Nach über 20 Jahren muss der einzige Buchladen in Bönen schließen
Bönen - Bücher werden immer noch gelesen. Auch von jungen Leuten. Das meinen zumindest Sabine und Wilfried Lentz. Das Problem: Die Bönener lesen nicht oder aber zu wenig – in jedem Fall kaufen sie kaum Bücher. Deswegen schließen die beiden Hammer Ende Januar ihren Laden Buch und Kunst (BuK) in der Fußgängerzone.
„Wir waren ja auf der Buchmesse in Frankfurt“, erzählt Sabine Lentz. „Dort war die Hölle los, auch viele junge Leute. Aber vielleicht ist das ja der Eventcharakter.“ Traurig sind sie und ihr Mann über das Ende in Bönen. Grund für das Aus sei das veränderte Käuferverhalten, Stichwort bequemer Einkauf im Internet. Aber auch die fehlende Laufkundschaft in der Bönener Fußgängerzone.
„Es ist ja inzwischen auch erwiesen, dass sich Fußgängerzonen für kleine Orte und ihre Geschäftswelt nachteilig auswirken“, erklärt Wilfried Lentz. In einigen Kommunen würde der Trend der 70er Jahre wieder zurückgebaut. Beide BuK-Geschäftsführer untermauern die These mit der Erfahrung aus ihren Geschäften in Bockum-Hövel und Neubeckum.
Die BuK-Filialen liegen dort direkt an der Straße. „Da geht oder fährt man automatisch vorbei.“ In Beckum sei die „sehr schöne Innenstadt“ durch individuelle Läden attraktiv, in Heessen durch das Einmieten im Gebäude einer Arztpraxis. In Bönen würden diese „Spontankäufe“ fehlen. „Wir haben immer noch unsere Stammkunden“, sagt Sabine Lentz, „aber auch die werden weniger, es reicht nicht mehr.“
"Wir haben die Reißleine gezogen"
Es sei ein schleichender Prozess gewesen. „Von 2008 bis 2018 haben wir über ein Drittel der Kunden verloren“, ergänzt Wilfried Lentz. Die Kosten seien in diesem Zeitraum stetig gestiegen, der Erlös hingegen sinke logischerweise. „Die Tendenz spricht für ein Minus im kommenden Jahr“, sagt Wilfried Lentz. „Deswegen haben wir uns entschlossen, die Reißleine zu ziehen.“
Die beiden Geschäftsführer sind für die vier anderen Filialen und insgesamt 30 Mitarbeiter, Teilzeitkräfte, verantwortlich. „Und es geht nicht, dass wir den erwarteten Verlust in Bönen mit den Gewinnen der anderen BuKs ausgleichen.“
Vermieterin Gerda Gröblinghoff sei frühzeitig informiert worden. „Sie ist uns dadurch entgegengekommen, dass wir noch bis Ende Januar bleiben können, reguläres Auslaufen des Mietvertrages wäre im September.“
Neben den Mitarbeitern erfuhr dann auch Bürgermeister Stephan Rotering vom Aus. „Er hat uns ja dahingehend geholfen, dass wir die Schulen in Bönen mit Büchern versorgen konnten“, erklärte Wilfried Lentz. Ob das 2019 wieder so wäre, ist mehr als unsicher. Eigentlich ist der Kreis Unna für die Schulbuchversorgung zuständig.
Wer den Zuschlag erhält, würde in der Regel gelost. Auch, wenn die Schulen glücklich gewesen wären, vom örtlichen Buchhändler schnell und direkt versorgt worden zu sein. Auf diesen Geschäftszweig zu setzen sei der falsche Weg.
Die sechs Mitarbeiter könnten theoretisch in Hamm arbeiten. „Aber als 450-Euro-Kraft von Kamen nach Hamm zu fahren?“, zweifelt Wilfried Lentz. „Ich weiß nicht, ob das Sinn macht.“ Drei der Beschäftigten in Bönen seien zudem über 65 Jahre alt.
Gröblinghoff habe wohl schon einen Nachmieter im Auge, meinen Sabine und Wilfried Lentz. Der sei in der Lage, die Mietpreise einer Fußgängerzone zu zahlen. An der Oswaldstraße in Bockum-Hövel, das mit über 30 000 Einwohnern auch mehr Laufkundschaft biete, seien diese Kosten auch geringer.
„Wir sind natürlich traurig, schließen zu müssen“, erklärt Sabine Lentz, „immerhin sind wir jetzt schon 21 Jahre vor Ort.“ Für die Zukunft der Innenstädte zeichnet sie ein eher düsteres Bild: „Die Vielfalt in den Innenstädten wird sich wegen des geänderten Kaufverhalten weiter negativ entwickeln“, sagt die gelernte Buchhändlerin, „die Menschen werden sich dann fragen, wo gehe ich jetzt shoppen.“