Buchtipp
Viktor Funk gibt in seinem Roman „Wir verstehen nicht, was geschieht“ bislang wenig gehörten Stimmen Raum
Viktor Funk lässt in „Wir verstehen nicht, was geschieht“ einen Gulag-Überlebenden sprechen. Lew Mischenko reist mit dem jungen Historiker Alexander List in seine Vergangenheit nach Petschora.
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Im Jahr 2022 veröffentlichte Viktor Funk im Verbrecher Verlag seinen Roman „Wir verstehen nicht, was geschieht“ und gibt damit Gulag-Überlebenden eine Stimme. Im August 2023 erscheint nun eine Neuauflage seines erstmals 2017 erschienenen Romans über ein Einwandererpaar aus Rumänien und Kasachstan, das sich in der neuen Heimat in Deutschland zurechtfinden muss.
Viktor Funk „Wir verstehen nicht, was geschieht“: Über das Buch
In seinem Roman „Wir verstehen nicht, was geschieht“ lässt Viktor Funk zwei Personen aufeinander treffen, und ein Stück Lebensweg gemeinsam gehen: der Historiker Alexander List beschäftigt sich mit Gulag-Überlebenden aus der ehemaligen Sowjetunion und trifft sich mit Lew Mischenko, der während seiner Zeit im Gulag Petschora seiner Frau Swetlana Briefe geschrieben hat.
Lew und Swetlana haben ein Leben gelebt, das im Nachhinein unmöglich erscheint. Eine Revolution, zwei Terrorregime – danach eine lange, erfüllte Beziehung. Ein junger Historiker aus Deutschland, Alexander List, sucht den bereits betagten Lew Mischenko in Moskau auf. Er will ihn interviewen und mehr über Menschen erfahren, die den Gulag überlebt haben, und über ihre Lieben, ihre Freundschaften, aber auch ihre Traumata.
Viktor Funk „Wir verstehen nicht, was geschieht“: Fazit
Die Geschichte wie auch Sprache in Viktor Funks „Wir verstehen nicht, was geschieht“ ist gleichermaßen berührend wie auch erschütternd und vielleicht sogar aktueller denn je. Ehrlich interessiert und einfühlsam begibt sich der junge Historiker aus Deutschland Alexander auf die Spuren des ehemaligen Gulag-Häftlings Lew. Gemeinsam reisen sie in die Vergangenheit des Protagonisten, der nach dem Tod seiner Frau vor allem auf die gemeinsame Liebes- und auch Leidensgeschichte zurückblickt.
Die Eindrücke aus dem Leben von Swetlana und Lew sind sehr bewegend, mitfühlend und authentisch geschildert. Nichtbetroffene können die schmerzlichen Lebenserfahrungen wohl nur erahnen. Umso wichtiger, dass Viktor Funk mit seinem Roman Stimmen Raum gibt, die bisher eher wenig zu Wort gekommen sind und ihnen stellvertretend für alle Leserinnen und Leser zuhört und sie für die Ewigkeit festhält – damit sich schreckliche Ereignisse nicht immer und immer wieder wiederholen.
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Viktor Funk „Wir verstehen nicht, was geschieht“
2022 Verbrecher Verlag, ISBN-13 978-3957325365
Preis: Hardcover 20 €, E-Book 12,99 €, 160 Seiten (abweichend vom Format)
Neuauflage von Viktor Funks Roman „Bienenstich“ im Verbrecher Verlag
Am 15. August 2023 erscheint ein weiterer Roman von Viktor Funk im Verbrecher Verlag. Dabei handelt es sich um eine leicht überarbeitete Neuausgabe des 2017 im Größenwahn Verlag unter dem Titel „Mein Leben in Deutschland begann mit einem Stück Bienenstich“ erschienenen Romans.
Marie und der Ich-Erzähler sind ein Paar, beide nach Deutschland eingewandert, sie aus Rumänien, er aus Kasachstan. Ihre Vergangenheit verbindet sie, doch in der Gegenwart wählen sie zumeist unterschiedliche Strategien, um in Deutschland zurechtzukommen. Die Auseinandersetzung mit Marie wird für den Erzähler zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst. Er merkt, dass er überall unterschiedliche Rollen erfüllt. Weil diese von ihm erwartet wurden. Von Lehrern, von Kommilitonen, von Kollegen. Ja, auch von Marie.
Viktor Funk „Bienenstich“
2023 Verbrecher Verlag, ISBN-13 978-3957325655
Preis: Hardcover 22 €, 240 Seiten
Autor Viktor Funk
Der 1978 in Kasachstan geborene Viktor Funk ist 1990 nach Deutschland umgesiedelt. Er ging in Wolfsburg zur Schule, studierte anschließend in Hannover Geschichte, Politik und Soziologie. Bereits in seiner Magisterarbeit in Geschichte beschäftigte er sich mit dem Vergleich mündlicher und schriftlicher Erinnerungen von Gulag-Überlebenden. Viktor Funk war als Politikredakteur mit dem Schwerpunkt Russland bei der Frankfurter Rundschau tätig. Seit November 2022 arbeitet er für Table.Media. Er lebt in Frankfurt am Main.
Rubriklistenbild: © Agefotostock/Imago/Verbrecher Verlag

