Sorge um ärztliche Versorgung im Uentroper Dorf
UENTROP ▪ Nach der krankheitsbedingten, plötzlichen Schließung der Arztpraxis von Dieter Saerbeck äußern Uentroper die Sorge vor einer ärztlicher Unterversorgung im Dorf.
Die ist aber angesichts der nach wie vor intakten Strukturen im Gesundheitswesen der Großstadt nicht gegeben, auch wenn die Zahl der Ärzte im Osten der Stadt abgenommen hat. Allerdings müssen sich die Uentroper auf Wartezeiten einstellen und/oder auf längere Wege zum Arzt.
Als „ganz schlimme Situation“ empfindet Marianne Holtsträter aus Haaren den Zustand nach der Schließung der Arztpraxis von Saerbeck am Montag. Ihr Fall ist ein Beispiel. Seit Jahren pflegt sie einen mittlerweile 85-jährigen Mann. Die Bedingungen waren vergleichsweise günstig. Die Arztpraxis des Internisten an der Mühlenstraße war für den Gehbehinderten leicht zugänglich, zudem machte der Arzt Hausbesuche. Mit 77 Jahren fällt Marianne Holtsträter das Pflegen auch nicht mehr leicht. Ihr Auto sorgt aber für eine gewisse Flexibilität, die sie bis vor etwa einem Jahr, als sie noch zu einem Hausarzt nach Werries fuhr, nutzte. Als der Arzt sich aber von der Gemeinschaftpraxis verabschiedete und sein Kollege dessen Patienten nicht übernahm, begann die Suche, die vorerst in Uentrop endete.
Sie hat damals und jetzt die Erfahrung gemacht, dass mehrere Ärzte die Erweiterung ihres Patientenstammes ablehnen. „Was machen wir jetzt?“, fragt sie. Ihre Nachbarn wurden zwar im Hammer Osten fündig, müssen jedoch auf Hausbesuche verzichten. Das kann Marianne Holtsträter nicht und möchte es ungern so weit kommen lassen, den Notarzt bestellen zu müssen, so dass der 85-Jährige wieder ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. „Ich weiß mir keinen Rat mehr“, sagt sie.
Ein nahtloser Übergang etwa zur Aufnahme bei der verbliebenen Ärztin in Uentrop hat zumindest nicht geklappt – konnte auch nicht. Die neue Situation sei für alle unvorbereitet gekommen, sagt Dr. Brigitte Pipprich. „Wir brauchen von allen Beteiligten Verständnis. Wir können nicht ad hoc sagen, wir übernehmen die gesamte Praxis. Dabei stoßen wir an Grenzen.“ Am Wichtigsten ist ihr, dass die Akutversorgung durch sie und die Kollegen in der Nachbarschaft gesichert ist. „Es wird niemand vor der Tür stehen gelassen“, sagt sie. Alle anderen bittet sie um Geduld, damit sich das Praxisteam auf die neue Situation einstellen kann.
Ohne Terminvergabe, wie es anderenorts längst der Fall ist, wird es künftig in Uentrop nicht mehr gehen – auch vor dem Hintergrund, dass zwei Ärzte in Welver und damit im Einzugsbereich von Uentrop im nächsten Jahr in den Ruhestand gehen wollen. In der Nachbargemeinde wird schon das Wort „Unterversorgung“ in den Mund genommen. Rein von den Zahlen kann das für Hamm nicht gelten.
Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) praktizieren derzeit 97 Hausärzte in der Großstadt. Das Soll liege aber nur bei 86, erklärt Christopher Schneider, Sprecher der KV Westfalen-Lippe. „So haben wir in Hamm noch ein Plus an Hausärzten.“ Sogar in allen Fachgruppen macht er eine „Überversorgung“ aus. „Es kann natürlich sein, dass die Zahl der Ärzte in strukturschwachen Bereichen abnimmt“, sagt er mit Bezug auf das Dorf Uentrop, „aber von einer Versorgungsgefährdung oder einer Versorgungslücke zu sprechen, da muss man vorsichtig sein“, sagt er mit Hinweis darauf, dass Patienten ihren Hausarzt nicht unbedingt im Haus um die Ecke finden, sondern auch weitere Wege in Kauf nehmen und gegebenenfalls öffentliche Verkehrsmittel nutzen müssen.
Generell gilt: Es gibt keine Fallzahlbegrenzung mehr. „Ein Arzt kann aber die Aufnahme weiterer Patienten ablehnen, wenn er meint, dass die Versorgung leiden würde“, sagt Schneider. Dann müssten sie sich an andere Ärzte richten. Insgesamt stellt die KV fest, dass die Versorgung in ländlichen Bereichen immer schwieriger wird.
Reaktionen auf die jüngste Entwicklung in Uentrop sind auch bei der Bezirksvertretung eingegangen. Dorfbewohner beschrieben Bezirksvorsteher Björn Pförtzsch ihre Sorgen. „Wir von der Politik können da wenig machen“, sagt er. Wie aber auch Dr. Brigitte Pipprich und Uentroper Patienten hofft er, dass jemand die Praxis von Dieter Saerbeck übernehmen wird. Die Suche hat begonnen. ▪ ha
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