„Pier 9“ trifft einen Nerv

„Wie im Zoo“: Riesiges Interesse an Tiny-House-Hotel in Hamm

Einfach mal spicken: Das soll an normalen Hoteltagen nicht sein.
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Einfach mal spicken: Weil das an normalen Hoteltagen nicht sein soll, gab es jetzt im „Pier 9“ einen Tag der offenen Tür - und das Interesse war riesig.

Nach langer Corona-Verzögerung konnte das Tiny-House-Hotel „Pier 9“ der Schreinerei Diekmann in Hamm erst im Sommer 2021 öffnen. Seitdem ist es quasi dauerhaft ausgebucht. Ein Blick hinein.

Hamm - Es ist das etwas andere Hotel in Hamm. 28 Betten können nahe des Kanalufers quasi mitten in der Natur belegt werden. Gemeint ist das Tiny-House-Dorf mit dem Namen „Pier 9, das Stefan Diekmann auf dem ehemaligen Parkplatz eines Anglervereins aufgebaut hat. Seit Juni sind die zehn Holzhäuser bezugsfertig, und die Reservierungsliste ist lang. „Wir sind eigentlich immer komplett ausgebucht“, sagt Diekmann, der mit diesem Konzept offenbar den Nerv vieler Menschen getroffen hat.

Die Gäste kommen aus ganz Deutschland, um Urlaub in Hamm zu machen. Aber sie kommen auch aus Hamm, um zur Corona-Zeiten einfach mal in anderen vier Wänden übernachten zu können, mit der Familie oder Freunden ein paar unbeschwerte Tage zu erleben. „Wir hatten schon Gäste, die wohnen nur 200 Meter entfernt. Die gehen dann mal eben nach Hause, wenn ein Salzstreuer oder etwas anderes fehlt“, erzählt Diekmann schmunzelnd.

Es habe auch schon Wochenende gegeben, da habe eine Gruppe das gesamte Dorf angemietet. „Da hat in Hamm eine Familienfeier stattgefunden, und die Gäste von außerhalb haben gemeinsam hier übernachtet“, erzählt Diekmann.

Stefan Diekmann hat mit dem besonderen Hotel in Hamm einen Nerv getroffen.

Was womöglich viele Einheimische überraschen wird: Immer mehr Menschen entdecken Hamm auch als Urlaubsort. „Sie kommen zu uns, um Fahrradtouren zu unternehmen“, so Diekmann. Das flache Münsterland lade dazu ein. Für sein Tiny-House-Dorf komme die gute Lage direkt an der Kanalkante hinzu. Bei der Suche nach diesem fast idealen Standort am Datteln-Hamm-Kanal habe ihn die Stadtverwaltung sehr gut unterstützt, lobt er.

Mit der nahezu vollständigen Ausbuchung kam für Diekmann ein kleines Problem hinzu. Er konnte keine Besichtigungstermine mehr vereinbaren, und seine Gäste „fühlten sich zeitweise etwas wie im Zoo“, berichtet er, da viele Neugierige zum Dorf kamen und sich für das Innenleben der Holzhäuser interessieren. „Da mussten wir natürlich einen Riegel vorschieben, damit unsere Gäste ihre Ruhe haben. Daraus ist dann die Idee für einen Tag der offenen Tür geboren“, erklärt er.

Winzige Häuser

Auch wenn es in Deutschland keine offizielle Definition davon gibt, was „Tiny Houses” sind, so lässt sich aus der wörtlichen Übersetzung des englischen Begriffs („winzige Häuser”) leicht ableiten, dass es sich um die kleinste Form von Wohngebäuden handelt. Die Schreinerei Diekmann aus Bockum-Hövel baute Anfang 2016 eigentlich nur aus Spaß ihr erstes Tiny House. Dass kurz darauf der Trend aus den USA nach Europa herüber schwappen würde und einen wahren Hype auslöste, konnte damals niemand ahnen. Jetzt hat sich die Schreinerei auf den Bau der Mini-Häuser spezialisiert.

Großer Andrang beim Tag der offenen Tür: Die Hammer interessierte das Dorf der kleinen Häuser in der Stadt.

Die Resonanz auf die Aktion am Sonntag, 3. Oktober, gab ihm und seinem Hotelteam Recht. Pünktlich ab 14 Uhr strömten die Besucher auf die kleine Anlage. Aus Corona-Gründen war der Besichtigungstag so organisiert, dass nur zwei Personen gleichzeitig – mit Maske – in ein Haus eintreten durften. Entsprechend ergaben sich Wartezeiten, die unter anderem in der Café-Lounge überbrückt wurden. Hier hat Diekmann eine Art Treffpunkt für die Dorfbewohner entstehen lassen. „Wir beobachten, dass unsere Gäste bei den Übernachtungen sehr leicht ins Gespräch kommen“, beschreibt er die Camping-Platz-Atmosphäre.

Die Besucher beim Tag der offenen Tür hatten drei verschiedene Motivationen: reine Neugierde, Urlaubspläne und Kaufabsichten. „Letztlich erleben wir immer wieder, dass Menschen sich unser Dorf anschauen und später einen Bau in Auftrag geben“, so Diekmann. Und sie kommen dann auch mit konkreten Wünschen und Vorstellungen in die Schreinerei in Bockum-Hövel. „Sie schauen sich unsere Musterhäuser und stellen sich ihr Haus selbst zusammen“, erklärt der Tischler. „Sie wollen die Küche aus Haus Bigge und das Bad aus Haus Ahse“, so Diekmann, der seinen Häusern Namen von Flüssen aus der Region gegeben hat.

Der neue Hotelier überlegt, das Erfolgsprojekt auszubauen. „Nicht an diesem Standort, hier ist kein Platz mehr“, so Diekmann, „und vermutlich auch nicht in Hamm. Es gibt ja noch andere Orte.“ Der Run auf die Tiny-Häuser dürfte sicherlich auch andernorts ähnlich sein.

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