Haus am Bahnübergang in Kürze bezugsfertig
20 Flüchtlinge kommen demnächst am Pferdekamp unter
„Ich möchte an dieser Stelle einmal eine Lanze brechen für die Verwaltung. Ich ziehe den Hut vor den Mitarbeitern, die tagtäglich mit neuen Situationen konfrontiert werden!“
Welver – Udo Stehling, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Welveraner Rat, nahm die Diskussion im Ausschuss für Ehrenamt, Kultur, Bildung, Soziales, Sport und Generation um die Flüchtlingssituation in der Gemeinde zum Anlass, die Arbeit des Sozialamts und der anderen Beteiligten im Rathaus zu würdigen. In der Tat: An manch einem Morgen geht es im Foyer des Rathauses zu wie in einem Taubenschlag, wenn wieder eine große Schar von Schutzsuchenden in Welver eintrifft.
Bürgermeister Camillo Garzen erläuterte im Ausschuss die Zahlen, die Sozialamtsleiterin Lydia Weiland ihm vor ihrem Urlaub mit auf den Weg gegeben hatte. Stand 6. Oktober waren es rund 390 Flüchtlinge, die Welver beherbergen musste. Dabei variieren die Zahlen aufgrund der hohen Fluktuation ständig. 140 Bewohner waren es zum genannten Stichtag im Eilmser Wald, 132 in der Hauptschule, 56 in angemieteten Wohnungen. Außerdem wohnten am 6. Oktober über 60 Ukrainer in privaten Unterkünften.
„Wir müssen gewappnet sein, falls eines Morgens ein Bus mit 40 Leuten vor der Tür steht“, erklärte Garzen, dass die Gemeinde verpflichtet ist, bis zu 438 Personen aufzunehmen. Von einem Tag auf den anderen könnte sich die Lage also zuspitzen. Daher setzt die Verwaltung alle Hebel in Bewegung, um Herr der Lage zu bleiben.
So ist in dieser Woche nach langem Verfahren die Gemeinde Eigentümer des Hauses am Bahnübergang am Pferdekamp. Es wird nach der nun erfolgten Übergabe bis Ende des Monats so instandgesetzt, dass dann Platz ist für 20 Schutzsuchende. Außerdem wird das große Grundstück direkt am Bahndamm untersucht, ob dort Container platziert werden können. Das erfordert ein Bodengutachten, das bis Mitte November vorliegen soll.
Sollte dies wie gewünscht ausfallen, könnten Wohncontainer bestellt werden. Die Lieferzeit beläuft sich dem Vernehmen nach auf drei bis vier Monate. Bauamtsleiterin Katrin Hofma würde sie so anordnen, dass ganze Wohneinheiten daraus gemacht werden können. Wie viele Plätze dadurch zusätzlich geschaffen werden können, bleibt abzuwarten.
Auf jeden Fall sieht Garzen die Notwendigkeit, weitere Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen, denn: „Die Zahlen werden noch weiter nach oben gehen, das ist noch nicht zu Ende, auch wenn in Berlin andere Wege eingeschlagen werden“, ist sich der Bürgermeister sicher, dass weitere Herausforderungen in Sachen Flüchtlinge auf die Gemeinde zukommen.
Hauptschul-Halle im Notfall
„Ich bin daher froh, dass wir die Hauptschule haben“, sieht er derzeit keine Chance, das ehemalige Schulgebäude an der Wolter-von-Plettenberg-Straße wie geplant zu sanieren. Vielmehr könnte die Turnhalle der ehemaligen Hauptschule in eine Flüchtlingsunterkunft umgewandelt werden. „Das ist weiter eine Option für den äußersten Notfall“, so Garzen. Es muss nur ein zweiter Rettungsweg geschaffen werden, um eine entsprechende Baugenehmigung erhalten zu können.
Zunächst aber sollen andere Mittel ausgeschöpft werden; so wurde in Welver ein Haus angemietet, in dem 20 Schutzsuchende untergebracht werden können. Es wird derzeit vom Besitzer saniert, dürfte alsbald bereitstehen. Keine Option ist hingegen, die Maximalbelegung der Hauptschule auszureizen. „Es kann nicht das Ziel sein, dort 10 bis 15 Leute in einen Raum zu packen“, weiß der Bürgermeister, dass das Sprengstoff produzieren könnte.
Und auch eine Nutzung der Zweifachhalle an der Grundschule soll unter allen Umständen vermieden werden, wenngleich hierfür die Baugenehmigung vorliegt. „Wir wollen alle die Zweifachhalle nicht für die Flüchtlinge nutzen“, sprach Udo Stehling für die gesamte Politik und erntete keinerlei Widerspruch.