Tierarztpraxis ohne Nachfolger
Tierarzt Stefan Bröring gibt Praxis in Heessen auf - ohne Nachfolger
Nach 30 Jahren gibt Dr. Stefan Bröring seine Kleintierpraxis in Heessen auf. Damit hinterlässt der Tierarzt eine Lücke im Stadtbezirk. Ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden.
Heessen – Tierhalter in Heessen müssen sich künftig in andere Bezirke begeben, wenn ihr Liebling medizinische Versorgung benötigt. Nach 30 Jahren beendet Tierarzt Dr. Stefan Bröring seine Tätigkeit an der Kleinen Amtsstraße. Zum 1. August ist Schluss – aus gesundheitlichen Gründen.
Der 60-Jährige hat alles versucht, einen Nachfolger für seine Kleintierpraxis zu finden. Vergeblich. Damit gibt es im gesamten Stadtbezirk Heessen keine Praxis für Tiere mehr. „Das macht mir eigentlich die allergrößten Bauchschmerzen“, sagt Bröring. „Gerne hätte ich die Praxis in neue Hände übergeben, damit das Klientel hier nicht unversorgt ist.“ 60 bis 70 zwei- oder vierbeinige Patienten versorgt Bröring in seiner Praxis pro Tag.
Nachfolgesuche blieb ohne Erfolg
Fünf Jahre lang hatte er sich im Vorfeld um einen Nachfolger bemüht und auch seine vier Mitarbeiter längst über diesen Schritt informiert. Bis zuletzt hatte er alle Möglichkeiten genutzt. „Ich habe Inserate geschaltet und mich an Vermittlungsagenturen gewandt.“ Die Resonanz ist überschaubar: Lediglich ein Kollege um die 60 habe sich gemeldet. Er sei Human- und Tiermediziner, habe vorher in einer Klinik gearbeitet und wolle jetzt nochmal sein eigener Herr sein. Aber von Impfschemata habe er keine Ahnung gehabt. Bröring habe ihm schnell klar gemacht, dass er hier an der falschen Adresse ist. Weitere Praxis-Anwärter habe es nicht gegeben.
Das hat mehrere Gründe. Zum einen stehe Hamm für Tiermediziner nicht gerade im Fokus. Bröring selbst ist froh, dass er im Jahre 1992 in Heessen gelandet ist: „Ich habe es nicht bereut, meine Praxis hier zu haben. Sie hatte von Anfang an einen guten Zulauf.“ Gebürtig stammt der Tierarzt aus dem Rheinland. Wegen seiner Frau ist er nach Hamm gezogen. Vier Kinder und ein Enkelkind haben die Brörings. Die älteste Tochter ist selbst Tierärztin und arbeitet in einer Klinik. Die Heessener Kleintierpraxis ihres Vaters zu übernehmen, kam nicht infrage. So geht es vielen jungen Kollegen. Ein Großteil der Tiermedizin-Absolventen ist weiblich. In die Selbstständigkeit zu gehen, kommt daher oft nicht infrage. „Eine Familie lässt sich besser in einem Angestelltenverhältnis planen“, sagt Bröring. „Die jungen Kollegen wollen sich nicht mehr in diese Verantwortung pressen lassen“, so Bröring. Man habe eben einen Haufen zusätzlicher Verantwortung, die es neben der eigentlichen Praxistätigkeit zu bewältigen gilt.
Tierarzt durch und durch
Dieser Berg an Arbeit und Verantwortung ist Bröring inzwischen selbst über den Kopf gewachsen. „Ich habe mich 30 Jahre für meine Patienten, Tiere und Menschen, mit meiner ganzen Kraft und Möglichkeiten eingesetzt. Ohne Rücksicht auf meine eigene Gesundheit. Nun geht mir die Kraft aus und ich muss daraus Konsequenzen ziehen“, erklärt der Tierarzt seine Entscheidung. Bewegt und mit Tränen in den Augen. „Ich bin mit meinem Beruf sehr glücklich geworden. Ich bin wirklich Tierarzt durch und durch.“
Ich habe mich 30 Jahre für meine Patienten, Tiere und Menschen, mit meiner ganzen Kraft und Möglichkeiten eingesetzt. Nun geht mir die Kraft aus.
Seit zehn Jahren würde er schon vermehrt unter dem Arbeitsdruck leiden. Die Arbeit sei immer intensiver geworden. „Ich bin sehr gerne Tierarzt. Aber früher konnte ich Arbeit, Familie und gewisse Hobbys besser unter einen Hut bringen konnte.“ Sieben Tage pro Woche sei er in der Praxis – auch am Samstag und Sonntag. Dann würde das nachgearbeitet, was unter der Woche liegen bleibt. Die Pandemie habe die Situation noch verschärft. Die Zahl an Patienten hat sich mit den „Corona-Hunden“ erhöht. „Das Telefon geht pausenlos“, so Bröring. Über 135 Anrufe habe er an einem Montag in seiner Praxis gezählt. Auch die ständig neuen Verordnungen in Sachen Antibiotika seien belastend.
Wiederaufnahme der Tätigkeit möglich
Aus gesundheitlichen Gründen sieht sich der 60-Jährige gezwungen, seine Praxistätigkeit nun zu beenden. Für die vier Mitarbeiter gibt es andere Perspektiven – aber nicht im tiermedizinischen Bereich. Nach der Erholungsphase von unbekannter Dauer kann sich Bröring eine Wiederaufnahme seiner Tätigkeit durchaus vorstellen. An anderer Stelle jedoch. Die Nachnutzung des Gebäudes an der kleinen Amtsstraße ist noch offen.
