Wie ein Krimi mitten in Bönen

Ex-Woolworth-Gelände von Banden ausgeplündert

Das ehemalige Woolworth-Gebäude ist nicht so verlassen, wie es auf den ersten Blick erscheint.
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Das ehemalige Woolworth-Gebäude ist nicht so verlassen, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Bönen -  Es klingt wie ein Krimi mitten in Bönen: Nacht für Nacht sind osteuropäische Banden im Gewerbegebiet unterwegs, um alles zu klauen, was irgendwie Geld bringt. Besonders im Fokus der Täter: das riesige verlassene Areal des ehemaligen Woolworth-Lagers.

Spuren weisen darauf hin, dass die Täter zum Teil versteckt in den unübersichtlichen Gebäuden hausen und von dort anderen Komplizen draußen zuarbeiten. Bis zu zehn Tonnen Kupfer und Altmetalle sollen auf mysteriöse Weise jede Woche verschwinden. So wird die Woolworth-Ruine regelrecht ausgeschlachtet. Auch vor anderen Firmen machen die Täter offenbar nicht Halt.

Was da zumeist im Schutz der Nacht abläuft, bekommen die Bönener nur dann mit, wenn ein Alarm ausgelöst wird und die Polizei mit Hundestaffeln anrückt oder Unterstützung aus der Luft kommt. Das laute Rotorenbrummen eines kreisenden Hubschraubers, der mit Suchscheinwerfern das Industriegebiet nach flüchtenden Tätern absucht, hat in der Vergangenheit immer wieder Anwohner mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen. Der Erfolg ist gleich Null, denn bisher konnte die Polizei trotz großen Aufgebotes an Personal und Suchhunden die Täter nicht stellen, und und die andauernden Plünderungen bis heute nicht stoppen. Zu unübersichtlich ist das Firmengelände, zu viele Flure, Räume und Hallen – das Areal ist unüberschaubar. Und da es keinen Strom mehr gibt, in der Nacht stockdunkel.

Diebe hausen tagelang im Gebäude

Was gibt es auf diesem verlassenen Firmengelände zu holen, das organisierte Banden seit Monaten anlockt? „Jede Menge Kupfer und andere Metalle, die einen hohen Wiederverkaufswert haben“, erzählt ein ehemaliger Sicherheitsmann, der anonym bleiben möchte und das Objekt im Auftrag einer Sicherheitsfirma bis vor Kurzem bewachte. „Da wird alles ausgebaut und rausgerissen, was Geld bringt“, sagt er. Die Täter seien bestens organisiert, schließlich handele es sich ja nicht um Diebesgut, das man mal eben in die Tasche stecken und raustragen könne.

Die Sicherheitsleute, die das Gelände bewachen, könnten nach seiner Erfahrung wenig ausrichten. Während vorne patrouilliert werde, werde auf der Rückseite das Diebesgut abtransportiert. „Wir haben Spuren gefunden, die darauf hinweisen, dass möglicherweise mehrere Täter in dem unübersichtlichen Labyrinth tagelang kampieren und von Aussen mit Lebensmitteln versorgt werden“, berichtet der ehemalige Wachmann. Ein halsbrecherischer Job in dem dunklen, maroden Gebäude. Dennoch gelingt es den Tätern, verbaute Kabel abzubauen, auf Kleinlaster zu verladen und auf der nahen Autobahn zu verschwinden ohne erwischt zu werden.

Der Eigentümer der ehemaligen Woolworth-Immobilie sitzt in Israel, verwaltet wird das Gelände von einer Immobilienfirma mit Sitz in Berlin. Dort scheint man die Vorgänge in Bönen offensichtlich gelassen zu sehen. Im vergangenen Jahr fand schließlich auf Betreiben der Gemeindeverwaltung ein kurzer Ortstermin statt, der zur Folge hatte, dass zumindest der Zaun um das Objekt erneuert wurde und ein Wachdienst beauftragt wurde, das Gelände zu sichern.

Die Demontage der Immobilie im Bönener Industriegebiet „Am Mersch“ ist eine Sache, die Sicherheit eine andere. „Der Eigentümer hat auch eine Sicherungspflicht, damit zum Beispiel nicht Unbefugte das Gelände betreten können und sich dort verletzen“, sagt Julia Schmidt, Sprecherin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna, die das Objekt nach wie vor in ihrem Portfolio anbietet.  „Wir sind uns darüber im Klaren, dass das Objekt vor einer neuen Nutzung grundsaniert werden müsste.“

Der Deal mit einem früheren Interessenten kam letzlich nicht zustande, weil das Angebot nicht den Erwartungen der Berliner Verwaltungsfirma entsprach. „Wir haben da leider keine Handhabe“ so Julia Schmidt. „Wir können den Besitzer nicht zwingen.“

Polizei kann keinen Rundumschutz leisten

Vom langen Leerstand wird es nicht besser. Also verfällt das Gebäude langsam und wird zudem immer weiter ausgeschlachtet. Die Polizei kann die Rund-um-die-Uhr-Überwachung des Objekts nicht leisten. „Das ist auch gar nicht unsere Aufgabe“, sagt Polizeisprecher Ralf Hammerl. „Dafür gibt es private Wachschutzfirmen.“ Die Zahl der Wachmänner wurde jedoch jüngst auf ein Minimum reduziert. - kir

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