Neues Wohnquartier

Wasserstadt kämpft mit Kostensteigerung – Verfällt Fassaden-Förderung wegen Zeitverzugs der RAG?

Ein Bild der riesigen Wasserstadt-Baustelle: Nach Ende der Erdarbeiten soll in Kürze mit dem Bau des Adensees begonnen werden. Fertigstellung soll Ende 2025 sein.
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Ein Bild der riesigen Wasserstadt-Baustelle: Nach Ende der Erdarbeiten soll in Kürze mit dem Bau des Adensees begonnen werden. Fertigstellung soll Ende 2025 sein.

Der Bau der Wasserstadt Aden kostet – Stand heute – mehr als gedacht: 78,4 statt der zuletzt kolportierten 66 Millionen Euro. Überdies muss die Stadt befürchten, dass 1,45 Millionen Fördergeld des Bundes für die besondere Fassadengestaltung des Grubenwasserhebewerks nicht fließen, weil die RAG mit dem Bau in Verzug geraten ist und dadurch Förderfristen nicht eingehalten werden können.

Bergkamen – Die Wasserstadt auf dem Gelände der früheren Zeche Haus Aden soll einmal Bergkamens Vorzeige-Wohnquartier werden  – mit eigenem See, dem sogenannten Aden-Boulevard zum Flanieren und Häusern mit Bootsanlegern direkt am Wasser. Für das Kostenplus von 12,4 Millionen Euro macht die städtische Projektleiterin Barbara Thiede die allgemeinen Preissteigerungen im Bausektor verantwortlich, die unter anderem durch Materialknappheit verursacht werden.

13,8 Millionen Euro für See und Gracht

Thiede stand der Politik am Mittwoch im Ausschuss für Stadtentwicklung, Strukturwandel und Wirtschaftsförderung Rede und Antwort – zusammen mit Baudezernent Jens Toschläger. Beide betonten, dass es sich bei den 78,4 Millionen um eine vorläufige Zahl handelt. Sie könne am Ende deutlich kleiner ausfallen, wenn zum Beispiel die Verkaufserlöse für die vielen Grundstücke höher seien als bis dato angenommen. Und: Aktuell gebe es Anzeichen, dass die Preise im Bausektor insgesamt auch wieder fallen würden.

Fast futuristisch mutet das Äußere des geplanten Grubenwasserhebewerks an. Weil Bewilligungsfristen nicht eingehalten werden, ist aktuell offen, ob die zugesagten Fördergelder für die Fassade auch wirklich fließen.

Als Beispiel nannte Thiede den Bau des 780 Meter langen und 80 Meter breiten Adensees. Der sei ursprünglich mit 12,5 Millionen Euro kalkuliert worden, 2022 dann mit 17,4, was einem Plus von 40 Prozent entsprach. Das Ausschreibungsergebnis nun liegt bei 13,8 Millionen, also deutlich unter der zuletzt erwarteten Summe.

Hoffen auf Zusatz-Förderung

Um die Mehrkosten aufzufangen, hofft die Stadt auf zusätzliche Mittel aus der Städtebauförderung. Es geht um weitere 8,9 Millionen Euro. Bislang sind knapp 13 Millionen vom Land für das Projekt geflossen, in diesem Jahr sollen es laut Antrag etwa 2,7 Millionen sein.

Auch um einen erhöhten Eigenanteil kommt die Stadt nicht herum. Er würde nach aktuellem Szenario um 1,1 Millionen auf rund 5,9 Millionen Euro steigen. Teuerster Posten beim Bau der Wasserstadt ist die Erschließung mit 24,6 Millionen Euro, gefolgt vom Bodenaufbau (19,2 Mio), der Herstellung von See und Gracht (15,7 Mio.), der Planung, Vorbereitung und Steuerung (13,4 Mio.) und der Entwässerung (5,5 Mio.).

Überraschende Nachricht

Die Nachricht, dass die RAG ihr 30 Meter hohes Gebäude für die Grubenwasserhaltung auf dem Wasserstadt-Gelände erst verspätet in 2026 fertigstellt, kam am Mittwoch überraschend. Und sie stellt die Stadt vor ein Problem, denn der Bewilligungszeitraum für die Förderung als „Nationales Projekt des Städtebaus“ endet 2024.

Bergkamen hat 1,45 Millionen Euro vom Bund erhalten, um das Gebäude mit einer ansprechenden Fassade auszustatten. Sie soll optisch auf den einstigen Bergbau am Standort verweisen. Der Architekturwettbewerb ist bereits gelaufen. Das Bauwerk wird mit einem Kettenvorhang aus Metall versehen.

Verwaltung optimistisch

Die Verwaltung gab sich im Ausschuss optimistisch, den Fördergeber dazu bewegen zu können, den Bewilligungszeitraum zu verlängern. Ein abschließendes Gespräch darüber ließe sich aber erst gegen Ende 2024 terminieren, sodass bis dahin ein Kostenrisiko bestehe.

Die Politik zeigte sich am Mittwoch teils erschüttert – wegen der zu erwartenden Mehrkosten, die noch nicht gedeckt sind, und des möglichen Wegfalls der bereits bewilligten Förderung. Unisono hieß es, dass man sich eine Wasserstadt ohne schmückende Hebewerksfassade nicht vorstellen könne. „Ein reiner Industriebau würde das Wohnquartier verschandeln“, hieß es etwa aufseiten der SPD-Fraktion.

CDU: „Gewisse Qualität“

CDU-Fraktionschef Thomas Heinzel warnte davor, der Wasserstadt wegen der „immer größer werdenden finanziellen Differenzen“ ihren Charakter zu nehmen. Sie sei zwar nicht als exklusives Wohngebiet geplant, sollte aber „eine gewisse Qualität“ mitbringen und „etwas Besonders in der Region“ werden. Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass beim Grundstücksverkauf nur auf die Marge geachtet werde.

Thomas Gzriwotz nannte es „nicht akzeptabel“, dass durch die Verzögerungen bei der RAG „finanzielle Risiken auf die Stadt abgewälzt“ würden. Man müsse die RAG bei Ausfall der Förderung mit ins Boot holen. Ähnlich äußerte sich BergAuf-Fraktionsvorsitzende Claudia Schewior. Man hätte das Unternehmen bereits zuvor verpflichten müssen, sich in so einem Fall finanziell zu beteiligen.

Deutliche Baufortschritte

Baudezernent Toschläger bat die Politiker, das Projekt Wasserstadt trotz der aktuellen Entwicklungen weiterhin positiv zu begleiten. Langfristig fließe über die Ansiedlung von Menschen und Betrieben viel Steuergeld in die Stadtkasse zurück, betonte er. Angelika Lohmann-Begander von der FDP vertrat die Ansicht: „Die Wasserstadt Aden wird Bergkamen weiter bringen als die IGA 2027.“

Der Bau der Wasserstadt macht deutliche Fortschritte. „95 Prozent der Erdarbeiten sind abgeschlossen“, sagt die städtische Projektleiterin Barbara Thiede. Alle übrigen Arbeiten zur Modellierung würden voraussichtlich im Juli beendet sein. Dann starte direkt der Bau des Adensees, für den im Zuge des Ausschreibungsverfahrens fünf Angebote vorgelegen hätten. Beauftragt wurde letztlich eine Bietergemeinschaft, der die Strabag GmbH und die Klaus Stewering GmbH & Co. KG angehören. Sie kümmert sich etwa auch um den Durchstich zum Datteln-Hamm-Kanal und den Bau eines Pumpwerks zur Kreislaufführung des Wassers. Bis Ende 2025 soll alles fertig sein.

Offene Fragen zur Vermarktung

Derweil sind auch die Planungen zur Entwässerung beauftragt, nachdem eine erste Ausschreibung erfolglos verlief. In einem Workshop nach den Sommerferien mit Stadtverwaltung, Politik, Maklern, Unternehmen aus dem Wohnungsbau und Banken sowie mit einer neuerlichen Marktuntersuchung soll ausgelotet werden, welche Gestaltungsvorgaben für die Wasserstadt gemacht werden sollen, wer die Vermarktung übernimmt und nach welchen Kriterien die Grundstücke vergeben werden sollen, für die es bereits eine lange Interessentenliste gibt. Auch geht es um Grundstückspreise, die letztlich der Gutachterausschuss festlegt.

In einem Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans für die Wasserstadt, das nach dem Sommer durch Beschluss im Stadtrat starten könnte, sollen unter anderem Fragen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung erörtert werden. Laut Projektleiterin Thiede ist die Stadtverwaltung „realistisch optimistisch“, dass die Bergkamen zur IGA 2027 schon „Vorzeigbares zu bieten“ hat: einen Adensee samt Gracht und Boulevard sowie erste Wohnhäuser am Wasser.

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