Der WA macht den Kandidaten-Check
Unentschlossen oder abgezockt? Die SPD hat einen OB-Kandidaten, will den aber noch nicht benennen
Hamm - Die SPD tut sich seit Monaten schwer, einen Gegenkandidaten für Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann zu benennen. Nach WA-Informationen steht nun aber immerhin fest, wer für die Genossen ins Rennen geht. Auf Anfrage verweist die Partei darauf, den Namen erst Ende Februar oder Anfang März öffentlich verkünden zu wollen.
Die Parteispitze begründet diese Hinhaltetaktik damit, eine klare Strategie zu haben, Inhalte und die dazu passende Person vorzustellen. Die verfolge man trotz aufkommender Gerüchte und Getuschel der politischen Konkurrenz unbeirrt. Für die CDU hatte Hunsteger bereits im Dezember erklärt, noch einmal anzutreten.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Justus Moor betont, dass man sich durchaus zutraue, im September die Ratsmehrheit zu holen und nicht Juniorpartner in der Koalition mit der CDU bleiben wolle: „Wir gehen auf den Platz, um auf Sieg zu spielen.“ Wer die SPD dann als Kapitän anführen könnte, beleuchtet der WA.
Die Gallionsfiguren
Soll es nicht von vornherein so aussehen, als schenke die SPD angesichts der augenscheinlichen Übermacht Hunstegers das OB-Amt ab, müsste sie eines ihrer bekanntesten Gesichter aufstellen. Auf lokaler Ebene sind das derzeit Marc Herter und Justus Moor. Herter ist als Landtagsabgeordneter seit Jahren präsent und ist wahlkampferprobt. Das Problem: Er selbst hat nach WA-Informationen allerdings kein Interesse daran, anzutreten – obwohl seine Partei ihn dazu drängt. Moor hat in seiner Zeit als Fraktionsvorsitzender und Ideengeber für die große Koalition viel Profil dazugewonnen. Der 32-Jährige dürfte aber wegen seines Alters für viele Wähler noch als zu jung für das OB-Amt gelten. Bei der nächsten Wahl in fünf Jahren sieht das schon anders aus.
Die Parteisoldaten
Sollten Herter und Moor nicht kandidieren, müsste jemand aus der zweiten Reihe antreten. Zumindest, wenn es ein Aspirant mit Stallgeruch sein soll. Dann fallen schnell die Namen der Dezernenten mit SPD-Parteibuch. Ihr Vorteil: Bildungsdezernentin Dr. Britta Obszerninks und Rechtsdezernent Jörg Mösgen kennen die Verwaltung seit Jahren genau und wären in der Lage sie zu führen. Darüber hinaus gibt es viele bewährte Kräfte in der Partei, die seit Jahren Basisarbeit machen. Zu nennen sind da etwa Heessens Bezirksvorsteherin Erzina Brennecke oder Dr. Georg Scholz, die bei einer Wahlniederlage wohl bereitwillig wieder ins zweite Glied rücken würden.
Die Gerüchteküche
Die dritte wahrscheinliche Möglichkeit ist die Kür eines in Hamm verwurzelten Kandidaten aus der Stadtgesellschaft, der glaubhaft vermitteln kann, dass ihm jenseits aller Parteispiele das Wohl der Bürger am wichtigsten ist. Immer wieder wurden zuletzt Namen aus Sport, Kultur und Ehrenamt als mögliche Kandidaten genannt, von denen aber niemand ernsthaft interessiert gewesen sein dürfte. Und: Eine solche Person müsste bekannt gemacht werden. Dafür hätte die SPD jetzt schon viel Zeit verschenkt.
Vertreter anderer Parteien streuten die Gerüchte, die SPD habe beim Interims-Superintendenten des Kirchenkreises, Dr. Tilmann Walther-Sollich, und einem seiner Vorgänger, Rüdiger Schuch, vorgefühlt. Beide dementierten das auf WA-Anfrage vehement und stünden für eine solche Aufgabe auch nicht zur Verfügung.