„Schlafender Riese“

Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße war vor kurzer Zeit aktiv

Das schwarze Loch Sagittarius A* im Zentrum der Milchstraße wirft einen Schatten auf das Material, das es umgibt. (Archivbild)
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Das schwarze Loch Sagittarius A* im Zentrum der Milchstraße wirft einen Schatten auf das Material, das es umgibt. (Archivbild)

Das schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße ist ein schlafender Riese – doch vor kosmisch gesehen kurzer Zeit war es offenbar wach, zeigt eine neue Studie.

Straßburg – Sagittarius A* (Sgr A*), das supermassereiche schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße, ist seit langer Zeit inaktiv und hat sich lange kein Material aus seiner Umgebung einverleibt. Das weiß die Forschung, weil das schwarze Loch weit weniger leuchtet als andere schwarze Löcher im Zentrum von Galaxien, die man von der Erde aus beobachten kann. Doch nun zeigt eine neue Studie, dass der uralte schlafende Riese Sagittarius A* vor etwa 200 Jahren – in kosmischen Maßstäben vor nicht allzu langer Zeit – erwacht ist, um Gas und anderes kosmisches Material in seiner Umgebung zu verschlingen.

Name:Sagittarius A* (Sgr A*)
Typ:supermassereiches schwarzes Loch
Ort:Zentrum der Milchstraße
Radius:12.000.000 Kilometer
Entdeckung:13. Februar 1974
Entfernung zur Erde:25.640 Lichtjahre

Um zu diesem Ergebnis zu kommen, das im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde, nutzte ein Forschungsteam um den Astronomen Frédéric Marin vom Observatoire de Strasbourg, das zur Universität Straßburg gehört, das Nasa-Weltraumteleskop IXPE. Das Teleskop misst die Richtung und Intensität des elektrischen Feldes von Lichtwellen und wurde auf gigantische Gaswolken in der Nähe des schwarzen Lochs angesetzt. Dort hatten Forscher zuvor entdeckt, dass es hell leuchtende Röntgensignaturen gab, die eigentlich dunkel und kalt sein sollten.

Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße war vor 200 Jahren aktiv

„Eines der Szenarien, die erklären, warum diese riesigen Molekülwolken leuchten, ist, dass sie tatsächlich ein Echo eines längst vergangenen Röntgenlichtblitzes sind, was darauf hindeutet, dass unser supermassives schwarzes Loch vor einigen Jahrhunderten nicht so ruhig war“, erklärt Hauptautor Marin in einer Nasa-Mitteilung.

Um die Röntgenstrahlen zu analysieren, kombinierten die Forscher die IXPE-Daten mit Daten der Weltraumteleskope „Chandra“ und „XMM-Newton“. So gelang es ihnen, das Röntgensignal isolieren und seinen Ursprungsort zu entdecken. „Der Polarisationswinkel wirkt wie ein Kompass, der uns den Weg zu einer mysteriösen, längst verschwundenen Lichtquelle weist“, erläutert Riccardo Ferrazzoli, Astrophysiker am Italienischen Nationalen Institut für Astrophysik. „Und was liegt in dieser Richtung? Nichts Geringeres als Sgr A*.“

Sagittarius A* flackerte offenbar kurz auf und verschlang Materie

Im Laufe der weiteren Forschung fand das Team heraus, dass es sich bei den Röntgenstrahlen aus den riesigen Molekülwolken um reflektiertes Licht von einem intensiven, kurzen Aufflackern handelt, das in oder nahe bei dem schwarzen Loch entstand. Verursacht wurde es möglicherweise, als das schwarze Loch plötzlich Material in seiner Nähe verschlang. Aufgrund der Daten geht das Forschungsteam davon aus, dass das schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße vor etwa 200 Jahren, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, für kurze Zeit aktiv wurde.

Wie das „Hubble“-Weltraumteleskop das Universum sieht

Das „Hubble“-Weltraumteleskop zeigt Dinge im Weltraum, die die Menschheit ohne das Teleskop niemals zu Gesicht bekommen hätte. Ein Beispiel dafür ist diese Aufnahme des Sterns Eta Carinae, den „Hubble“ im ultravioletten Licht aufgenommen hat. Eta Carinae ist 7500 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Die Spiralgalaxie M100 hat „Hubble“ mit der „Wide Field Camera 3“ aufgenommen. Diese Kamera wurde bei der letzten Servicemission im Jahr 2009 installiert, das Bild ist einige Monate später entstanden.
Auch Planeten fotografiert das „Hubble“-Weltraumteleskop gelegentlich - so wie hier Saturn. Gut zu erkennen auf dem Bild ist das Ringsystem des Planeten, das sich 2018, als das Bild entstand, malerisch der Erde entgegenstreckte. Die Ringe des Saturn sind besonders spektakulär - sie haben den achtfachen Radius des Planeten.
Sehr bunt geht es in der Aufnahme zu, die zum 28. Geburtstag des „Hubble“-Weltraumteleskops am 24. April 2018 veröffentlicht wurde. Zu sehen ist eine Region, in der neue Sterne entstehen: Der Lagunennebel, 4000 Lichtjahre von der Erde entfernt und in Ferngläsern als kleiner Fleck zu erkennen. In dieser Region befindet sich der Stern Herschel 36, er ist 32 Mal massiver und acht Mal heißer als unsere Sonne.
Wie das „Hubble“-Weltraumteleskop das Universum sieht

Im nächsten Schritt wollen die Forscher die Beobachtung wiederholen und genauere Messungen vornehmen. Mithilfe weiterer Daten könnte man unter anderem genauer abschätzen, wann das schwarze Loch aufflackerte und wie intensiv die Aktivität war. Studien dieser Art helfen Forschern, neue Erkenntnisse über die physikalischen Prozesse zu gewinnen, die notwendig sind, um Sgr A* wieder aus seinem Schlaf zu erwecken, erklärt IXPE-Wissenschaftler Steven Ehlert.

„Wir wissen, dass sich aktive Galaxien und supermassereiche schwarze Löcher innerhalb einer menschlichen Zeitskala verändern können“, betont Ehlert. „Wir lernen mehr über das Verhalten dieser Galaxie im Laufe der Zeit, ihre Geschichte der Ausbrüche, und wir sind gespannt darauf, sie weiter zu beobachten, um festzustellen, welche Veränderungen typisch und welche einzigartig sind.“ (tab)

Forschern ist kürzlich eine Aufnahme von einem schwarzen Loch gelungen, das einen Materie-Jet ins Weltall geschleudert hat.

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