Härte und Konsequenz

Stadt und Polizei wollen offensiv gegen Bettler und Junkies vorgehen

Schlafen in der Innenstadt
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Schlafen in der Innenstadt: Bilder wie dieses gibt es in Hamm zunehmend oft zu sehen - vor allem (aber nicht nur) in der Innenstadt.

In Hamm wollen die Stadt und die Polizei energisch gegen Betteln, Drogenmissbrauch und Obdachlosigkeit in der Innenstadt vorgehen.

Hamm - Bußgelder sollen erhöht, Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst (KOD) deutlich sichtbarer werden. Gleichzeitig soll mit Sozialarbeit, einem Hygiene-Raum sowie einer neuen Obdachlosenunterkunft in zentraler Lage die Präventionsarbeit verbessert werden.

Offiziell geht es um die Weiterentwicklung des 2017 aufgestellten „Wohnungshilfenotfallkonzeptes“. Oberbürgermeister Marc Herter und Polizeipräsident Thomas Kubera stellten das Vorhaben jetzt auf dem Marktplatz vor. Der Ort war mit Bedacht gewählt, wie Herter versicherte. Schließlich hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Beschwerden über die Drogen- und Obdachlosen-Szene in der Altstadt gegeben.

Damit gewinnt die Ordnungspartnerschaft mit der Polizei neue Bedeutung. Herter verspricht eine „regelmäßig sichtbare Präsenz im Innenstadtbereich“, insbesondere in den Fußgängerzonen. Die Personalstärke des KOD soll dafür 2022 auf 44 Mitarbeiter verdoppelt werden. Kubera sagte zwar nicht, wieviele Polizeibeamte er losschicken will, versprach aber, dem Bezirksdienst künftig Priorität einzuräumen.

Nur noch stilles Betteln soll geduldet werden

Die Ordnungskräfte sollen auch wirkungsvoller durchgreifen können. Aggressives Betteln ist Herter zufolge jetzt schon verboten. Künftig soll das auch für „aufdringliches Betteln“ gelten. Darunter fällt beispielsweise das unaufgeforderte Einweisen von Autos auf Parkplätzen gegen einen Obolus. Dulden, so Herter, wolle man letztlich nur noch das stille Betteln.

Die Bürger sollen sich in der Innenstadt sicher fühlen. Es geht uns um sichtbare Präsenz der Ordnungskräfte, soziale Kontrolle und soziale Angebote.

Polizeipräsident Thomas Kubera

Bereits verboten ist auch das Lagern und Nächtigen in öffentlichen Anlagen und auf den Straßen. Die soll verstärkt durchgesetzt werden, verbunden mit dem Hinweis, die Notunterkunft aufzusuchen.

Bei der in die Jahre gekommenen Anlage an der Dortmunder Straße besteht ebenfalls Handlungsbedarf. Größtes Problem ist die Lage: Aus der Innenstadt ist sie zu Fuß kaum zu erreichen. Im Winter fährt zwar ein „Kältebus“ dorthin; trotzdem sucht die Stadt einem neuen Standort in zentraler Lage, möglichst ohne Konflikte mit der Nachbarschaft.

„Gesundheitliche Verwahrlosung in der Szene“

Im Innenstadtbereich soll zudem ein Hygiene-Raum eingerichtet werden; die Stadt sucht dafür einen Standort und einen Träger. Herter sprach von „gesundheitlicher Verwahrlosung in der Szene“; persönliche Hygiene und Drogenkonsum fänden bisher häufig in der Öffentlichkeit statt, beispielsweise in Hauseingängen. Die Folge seien herumliegende Spritzen und hilflose Personen.

Im Bahnhofsviertel ist die Stadt bereits mit Sozialarbeitern („Streetworker“) präsent, um die Szene zu erreichen. Jetzt soll die Altstadt folgen, insbesondere mit Blick auf den Szenetreff im Nordringpark. Bis Mitte des nächsten Jahres soll es hier losgehen.

Festung Tiefgarage

Nach Monaten des Wartens sind in der Tiefgarage unter dem Kino inzwischen Rolltore in Betrieb gegangen. Die Bereiber hoffen, dass sie künftig ungebetene Gäste fernhalten werden.

Herter will auch die Immobilieneigentümer in die Pflicht nehmen. Auf privatem Grund könne sich die Szene den Kontrollen der Sicherheitsbehörden entziehen. Die Eigentümer seien gefordert, ihre Gebäude durch Umbauten und Bewachung zu sichern. Hilfe beim Beseitigen dunkler Ecken könne es durch das Hof- und Fassadenprogramm geben.

Der Rat entscheidet über die Fortschreibung des Konzeptes in seiner Sitzung am 14. Dezember.

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