Referenz-Projekt im Kreis Warendorf macht allerdings Mut
Tiny Houses aus Hamm für ganz Europa - aber bisher nicht für Hamm selbst
Hamm - In Hamm sitzt mit der Firma Diekmann einer der erfolgreichsten Produzenten von sogenannten Tiny Houses. Also Mikro-Wohnhäusern, in denen man auf 20 bis 40 Quadratmetern komfortabel leben können soll. Nach ganz Deutschland und Europa liefert Diekmann die mobilen Mini-Behausungen mittlerweile.
In Hamm steht kein einziges Tiny House. Und das, obwohl die Wohnzwerge schon seit Jahren im Trend liegen. Woran hapert es also?
Das nachhaltige Wohnen auf wenigen Quadratmeter wird wahlweise als Lösung für Wohnungsnot, Eigentumsförderung für junge Leute oder überschaubaren Alterssitz für Senioren gepriesen.
In Hamm hält sich die Euphorie allerdings (noch) in Grenzen. Das liegt nach Angaben von Stefan Diekmann, dem Inhaber der Tiny-House-Tischlerei, und Stadtsprecher Lukas Huster daran, dass viele Interessenten vor den bürokratischen Hürden zurückschrecken.
Wie bei einem herkömmlichen Eigenheim aus Stein, Beton und Stahl braucht man für die zumeist aus Holz gefertigten Tiny Houses eine Baugenehmigung und muss einen ganzen Katalog anderer Vorschriften beachten.
Vorschriften beachten - das geht (oft) nur mit Architekt
„Da geht es um den Brandschutz, die Erschließung, Ver- und Entsorgung und Abstandsflächen“, sagt Diekmann. „Dafür braucht man in der Regel einen Architekten.“
Zentrierte Siedlungen, bei denen die baulichen Rahmenbedingungen und die Infrastruktur gleich für eine ganze Gruppe der Mini-Häuser gleichzeitig geschaffen werden können, würden eine Ansiedlung vereinfachen.
Aus diesem Grund hat die Verwaltung im zurückliegenden Jahr alle infrage kommenden Freiflächen auf Tauglichkeit geprüft. Denn: „Prinzipiell halten wir solche Projekte für eine gute Sache“, betont Huster. „Tiny Houses sind eine gute Möglichkeit, kurzfristig und langfristig neuen Wohnraum in einem Segment zu schaffen, das hoch nachgefragt wird.“
Noch hat die Stadt keine Verträge unterschrieben
Im normalen Bestand gibt es absehbar nicht genug Wohnungen für die wachsende Zahl an Ein-Personen-Haushalten. Schon 2017 lebten mehr als 39.000 Hammer alleine. Tiny Houses sind schneller fertig als herkömmliche Wohnungen – und zumeist auch günstiger. Deshalb arbeiten die Planer bei der Stadt mit Hochdruck an einer Lösung.
Am Ende des Such-Prozesses sind vier mögliche Standorte für Tiny-House-Siedlungen übrig geblieben. Bei einer dieser Fläche seien die Planungen mittlerweile soweit fortgeschritten, dass wohl kurzfristig mit einer Bebauung begonnen werden könne, heißt es aus der Verwaltung. Huster hält sich noch bedeckt. Es seien bislang keine Verträge unterschrieben worden. „Spruchreif ist das also nicht.“
Fast 1000 Anfragen für zehn Plätze binnen 14 Tagen
Noch im ersten Quartal soll indes ein Ergebnis präsentiert werden. Und auch bei den drei anderen Flächen habe es erste konkrete Schritte gegeben, betont Huster. Bei der nächsten Ratssitzung am 17. März könnte der Rat bereits grünes Licht geben.
Aber wollen tatsächlich genug Menschen auf so engem Raum leben? Huster und Diekmann glauben, ja. Bei einem Referenz-Projekt im Kreis Warendorf seien für zehn Plätze innerhalb von 14 Tagen 960 Anfragen eingegangen, erklärt Stefan Diekmann. Eine ähnliche Nachfrage erwarte man sich auch für Hamm.