas angeheizt worden und verfüge über eine vorgeschaltete Gasturbine. Die Kosten für solch eine Umrüstung bezifferte Betriebsleiter Michael Wiegel mit einem zweistelligen Millionenbetrag.

Das wäre in jedem Fall weniger Geld, als RWE für den Bau eines neuen GuD-Kraftwerks (Gas- und Dampfturbine) am Standort Stockum ausgeben müsste. Auch an dieser Option werde weiterhin gearbeitet, verdeutlichte Schlechter. Demnach ist im März ein Antrag auf Teilgenehmigung bei der Bezirksregierung Arnsberg eingereicht worden. Sie beziehe sich auf das Freimachen des Baufelds. „Wir rechnen in zwei Monaten mit einem positiven Bescheid“, meinte Schlechter. Dann werde man binnen zwei Jahren zur Tat schreiten.

Vorbescheid für GuD-Kraftwerk

Für den Betrieb eines GuD-Kraftwerks liegt bekanntlich ein Vorbescheid vor, beschlossen ist der Bau aber noch nicht. Er könnte im westlichen Teil der Werksfläche entstehen, also unmittelbar am Kreisverkehr. Dafür abgerissen werden müsste unter anderem das Gebäude der Werksfeuerwehr, die ihre Arbeit zum Ende 2019 einstellt. Mit Beginn des nächsten Jahres, so ist es geplant, wird die kommunale Feuerwehr auch fürs Gersteinwerk zuständig sein.

Gersteinwerk Block K

-
-
-
-
Gersteinwerk Block K

Man wolle „so schnell wie möglich reagieren“ können, falls die Verstromung von Erdgas wieder politisch erwünscht und rentabel werde, verdeutlichte Schlechter. Das neue GuD-Kraftwerk soll demnach eine Leistung von 1 300 Megawatt haben. Zum Vergleich: Der Kohleblock brachte es bis dato auf 620 Megawatt zuzüglich 110 MW durch die Vorschalt-Turbine.

Zwei der vier Gasblöcke in Betrieb

Diese Vorschalt-Gasturbine bleibt laut Schlechter weiter im Einsatz. Gleiches gilt demnach für zwei der vier Gasblöcke (G und F), die in den Jahren 1972/73 erstellt wurden. Sie leisteten inklusive Vorschaltung je 410 Megawatt, seien zuletzt aber nur an 30 Tagen im Jahr in Betrieb gewesen. Dies könne als weiterer Beleg dafür gewertet werden, dass die Gas-Verstromung derzeit wenig nachgefragt sei. Die anderen beiden Gasblöcke (H und I) dienen RWE als Ersatzteilgeber.

Noch bevor Schlechter am Montag die Zukunftsoptionen fürs Gersteinwerk beleuchtete, ging er auf den „sehr emotionalen Moment“ der Außerbetriebnahme des Kohleblocks ein, lobte das Team für seine „perfekte Arbeit“ und überdies die Regelungen, die zur Zukunft der Mitarbeiter getroffen wurden. So hätten bereits „ein gutes Dutzend“ ins Kraftwerk Ibbenbüren gewechselt, der Hauptteil gehe Ende 2019 zum Kraftwerk Westfalen im benachbarten Hamm.

Ab 2021 noch elf Mitarbeiter

An beiden Standorten sind demnach Altersteilzeitregelungen getroffen worden; dies teils auch mit jenen 38 Kollegen, die bis Ende 2021 die Anlagen im Gersteinwerk in Schuss halten sollen. Ab 2021 seien – sofern die beiden Gas-Optionen nicht realisiert würden– nur noch elf Mitarbeiter vor Ort notwendig. Die Gasturbinen würden dann von Hamm aus gesteuert. Zurzeit arbeiteten rund 85 Mitarbeiter am Standort Stockum, Anfang 2018 seien es noch rund 140 gewesen.

Zu den technischen Anlagen auf dem Gelände sagte Schlechter Folgendes: 

Kohleblock: Der wird bis auf Weiteres konserviert, um bei Bedarf schnell wieder einsatzbereit zu sein. 

Kühltürme: Sie bleiben stehen. Der östliche gehört zum Ex-Kohleblock, der mittlere zu den zwei einsatzbereiten Gas-Blöcken, der dritte ist als Kühlturm für ein neu zu bauendes GuD-Kraftwerk gedacht. 

Kohlenplatz: Der wird nicht mehr benötigt und kann zurückgebaut werden. 

Flugasche-Deponie: Sie wird stillgelegt und begrünt, bleibt aber – wie gesetzlich vorgeschrieben – unter Aufsicht. Eigentümer der Deponie ist die RWE Generation SE, Betreiber die Steag Power Minerals GmbH. 

Hafen: Hier werden in Abstimmung mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt drei Alternativen diskutiert: ein Teilrückbau, die Umwandlung zu einem Liegeplatz für Schiffe sowie das Anlegen einer Marina.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare