Hype um „Wundermittel“: Elotrans auch in Rünthe weitestgehend vergriffen

Schon seit 32 Jahren ist Johannes Hermes Apotheker. In seiner Berufslaufbahn hat er eine so große Nachfrage bei einem Medikament noch nie erlebt.
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Schon seit 32 Jahren ist Johannes Hermes Apotheker. In seiner Berufslaufbahn hat er eine so große Nachfrage bei einem Medikament noch nie erlebt.

Wenn Apotheken-Mitarbeiter nach „Elotrans“ gefragt werden, wissen sie, worum es geht. Denn die Nachfrage nach dem Medikament, das eigentlich gegen Durchfall hilft, ist riesig. 

Bergkamen/NRW – Dem Mittel wird nachgesagt, dass es auch nach dem Feiern dem Kater vorbeugen soll. Durch soziale Medien erlebte es als „Wundermittel“ einen regelrechten Hype und ist deshalb in vielen Apotheken vergriffen, so auch in Bergkamen-Rünthe.

In der Alten Apotheke an der Kanalstraße kommt man als Kunde auch mit einem Rezept nicht weit: „Bei uns sieht es genau so aus. Wir haben das Mittel leider aktuell nicht mehr“, bestätigt Stefanie Diehl, pharmazeutisch-technische Assistentin. Dass bisher ein bestimmtes Medikament teilweise komplett vergriffen war, kam bisher noch nie vor, obwohl es während der Pandemie bei anderen Präparaten vereinzelt Lieferengpässe gegeben habe.

Wir haben uns zu abhängig gemacht.

Johannes Hermes

Johannes Hermes, der seit 32 Jahren als Apotheker arbeitet, hat so etwas noch nie erlebt. Ihm fehlen aktuell zusätzlich einige Rohsubstanzen, um selbst Medikamente herstellen zu können, wie zum Beispiel Paracetamol. „Wir haben uns zu abhängig gemacht. Bisher gab es dafür drei Hersteller. Einer fiel einem Brand zum Opfer, ein anderer hat die Produktion eingestellt. Nun gibt es nur noch einen einzigen Hersteller in China.“

Wieso gerade das Durchfall-Medikament sich bei jungen Menschen so großer Beliebtheit erfreut, weiß Stefanie Diehl inzwischen: „Viele, die gefeiert haben und auf Festivals waren, haben das Mittel genommen.“ Über Instagram und andere soziale Medien verbreitete sich gerüchteweise, dass es gegen den Kater helfen würde.

Bestände schwanken

Wann genau Kunden erneut „Elotrans“ in der Apotheke kaufen können und die Bestände wieder aufgefüllt werden, kann die pharmazeutische-technische Assistentin nur abschätzen: „Zwischen Oktober und Anfang des nächsten Jahres.“ Zwar können immer mal wieder Lieferungen ankommen, genau voraussagen lasse sich das jedoch nicht. Je nach Apotheke schwanken die Bestände.

Ein paar 100 Meter weiter an der Apotheke „Rünther Straße“ gibt das Mittel zum Beispiel wieder: „Aktuell ist etwas da“, bestätigte eine Mitarbeiterin auf Anfrage vergangene Woche.

Herausforderung

Die hohe Nachfrage nach dem Mittel, das die Elektrolyt- und Flüssigkeitszufuhr unterstützt, stelle die Mitarbeiter der Apotheken vor Herausforderungen: „Wir hatten tatsächlich auch schon zwei, drei Fälle, bei denen Kunden das Mittel wirklich gebraucht hätten“, verrät Diehl. Doch weiterhelfen konnte sie nicht.

Denn Alternativen zu „Elotrans“ gibt es kaum. Deshalb wird beim Verkauf in der Alten Apotheke ab jetzt besonders darauf geachtet, an wen das Mittel abgegeben wird – wenn es überhaupt verfügbar ist.

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