Endgültiges Aus für Vorsorgezentrum im Amtshof

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Drensteinfurt - Das ehrgeizige und lang diskutierte Projekt Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) am Amtshof ist endgültig gescheitert. Das bestätigte sowohl Bürgermeister Carsten Grawunder als auch Initiator Dr. Heinrich Binsfeld.

„Ich bin sehr enttäuscht“, lässt Binsfeld verlauten. Alle Parteien, der Bauausschuss, das Denkmalamt, der CDU-Abgeordnete Henning Rehbaum, Landrat Dr. Olaf Gericke, der Graf von Meran als Besitzer und auch die Bürger (durch Unterschriftenlisten) hätten dem Projekt zugestimmt – lediglich die Stadtverwaltung habe nein gesagt. Binsfeld habe durch seinen Investor 10 Millionen Euro sofort zur Verfügung gehabt, unter der Voraussetzung, die Zusage der Stadt zu bekommen. Auch hinsichtlich des geforderten Gutachtens für Emissionsschutz sei er bereit gewesen, die Kosten zu übernehmen. Zwischenzeitlich habe die Stadt 45 000 Euro für Gutachten gefordert, diese Summe auf 3 000 bis 5 000 Euro reduziert, um sie dann wieder auf 65 000 Euro anzuheben. 

„Ich hatte das Gefühl, man will mich über den Tisch ziehen“, zeigt sich Binsfeld verärgert. Bestätigt habe sich seine Annahme durch die letzte Vereinbarung, die einem Knebelvertrag gleich gekommen sei. Ein Städteplaner aus Hamburg habe das Projekt begutachtet und lediglich ein Immissionsgutachten und die Erweiterung des Rosenweges für nötig gefunden. „Das Verhalten der Stadt bezeichnete er als Provinzposse“, erinnert sich Binsfeld. Viele Male habe er den Bürgermeister gebeten, sein Einverständnis zu geben, jetzt habe er die zugesagten 10 Millionen Euro zurückgegeben. 

Bürgermeister Carsten Grawunder wirft Binsfeld vor, das Lärmschutzgutachten, um das er ihn gebeten habe, nicht in Auftrag gegeben zu haben. Auch weiß er nichts von

Dr. Heinrich Binsfeld (links) und Carsten Grawunder (Bürgermeister Drensteinfurt)

einer Forderung von 65 000 Euro. Die Rede sei von 50 000 Euro gewesen. „Ein Investor, der 10 Millionen Euro zur Verfügung hat, lässt sich von 50 000 Euro nicht abschrecken“, versichert Grawunder. Er habe Binsfeld, nachdem dieser bestätigt hatte, die 10 Millionen zurückgegeben zu haben, gebeten, ihm den Investor zu nennen, um sich mit ihm in Verbindung zu setzten. „Das hat er rigoros abgelehnt, da war für mich das Thema erledigt.“ 

„Einen Investor gibt man nicht preis, das ist ein Tabu“, hält Binsfeld dagegen. Er sei dankbar gewesen, dass sein Investor das Geld für das MVZ zur Verfügung stellen wollte. Die Aufforderung, ein Lärmschutzgutachten erstellen zu lassen, um den Vorgang zu beschleunigen, habe der Bürgermeister kurz vor Weihnachten gestellt, da habe er keinen Gutachter finden können. 

Letztendlich betont Bürgermeister Grawunder: „Ich bedaure, dass es nicht gelungen ist, die Interessenlagen mit den rechtlichen Bestimmungen, die eingehalten werden müssen, in Einklang zu bringen. Wir wollen durchaus, aber wir können nicht einfach ja sagen, wir müssen uns an das Baurecht halten.“ 

Konkrete Planungen bezüglich der Stadt seitens des Amtshofs gibt es derzeit nicht. „Ich habe Ideen, die sind aber nicht spruchreif, da müssen noch viele Gespräche geführt werden. Problematisch sei bei dem Projekt, dass nur verpachtet werden soll. Ein Verkauf komme für den Grafen von Meran nicht in Frage und darum sprängen viele Investoren ab. „Wer viel Geld in eine Immobilie investiert, möchte sie auch als Eigentum haben“, so Grawunder. Er habe bereits ein Gespräch mit dem Grafen von Meran geführt – schließlich sei der als Eigentümer in der Verantwortung, etwas zu unternehmen, nicht die Stadt. 

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Weder der Amtshof noch das MVZ gehen Dr. Binsfeld derzeit aus dem Kopf. „Im Moment basteln wir an einer anderen Lösung“, bestätigt er. Den Amtshof zu erhalten und ein MVZ zu errichten sei nach wie vor eine faszinierende Idee, die Realisierung stehe derzeit noch in den Sternen. Schließlich sei der Amtshof derzeit dem Verfall preisgegeben, zudem liege für ihn die Notwendigkeit eines MVZ auf der Hand: Laut IT.NRW, dem statischen Landesamt, würde die Zahl der 60- bis 75-Jährigen in Drensteinfurt von 2013 bis zum Jahr 2030 um 75 Prozent steigen, die der 30- bis 45-Jährigen aber nur um 0,4 Prozent. 

Dank des Versorgungsverstärkungsgesetzes vom 1. Juli 2015 wird es für Arztpraxen ohne MVZ keine Nachfolger mehr geben. Hier sehe Binsfeld die medizinische Versorgung der Drensteinfurter in Gefahr. Er bleibe mit dem Grafen von Meran im Gespräch, habe aber so seine Zweifel, ob man das MVZ in dieser Stadt errichten kann.

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