Gefahr Vitamin B12-Mangel

Vegane Ernährung: Brauchen Kinder Fleisch, um gesund groß zu werden? Kinderärztin spricht von Mythos

Ernährung: Ein ohnehin schon heikles Thema. Vegan, vegetarisch oder ganz viel Fleisch: Die Meinungen über die perfekte Ernährungsform gehen auseinander. Vor allem, wenn es um Kinder geht.

Manchmal treffen Menschen aufeinander, die wenig Verständnis für die Essgewohnheiten des Gegenübers aufbringen. „Wie kann man denn ohne Fleisch leben?“, „Denk doch mal an Tier und Umwelt und iss nicht jeden Tag tierische Produkte“, „Wie umständlich ist bitte veganes Kochen“ – verschiedenste Blickwinkel und auch Vorurteile machen die Runde, wenn es um die Ernährung geht. Letztere spitzen sich zu, sobald das Thema „gesunde Ernährung für Kinder“ besprochen wird. Wer sein Kind vegetarisch oder gar vegan ernährt, wird da schon mal mit einem vorwurfsvollen Blick gestraft. Denn auf diesem Weg bekommt das Kind ja nicht alle wichtigen Nährstoffe ab – oder?

Die meisten Ernährungsmediziner sprechen sich für eine ausgewogene Ernährung aus – bei Erwachsenen und Kindern gleichermaßen. Allerdings gibt es auch Stimmen, die ausschließlich vegane Kost für Kinder nicht kritisch sehen. Dazu zählt Kinderärztin Carolin Wiedmann, die gerade ein Buch mit dem Titel „Vegan von Anfang an“ schreibt.

Mit oder ohne Fleisch? In Hinblick auf die Ernährung ihrer Kinder haben Eltern oft sehr genaue Vorstellungen.

Nicht einfach nur Fleisch, Eier und Milch weglassen! Gute vegane Ersatzprodukte sind enorm wichtig

„Eine vegane Ernährung ist auch in den sogenannten sensiblen Lebensphasen Kindheit und Schwangerschaft/Stillzeit keine Raketenwissenschaft!“, erklärt die Kinderärztin im Tagesspiegel-Interview und fährt fort: „Eine vegane Ernährung bedarf mehr Planung und Ernährungskenntnisse, da mehrere Lebensmittelgruppen ausgeschlossen werden und adäquat ersetzt werden müssen. Dies bedeutet, dass Eltern, die ihre Kinder vegan ernähren wollen, sich gut mit der Thematik beschäftigen sollten“.

Fleisch und andere tierische Produkte weglassen ist entsprechend nur in Ordnung, wenn Eltern für Ersatz sorgen. So müssen sie der Kinderärztin Wiedmann zufolge beispielsweise darauf achten, dass ihr Kind ausreichend Proteine aus nicht-tierischen Quellen abbekommt. Hülsenfrüchte zählen dazu. Spaghetti mit Hackfleischbolognese kann etwa schnell zu einer veganen Speise gemacht werden, indem das Hackfleisch durch Linsen ersetzt wird.

Oft steht das Argument im Raum, dass vegan ernährte Menschen zu wenig Kalzium und zu wenig Eisen zu sich nehmen. Hier gibt Fachärztin für Kinder und Jugendmedizin Wiedmann Entwarnung: Man könne beides sehr gut durch nicht-tierische Produkte ersetzen:

  • vegane Kalzium-Quellen: Mineralwasser mit viel Kalzium, mit Kalzium angereicherte Pflanzendrinks, dunkelgrünes Blattgemüse wie Brokkoli, Tofu
  • vegane Eisen-Lieferanten: Hülsenfrüchte, Nüsse, dunkelgrünes Blattgemüse, Haferflocken

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„Vegan lebende Menschen müssen auf jeden Fall eine sichere B12-Quelle in ihre Ernährung einbauen“

Es gibt allerdings auch Mikronährstoffe, die bei veganer Ernährung supplementiert werden sollten. Dazu zählt Vitamin B12, das im Körper essenziell wichtig für Energiestoffwechsel und Aufbau der Nervenhüllen ist. „Wenn man das nicht adäquat supplementiert, geht man ein großes Gesundheitsrisiko ein. Leider werden manchmal zweifelhafte B12-Quellen wie Algen oder Sauerkraut genannt. Dies sind allerdings keine zuverlässigen B12-Quellen. Vegan lebende Menschen müssen auf jeden Fall eine sichere B12-Quelle in ihre Ernährung einbauen, und am zuverlässigsten ist die regelmäßige Einnahme eines B12-Supplements“, so die Empfehlung von Ernährungsmedizinerin Carolin Wiedmann.

Sie möchten Ihr Kind vegan ernähren? Sprechen Sie vorab mit Ihrem behandelnden Kinderarzt/Ihrer behandelnden Kinderärztin. Diese/r kann weiterführende Informationen und Empfehlungen vor dem Hintergrund des Gesundheitszustands Ihres Kindes geben.

Rubriklistenbild: © Ute Grabowsky/Imago

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