Hamtec und Stadtmarketing werden übernommen

Für mehr Power: Stadt baut Wirtschaftsförderung massiv um

Das Gebäude der Wirtschaftsförderung und der Hamtec an der Münsterstraße 5 in Hamm.
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WFH, Hamtec und Stadtmarketing bilden künftig eine Gesellschaft

Der wirtschaftliche Motor in Hamm stottert immer mal wieder. Zwar hat sich die wirtschaftliche Lage in den vergangenen Jahren verbessert, noch immer sind Kaufkraft und Wohlstand aber vergleichsweise niedrig. Jetzt plant die Stadt eine Umstrukturierung der Wirtschaftsförderung (WFH), um den Turbo für mehr Wirtschaftskraft zu zünden.

Hamm – Schon im Wahlkampf hatten die Ampel-Parteien Handlungsbedarf gesehen und das auch so in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten. Nun folgt die Umsetzung. Auch, weil sie praktisch dazu gezwungen sind. Denn der Wirtschaftsförderung geht langsam das Geld aus. Bei ihrer Gründung 1997 hatte die Gesellschaft viel Kapital in Form von zu veräußernden Gewerbeflächen als „Mitgift“ von der Stadt erhalten. Und die sind nun fast restlos vermarktet. „Wir müssen überlegen, wie die Wirtschaftsförderung handlungsfähig bleibt“, erklärt Oberbürgermeister Marc Herter. „Der jetzige Wertschöpfungszyklus ist am Ende.“

Neues Geld durch Verkauf von MVA-Anteilen

Geld für den Neustart soll der Verkauf von Anteilen an der Müllverbrennungsanlage (MVA) an die Stadtwerke bringen. Einen nicht näher bezifferten „Millionenbetrag“ erhofft sich Herter davon. Durch die faktische Verschiebung der Anteile von der einen zur anderen Stadttochter würden die Stadtwerke keinesfalls gemolken, betont der OB. Sie hätten dafür den wirtschaftlichen Wert der MVA-Anteile und die Einnahmen in den Büchern. Zunächst solle das Vorhaben aber noch geprüft werden.

Zwei-Säulen-Modell geplant

Die Wirtschaftsförderung soll zur „Impuls-Agentur“ umgebaut werden. Und so von einem Flächenvermarkter zum echten Innovationstreiber werden. Dafür soll es künftig zwei Säulen geben. In der ersten geht die bisherige Stadtmarketing GmbH auf, deren Mitarbeiter im Block zur Wirtschaftsförderung wechseln sollen, ohne dass sich an ihrem Arbeitsrahmen etwas verändert. Darüber wurden sie am Mittwoch informiert. Auch Geschäftsführer Klaus Ernst geht diesen Weg.

Zweite Säule soll eine Innovationszentren GmbH werden, in der die Hamtec GmbH aufgeht. Geschäftsführer Andreas Est geht mit in die neue Gesellschaft. Perspektivisch sollen in diesem Strang auch das geplante Lokodrom auf dem Rangierbahnhof und ein mögliches „Hamtec 2“ eingruppiert werden.

Parallelstrukturen sollen beseitigt werden

Bisher gibt es Parallelstrukturen bei städtischen Gesellschaften, die sich mit Wirtschaft beschäftigen. „Die einzelnen Prozesse waren für sich nicht zu bemängeln. Wir gucken jetzt nur, was zusammenpasst und auch zusammen erledigt werden kann“, erklärt Herter.

„So werden die Kräfte gebündelt“, meint FDP-Fraktionschef Ingo Müller. „Das ist ein echter Meilenstein.“ Sein Grünen-Pendant Reinhard Merschhaus sieht die Entwicklung ebenfalls positiv – nach Jahren, in denen aus seiner Sicht oft falsche Entscheidungen getroffen wurden. „2010 wurde die letzte Zeche geschlossen und im gleichen Jahr am anderen Ende der Stadt ein Kohlekraftwerk eingeweiht“, erklärt er. „Diese Entwicklungen liefen gegeneinander.“ Nun sollen Flächen nicht ohne klare Strategie veräußert werden.

Zentraler Ansprechpartner für Unternehmen

Die Wirtschaftsförderung soll zur zentralen Anlaufstelle für Unternehmen aus Hamm und von außerhalb werden. Je nach Bedarf sollen Teams aus den verschiedenen Bereichen wie Ansiedlung, Förderung oder Innovation zusammengezogen werden und „Rundum-sorglos“-Pakete schnüren.

Die Ausgestaltung der Prozesse soll den Mitarbeiten überlassen werden; Vorgaben aus dem Rathaus gebe es nicht. Auch, wie die Führung um Wirtschaftsförderer Karl-Georg Steffens künftig im Detail aussehen wird, ist nach Angaben Herters noch offen. Davon, wie gut die Neuorganisation am Ende gelinge, hänge viel ab, betont SPD-Fraktionschef Justus Moor: „Entscheidend ist, was im Haus passiert und nicht, wie das Dach aussieht“.

Ratsentscheid im Dezember, Umsetzung bis August

Der Rat entscheidet am 14. Dezember über die Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung; bis zum 31. August soll alles umgesetzt werden. Bis dahin müssen die Wirtschaftspläne der bisherigen Unternehmen neu aufgestellt und zusammengeführt werden. Den Findungsprozess auf der Ebene der Mitarbeiter soll von einer Agentur begleitet werden. Darüber hinaus sei ein ehrgeiziges Ziel, die Nachkapitalisierung über den Prüfauftrag und die folgende Veräußerung zu klären, betont Herter.

Neue Gewerbeflächen an Östing- und Lipperandstraße

Die Wirtschaftsförderung hat kaum noch Flächen im Portfolio, die entwickelt werden können. Darüber hinaus gebe es in Hamm aber noch riesige Möglichkeiten. „Das ist ein Flächenpotenzial, das seinesgleichen sucht“, sagt Herter mit Blick auf den Rangierbahnhof, die Industriegebiete Rathenau- und Östingstraße, die nördliche WDI-Fläche oder das ehemalige Thyssen-Gelände. Rund um die Östingstraße gebe es etwa viele inzwischen ungenutzte Flächen, die ideal für Handwerker seien. Und die benötigten in Hamm aktuell am meisten Raum, um zu expandieren. „Wir sollten lieber eine leer stehende Lagerhalle neu entwickeln als auf der grünen Wiese zu bauen“, beschreibt Moor die neue Strategie.

Zusätzlich sollen aber auch auf der grünen Wiese neue Flächen geschaffen werden. Und zwar auf zwei Hektar in Bockum-Hövel südlich der Lipperandstraße. Dort sollen neun bis zwölf Mittelständler angesiedelt werden. Eigentlich sollte dort nach ursprünglicher Planung nur eine Firma Platz finden. „Die Zeit ist vorbei, in der große Flächen für Logistiker von außen freigegeben werden. Die Liste der heimischen Firmen mit Bedarf wäre danach ja noch genauso lang gewesen“, erklärt Herter. „Und das wäre nicht die allerklügste Strategie gewesen.“

Passende Firmen finden und Studierende in Hamm halten

Beim Ansiedeln neuer Unternehmen bestehe die Königsklasse darin, gezielt Firmen zu gewinnen, die nach Ansicht der Wirtschaftsförderung bestens in die Strukturen vor Ort passen. Über Werkstudenten-Stellen, Praktika und sonstige Anknüpfungspunkte sollen auch in Hamm ausgebildete Studierende zu einem höheren Maße in der Stadt gehalten werden.

Bereits existierende Kontakt-Plattformen für die heimische Wirtschaft sollen erhalten bleiben und weiter ausgebaut werden. Auch die Firmen, denen es gut geht, und die keinen Veränderungsbedarf sehen, sollen erreicht werden. „Die meinen vielleicht, das nächste Gewitter zieht auch vorbei. Das nächste Gewitter sind aber Digitalisierung und Dekarbonisierung“, sagt Herter. „Und die sind eigentlich kein Gewitter, sondern eine Umwälzung von Leben, Wirtschaften und Arbeiten.“

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