Nicht die Aussicht auf Nachtisch

Verblüffende Taktik: Experiment enthüllt, wie Kinder mehr Obst und Gemüse essen

Um Kinder dazu zu motivieren, mehr Gemüse zu essen, ist anscheinend etwas „Magie“ erforderlich. Das legt zumindest eine Untersuchung nahe.

Übergewicht nimmt auch bei Kindern in den letzten Jahren immer weiter zu. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) liegen die Ursachen vor allem in den veränderten Lebensbedingungen, wie Bewegungsmangel und einer schlechten Ernährung. Dabei ist ausgewogenes und abwechslungsreiches Essen nicht nur für ein gesundes Gewicht, sondern auch für eine gute Nährstoffversorgung wichtig. Viele Kinder sind aber sogenannte „picky eaters“ (wählerische Esser) und verschmähen viele Obst- und Gemüsesorten. Was also tun? Ein wissenschaftliches Experiment liefert eine überraschende Antwort.

Strategie effektiver als Nachtisch oder Androhung einer Strafe

Obst ist reich an Vitaminen, wird aber nicht von allen Kindern gerne gegessen. (Symbolbild)

Der deutsche Psychologe Werner Sommer und seine Kollegen haben eine geniale Erziehungsstrategie entdeckt, die Kinder dazu ermutigen kann, Obst und Gemüse zu essen – und die sogar effektiver ist als das Versprechen eines Nachtischs oder die Androhung einer Strafe.

Die Verhaltensforscher erfanden ein Märchen, in dem der Protagonist durch Obst und Gemüse mit magischen Eigenschaften vor Krankheiten gerettet wurde. Und weckten damit das Interesse der Kinder an diesen Lebensmitteln. Ihre Studienergebnisse veröffentlichte das Forscherteam der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Nairobi in der Zeitschrift „Appetite“ .

Welche Lebensmittel zu über 50 Prozent aus Zucker bestehen

Nahaufnahme von herkömmlichen Bonbons
Rote Gummibärchen in Reihen, auf blauem Hintergrund
Kakaohaltiges Getränkepulver in einem Messlöffel
Schaumküsse in verschiedenen Variationen in einer Box
Welche Lebensmittel zu über 50 Prozent aus Zucker bestehen

20-minütige Geschichte erzielte überraschend starken Effekt

Die Forscher rekrutierten 80 Kindergartenkinder und teilten sie in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe hörte die Geschichte mit dem magischen Obst und Gemüse, die andere bekam eine ähnliche Geschichte erzählt, allerdings ohne die Erwähnung von Essen. Anschließend wurde den Kindern zwei Wochen lang jeden Tag zur Wahl gestellt, ob sie Obst, Gemüse, Kuchen oder Kekse als Snack essen wollen.

Noch mehr spannende Themen rund um Baby, Kind und Erziehung finden Sie im Newsletter unseres Partners hallo-eltern.de

Tatsächlich konnten die Forscher feststellen, dass bis zu 80 Prozent der Kinder, die die Geschichte über magisches Obst und Gemüse gehört hatten, in dieser Zeit mehr Obst und Gemüse wählten als Kinder in der Kontrollgruppe. Diese änderten ihre Snackgewohnheiten nicht. Offenbar hatte die Geschichte die Kinder dazu gebracht, selbst gesunde Entscheidungen zu treffen.

„Mit einer einzigen Geschichte, die nur etwa 20 Minuten dauerte, erzielten wir eine überraschend starke Veränderung von der Vorliebe für ungesunde Snacks hin zu einer Vorliebe für gesundes Obst oder Gemüse“, resümiert Werner Sommer gegenüber der Fachzeitschrift New Scientist.

Rubriklistenbild: © YAY Images/Imago

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare