Sinti-Platz am Sachsenring

Sintifest: Trotz Absage steigt große Party mit Live-Musik

Große Feier trotz Absage des Festes: Während das öffentliche Sintifest am Samstag nicht stattfand, wurden auf dem Platz am Sachsenring zwei Geburtstage mit vielen auswärtigen Gästen lautstark und lange zelebriert.
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Große Feier trotz Absage des Festes: Während das öffentliche Sintifest am Samstag nicht stattfand, wurden auf dem Platz am Sachsenring zwei Geburtstage mit vielen auswärtigen Gästen lautstark und lange zelebriert.

Coronabedingt sagte der Kulturverein der Sinti sein öffentliches Fest ab, gefeiert wurde aber trotzdem auf dem Platz am Sachsenring. Das verwunderte viele und ärgerte wegen Ruhestörung die Anwohner.

Hamm Norden – Anwohner im Hammer Norden und Autofahrer auf dem Sachsenring trauten am Samstag ihren Augen und Ohren kaum. Vor dem Weg zum Sinti-Platz gegenüber des Gartencenters Bintig war am Samstag groß zu lesen „Sintifest wegen Corona abgesagt“, dennoch parkten dort nicht nur zahlreiche Autos mit auswärtigen Kennzeichen, auch Live-Musik und Partygeräusche waren – noch dazu bis tief in die Nacht – zu hören. „Das ist mir peinlich. Alles ist schief gelaufen“, meint Peter Richter, Vorsitzender des verantwortlichen Kulturvereins der Sinti.

Verschiedene Beschwerden gingen beim WA per Mail und in den Kommentaren zur Online-Meldung der Absage vom Samstag ein. Die Bandbreite war groß: Empört wurde sich darüber, dass wegen Corona wieder Veranstaltungen abgesagt werden, aber auch, dass trotz der Infektionen gefeiert würde. Mancher fühlte sich auf dem eigentlich für die Öffentlichkeit gedachten Fest nicht erwünscht, die Sintis würden stattdessen lieber unter sich bleiben wollen, so der Eindruck. Dazu kam die Ruhestörung, die sogar zu einem Polizeieinsatz führte. Das Ordnungsamt hatte dagegen schon wohl am frühen Abend vorbeigeschaut und alles für unauffällig erklärt, hieß es vonseiten der Stadt.

Sorge vor Ansteckungen nach einer Hochzeit

Richter, der gegenüber dem WA am Wochenende von einer „Vielzahl von Infektionen in den letzten Tagen“ gesprochen hatte, versuchte das ganze Durcheinander am Montag zu erklären. Auslöser sei der Besuch einer Hochzeit mit rund 300 Personen in Beckum von einem größeren Teil der Nutzer des Sinti-Platzes gewesen. Dort habe es im Nachgang positive Coronafälle gegeben. Im Vorstand des Kulturvereins machte sich laut Richter die Sorge vor einer Infektionskette breit.

Man habe daraufhin Tests gemacht, die alle negativ blieben, doch zu einer Gruppe konnte kein Kontakt hergestellt werden. Da man weder die Besucher aus Hamm noch die geladenen Gäste gefährden wollte, habe man das Sintifest gegen Samstagmittag abgesagt und am Sachsenring das Transparent aufgehangen, erläutert Richter. Deutlich später habe sich dann herausgestellt, dass es unter den Sintis, die zuvor nicht erreicht worden seien, drei positive Fälle gab. Die feierten dann auch nicht mit, und ansonsten gibt es aktuell bezüglich der Corona-Regelungen ja auch keine größeren Vorschriften mehr. So viel also zur Erklärung der Absage für die offizielle, angemeldeten Veranstaltung.

Zwei Geburtstagkinder

Gefeiert wurde allerdings trotzdem – und das mit vielen auswärtigen Gästen. Richter erzählt, dass sowohl seine Enkelin als auch der Bruder seines Schwiegersohns an diesem Tag Geburtstag hatten. Eigentlich habe man das ins große Fest integrieren wollen. Nun wurde ab Nachmittag intern gefeiert – ohne die Corona-Erkrankten, dafür aber inklusive der geplanten Band, die bis 20 Uhr gespielt habe, ehe Familienangehörige zu den Instrumenten gegriffen hätten. Auch habe man das vorbereitete Essen nicht wegwerfen wollen, und die Zelte waren schon aufgebaut, meint Richter.

Der Vorsitzende sah am Montag ein, dass es nicht den besten Eindruck gemacht hat, Besuchern abzusagen und trotzdem groß zu feiern. Er betont, dass sich der Kulturverein sehr auf das Fest gefreut hätte und es nicht der Fall sei, dass die Sintis die Leute nicht auf dem Platz haben wollen. Noch in diesem Monat möchte der Verein das Sintifest nachholen und hat dazu am Montagabend ein Treffen einberufen.

Anruf wegen Ruhestörung bei der Polizei

Dabei soll auch das zweite Ärgernis zur Sprache kommen: die nächtliche Ruhestörung. Bei der Polizei war nach Angaben von Sprecher Hendrik Heine deswegen um 3.12 Uhr ein Anruf eingegangen. Viel zu spät machten die Feiernde also noch Krach. Als die Beamten acht Minuten später vor Ort waren, sei die Feier aber immerhin beendet gewesen, so Heine.

„Ich will mich bei den Nachbarn und Anwohnern entschuldigen“, sagt Richter, der bestätigt, dass es auch in den Wochen zuvor nachts laut zugegangen sei. Um 22 Uhr soll auf dem Platz künftig Schluss mit Lärm sein. „Entweder die Leute halten sich dran oder es wird nicht mitgefeiert“, so Richter. Dazu soll eine Aussprache, besonders mit den Jüngeren, stattfinden. „Wir wollen den Platz behalten“, macht sich Richter Sorgen um eine negative Stimmung im Umfeld.

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