Sport ist die letzte verbliebene Sucht

Hermann Wenning las in der Drogenfachklinik „Release“ ▪
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Hermann Wenning las in der Drogenfachklinik „Release“ ▪

HERBERN ▪ Hermann Wenning hat es geschafft. Er fand den Ausweg aus einem Leben zwischen Drogenrausch, Kriminalität und Gefängnis. Dazu beigetragen, dass der heute 46-jährige wieder ein normales Leben führen kann, hat die Drogenklinik „Release“ in Herbern. Seine Erfahrungen als Junkie, Krimineller und Obdachloser hat er in seinem Buch „Lauf zurück ins Leben“ verarbeitet, aus dem er am vergangenen Donnerstagabend in der Drogenfachklinik las.

„Für mich ist das heute Abend eine ganz besondere Lesung. Ich war zweimal im ‚Release’ und mittlerweile ist es für mich wie eine zweite Heimat geworden“, eröffnete Wenning seinen Auftritt vor rund 50 Zuhörern. „Mich berührt es, so viele alte Bekannte wiederzusehen.“ Ehrlich ging er auf seinen steinigen Weg „zurück ins Leben“ ein und beschrieb eine – für die meisten – fremde Welt.

Hermann Wenning kam 1964 auf einem Bauernhof im Münsterland zur Welt und erfuhr dort eine unbeschwerte Kindheit. Seine erste Alkoholerfahrung machte er, als seine Großmutter auf dem Hof einen Likör herstellte und er zusammen mit seinem Bruder heimlich kostete. „Das war mein erster Rausch“, erklärte er.

Seine größte Aufmerksamkeit widmete er zu diesem Zeitpunkt dem Sport. „Beim Sport konnte ich alles vergessen. Durch Ausdauer und Disziplin konnte ich mir im Fußball und in der Leichtathletik einiges erarbeiten“, erzählt er. Doch leider stellten sich auch schnell Enttäuschungen ein, zum Beispiel, als er bei einem Wettbewerb aufgrund einer Verletzung nicht starten konnte. Den Frust ertrank er dann im Alkohol. Es folgte die Abhängigkeit von Tabletten und Zigaretten.

Wenning berichtete in sympathisch ungeschönter Art und Weise seinen aufmerksamen Zuhörern von seiner ersten Erfahrung mit illegalen Drogen.

In einer Disco, wo er als Aushilfskellner jobbte, nahm er zum ersten Mal Ecstasy zu sich und erlebte einen Vollrausch, wie er ihn nie wieder erfuhr. Seine Leistungen im Sport wurden immer schlechter und später verlor er auch die Jobs bei der Müllabfuhr und in der Disco. Der Absturz begann. Aus Ecstasy wurde Speed und später auch Heroin. Seine Eltern überredeten ihn zu einer Entziehungskur, die er jedoch nach einigen Tagen wieder abbrach, da er den psychischen und körperlichen Entzug nicht ertragen konnte. Dass er rückfällig wurde, war vorhersehbar.

„Meine gesamten Ersparnisse waren verbraucht und die Jobs hatte ich auch nicht mehr“, erklärte er. „Mich schockiert es heute immer wieder, wenn ich daran denken, wie schnell ich zu einem Serieneinbrecher werden konnte“, erklärte er. Er begann damit, Leergut zu stehlen und in Häuser einzubrechen. Er wurde geschnappt, verurteilt und landete im Gefängnis. Als er mit der Auflage, eine Therapie zu beginnen, wieder freikam, setzte er sich nach Hamburg ab und wurde obdachlos. Als die Kriminalität und die Sucht auch dort kein Ende nehmen wollten, landete er wieder „hinter Schloss und Riegel“.

Von da an begann der Ausweg aus dem Teufelskreis von Sucht- und Beschaffungskriminalität. Sein Bruder erinnerte ihn an seine großen Momente im Sport und viele Therapie- und Trainingsstunden später gewann er den Volkslauf in seiner Heimatstadt Legden. Die einzige Droge, von der er immer noch nicht losgekommen ist, ist der Sport. Seit mehreren Jahren ist er clean und möchte mit seinem Buch anderen den Mut dazu geben. ▪ ans

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