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Unterstützung für Eltern: Dieser Mann hilft, wenn das Baby ständig schreit

Was ist das Beste für das Baby? Oliver Elbers versucht es mit den Eltern zusammen herauszufinden.
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Was ist das Beste für das Baby? Oliver Elbers versucht es mit den Eltern zusammen herauszufinden.

Wenn Babys satt, ausgeschlafen und trocken sind, sind sie auch zufrieden? Das ist ein Irrglaube, wie viele Eltern schnell feststellen. Oliver Elbers (40) weiß dann Rat. Er unterstützt Eltern von 0- bis 3-jährigen Kindern in schwierigen Stunden.

Hamm – Gestillt. Windel gewechselt. Schlafen gelegt. Spieluhr aufgezogen. Und das Baby schreit trotzdem weiter. Viele junge Eltern erleben solche Situationen: Die Checkliste fürs Wohlbefinden ihres Kindes ist abgehakt. Trotzdem kehrt keine Ruhe ein. Besonders wenn Babys wiederholt kaum zu beruhigen sind, bedeutet das für Mütter und Väter: Stress. Hilflosigkeit. Sorgen. Oder auch Schuldgefühle. In solchen Situationen können sie sich an Oliver Elbers wenden. Der Diplompädagoge berät Eltern von Babys und Kleinkindern in der Schreisprechstunde der Hammer Barbara-Klinik. Bei Hunderten von Hausbesuchen hat er Babys in allen Tonlagen schreien gehört – und Eltern dabei unterstützt, ihr Kind besser zu verstehen und angemessen zu reagieren.

Was ist los? Babys schreien auch, wenn es dafür keinen Grund zu geben scheint.

In 90 Prozent der Fälle besucht der Diplompädagoge die Familien daheim in ihrer gewohnten Umgebung. Den Termin vereinbart er zuvor telefonisch oder per Mail mit den Müttern und Vätern, die seine Unterstützung suchen. Wichtig ist ihm, zunächst vollständig zu erfassen: Welches Anliegen hat die Familie? Was ist da los? Er verteilt keine Patentrezepte für alle Fälle, sondern schaut genau hin, fragt nach, hört zu. Oft entlastet schon das: Einem Außenstehenden ganz ungeschminkt erzählen zu können, was das Herz schwer macht und wo der Schuh drückt. „Es ist schön, Eltern das Gefühl zu vermitteln: Ich kann dem alles erzählen, der verurteilt uns nicht“, sagt er.

Aktionismus hilft nicht weiter: Wenn Kinder schreien, ist Ruhe das Gebot der Stunde

Denn: Gerade in schwierigen Schrei-Situationen hilft blinder Aktionismus nicht weiter. „Ich verstehe, dass es Eltern stresst, wenn ihr Kind schreit, ohne dass es dafür einen Grund zu geben scheint. Unter Stress entsteht das Gefühl, unbedingt etwas tun zu müssen. Doch Aktionismus kann auch eine Sackgasse sein“, weiß der Experte.

Ruhe und Gelassenheit sind das Gebot der Stunde. Das strahlt Oliver Elbers auch selbst aus. Die Fähigkeit in sich selbst zu ruhen, hat er in den zurückliegenden Jahren immer stärker herausgebildet. „Da habe ich viel von den Babys gelernt. Babys sind entschleunigt, sie mögen Ruhe“, erzählt der 40-Jährige. „Wir als Erwachsene sind problemfokussiert. Wir haben verinnerlicht: schnell, schnell, schnell was zu machen.“

Baby auf den Bauch, ruhig atmen: So lässt sich dem Schreien begegnen

Viele Anregungen vermittelt der Diplompädagoge und Therapeut in „Emotioneller Erster Hilfe“ (EEH) ganz praktisch. Etwa, indem er einer Mutter ihr schreiendes Baby sanft auf den Bauch legt und sie behutsam anleitet, tief und ruhig zu atmen. Auf diese Weise bringt er die beiden wieder in Verbindung zueinander. „Babys sind spürende Wesen. Sie springen stark auf Körpersignale an. Beim Schreien durchlaufen sie meist Kurven von Wut und Verzweiflung und auch Traurigkeit. Zu sehen, wie sie zu absoluter Ruhe zurückkommen, kann unglaublich berührend sein“, berichtet Oliver Elbers. Wie viel ein Kind schreit, hängt auch vom Temperament ab. Eltern müssen ihre Kinder erst kennenlernen.

Auch in seiner eigenen Familie, als Vater eines drei- und eines fünfjährigen Sohnes, profitiert er von seinen beruflichen Erfahrungen. „Aus meinem persönlichen Umfeld habe ich öfter gehört: Ist doch super, was du alles weißt. Da schreien die Kinder bei euch bestimmt nicht und schlafen wie ein Stein“, erzählt er schmunzelnd. Dabei weiß er nur zu gut: Es ist völlig normal, dass Kinder schreien oder schlecht schlafen – auch seine eigenen. „Babys haben ein Recht auf negative Gefühle. Eine meiner Herzensbotschaften ist: Keine Angst vor Babytränen. Manchmal schreien Babys, um sich von aufgestauten Emotionen zu befreien. Oder weil sie an einem Tag besonders viel Neues erlebt haben. Irgendwann kann das kleine Nervensystem die Reize nicht mehr verarbeiten.“

Pädagoge vermittelt Eltern, ihr Kind liebevoll zu begleiten - auch, wenn sie schreien

Oliver Elbers regt Eltern gerne an, solche Situationen auf die Erwachsenenperspektive zu übertragen: „Stellen Sie sich einfach vor, Sie haben einen blöden Tag gehabt und überlegen Sie, was Sie dann brauchen: Eher Ruhe? Jemand, der Sie versteht und in den Arm nimmt? Oder jemand, der noch mehr Action macht?“ Daher ermutigt der Diplompädagoge die Mütter und Väter, das Schreien ihres Kindes liebevoll zu begleiten – und dabei dem Impuls zu widerstehen, sofort nach dem „Aus-Knopf“ zu suchen.

In der ersten Babyzeit ist viel zu beachten - das Elterngeld können Mütter und Väter nun online beantragen.

Die Schreisprechstunde an der St.-Barbara-Klinik

Die Schreisprechstunde ist ein Beratungsangebot für Eltern von 0- bis 3-jährigen Kindern. Oliver Elbers berät zu (Problem-)Themen rund um die frühe Kindheit wie Schreien, Schlafen und Füttern. Die Schreisprechstunde wird gefördert durch die Stadt Hamm. Als Bestandteil des Netzwerks Frühe Hilfen können Familien mit Wohnsitz in Hamm das Angebot kostenlos in Anspruch nehmen. Terminabsprachen sind telefonisch unter 02381/681-1342 oder per Mail an oelbers@barbaraklinik.de möglich. Weitere Infos: www.eug-hamm.de

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