Rosenmontagszug
Zwangsstopp konnte Werner Zug nur kurz aufhalten
WERNE - Kuriose Unterbrechung beim Werner Rosenmontagszug: Die Zugmaschine des Prinzenwagens war defekt. Nachdem Ersatz aufgetrieben war, gab es keine weiteren Probleme...
Von Susanne Hoffmann
Nerven aus Stahl bewiesen Prinz Marco I., Prinzessin Anja II. und ihr Gefolge als den vier stattlichen Schimmeln vor dem Prinzenwagen kurz vor dem geplanten Start des Rosenmontagsumzuges um 14.11 Uhr die Puste ausging. Kurzerhand zog das Organisationsteam um Heinz Lohmann Plan B aus der Tasche und spannte vor die vier Pferdestärken einen Traktor mit einigen hundert PS. Und so konnte der Zug gegen 14.25 Uhr endlich Fahrt aufnehmen.
Kleine und große Karnevalsfans hatten den Start des Zuges auch schon sehnlichst erwartet. Sie standen dicht gedrängt Spalier, um den Zugteilnehmern zuzujubeln ihre Stoffbeutel und Rucksäcke mit Kamelle zu füllen. Lauri und Tyler (beide 7) setzten beim Sammeln von Popcorn, Karamell und Co. auf Schnelligkeit. "Man muss schnell sein und rennen" erklärte Tyler. Leon und seine Mutter arbeiteten im Team. "Ich sammel vorne und meine Mutter hinten", so der Neunjähige. Egal welche Taktik sie beim Kamelle-Sammeln verfolgten, die Tüten der Kinder füllten sich schnell und bargen neben Bonbons so manches Highlight. Joline (6) freute sich besonders über Popcorn, Tjaark (6) hatte einen Stoff-Eisbären geschnappt und Selina (8) packte eine Handytasche ein.
Bilder vom Rosenmontagszug:
So bunt gemischt wie die Kamelle-Beutel war auch das Partyvolk. Auffällig war jedoch das gehäufte Auftreten von Löwen, Giraffen, Hühnern, Bären und anderem Getier. Tierkostüme waren der Renner, schützten sie doch optimal vor der Kälte. Die Mitglieder einer Froschfamilie aus Lünen zum Beispiel verrieten, dass sie nicht nur warme Ohren haben, sondern unter der Frosch-Haut auch ziemlich dick angezogen seien. Andere Zugteilnehmer zeigten jedoch trotz Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt viel Haut. Michelle, Marie (beide 18) und Kim (20) waren als Rotkäppchen und Politessen in Knappen Outfits unterwegs. Um nicht zu frieren, tanzte sich das Trio einfach auf dem Marktplatz warm. Und war dabei in guter Gesellschaft. Vor allem junge Karnevals-Fans feierten ausgelassen auf dem Marktplatz oder schunkelten zu Füßen der prächtigen Wagen.
Die Zugteilnehmer hatten ihrer Fantasie wieder freien Lauf gelassen. Während die Werner Überflieger den Flughafenbau in Berlin mit all seinen Pannen
aufs Korn nahmen, zeigte die Frauen-Union Werne mit dem Spruch "200 Jahre Grimm's Märchen, heute bilden wir neue Pärchen" Selbstironie hinsichtlich diverser privater Trennungen. Die Themen Solebad (SPD) und Energiestadt Werne (CDU) waren weitere Themen aus der Lokalpolitik. Ihre Liebe zum Fußballclub Borussia Dortmund demonstrierten die närrischen Handwerker in einem schwarz-gelben Truck.
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Den krönenden Abschluss übernahm natürlich der Stadtprinzenwagen, dessen Pferdchen größtenteils brav dem Traktor folgten, nur in den Kurven sträubten sie sich etwas. Die Deichsel ließ ihnen wohl zuviel Freiheit. Aber davon ließ sich das Prinzenpaar samt Gefolge nicht aus der Ruhe bringen. "Wir haben sehr gute Organisationsleiter und das Team drumherum macht den Rest", verpasste Prinz Marco I. seinem Team den Ritterschlag.
Sekundarschüler als Piraten
Einmal im Karnevalszug mitgehen - für die Werner Sekundarschüler wurde dieser Traum am Rosenmontag wahr. Als Piraten verkleidet waren sie ab 11.11 Uhr im Karnevalsfieber und gingen geschlossen - "bewaffnet" mit 100 Kilo Bonbons - mit Lehrern und engagierten Eltern zum Hagen, wo sich der närrische Lindwurm gegen 14.11 Uhr in Bewegung setzte.
Dass die Sekundarschüler überhaupt auf die Idee kamen, verkleidet durch die Straßen zu ziehen, lag auch daran, dass Wernes Kinderprinzessin Aliya I. Emkic seit Sommer Schülerin der Marga-Spiegel-Schule ist. Das Motto der Spiegel-Schüler lautet "Volle Kraft voraus" - das galt schon bei den akribischen Vorbereitungen auf den Rosenmontag.
In ihren Klassen hatten die Mädchen und Jungen unter anderem Schwerter aus Schaumstoff gebastelt, Fernrohre sowie Augenklappen. Um die Erstellung eines Banners hatten sich Lehrer gekümmert, Eltern gestalteten einen Kettcar-Anhänger zu einem Piratenschiff um - und nicht zuletzt
wurde im Musikunterricht ein selbst getextetes Lied einstudiert. "Jede Klasse hat auch noch eine Strophe für ihre Lehrer gedichtet, aber die werden wir nicht singen", verrät Schulleiter Hubertus Steiner. Doch eine Zeile, die die Zug-Besucher zu hören bekommen werden, heißt: "... und heute wird die Schul' gerockt ..." - sh/am













