Das sagt Polizeipräsident Kubera

Schwere Verbrechen in Hamm: Wird es wirklich „immer schlimmer“?!

Polizeieinsatz
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Die Hammer Polizei hatte es in den vergangenen Monaten mehrfach mit schlimmen Verbrechen zu tun.

Zwei Gewalttaten haben die Menschen in Hamm in den vergangenen Wochen besonders beschäftigt. Wird es in Hamm tatsächlich „immer schlimmer“, wie manche in der Stadt befürchten? Polizeipräsident Thomas Kubera sagt: Nein, dem ist nicht so.

Hamm - Thomas Kubera ist seit Anfang Oktober 2021 Polizeipräsident in Hamm. Der 59-Jährige verzichtet mit seinem Karriereschritt unter anderem auf einen frühen Eintritt in den Ruhestand. Vor 40 Jahren begann Kubera seinen Dienst bei der Polizei: als Streifenbeamter. Zuletzt leitete er unter anderem in Essen eine vom NRW-Innenministerium beauftragte Sonderinspektion zur Aufarbeitung rechtsextremistischer Tendenzen bei der Polizei. Im Interview mit WA.de spricht Kubera hier über die jüngsten schweren Verbrechenstaten... und warum am Ende doch nicht alles schlimmer wird.

Der Mordfall am OLG-Teich und der brutale Raubüberfall auf ein Ehepaar im Hammer Süden in dessen Wohnhaus liegen wenige Wochen zurück. Beide Delikte haben dazu geführt, dass viele in der Stadt meinen, die Zeiten würden immer schlimmer. Ist das so?
Thomas Kubera: Beide Taten haben auch in die Bevölkerung hinein sicherlich eine besondere Wirkung gehabt. Drastischer als bei einem solchen Raubdelikt kann man nicht in die Privatsphäre eines Opfers eindringen. Und bei dem Tötungsdelikt ist eine junge Frau ums Leben gekommen.
Durch die Tat sind die Familie und Angehörigen massivst betroffen. Das Geschehene macht uns alle schier fassungslos. Ich glaube, dass sich viele von außen in solche Situationen hineindenken und so etwas auf sich projizieren. Sie entwickeln Ängste und sagen sich: ,Das darf mir auf keinen Fall passieren.’ Und das wirkt sich dann natürlich auf das subjektive Sicherheitsgefühl aus.
Aber man muss unterm Strich auch immer sagen, dass solch schlimme Taten nicht repräsentativ für das Gesamtbild von Kriminalität sind. Man kann über die letzten zehn Jahre sagen, dass es in Hamm keinen signifikanten Anstieg der schwerstkriminellen Delikte gegeben hat, sondern es eine deutliche Richtung nach unten gibt.
Richtig ist aber auch, dass über die sozialen Medien schwerste Delikte sehr schnell bewegt werden und so natürlich andere Bilder entstehen. Bei unserer Bürgerbefragung, bei der im vergangenen Jahr rund 3000 Menschen beteiligt worden sind, wurde mehrheitlich nicht der Eindruck übermittelt, dass es in Hamm unsicherer geworden wäre. Insofern muss man sich hüten, die Protagonisten in sozialen Medien als leitgebend einzustufen.
Bei dem Tötungsdelikt im OLG-Park war die Tatwaffe offenbar ein Messer. Ebenso war es bei dem abgeurteilten Fall aus dem Hammer Süden, bei dem eine schwangere Frau ums Leben kam. Das Messer als Tatwerkzeug: Wie viele Probleme bereitet dies der Hammer Polizei?
Kubera: Das bewegt uns in ganz NRW tatsächlich sehr. Das Innenministerium lässt deshalb auch seit 2019 erfassen, wie oft Stichwaffen von Straftätern benutzt werden. Man muss schon sagen, dass der Griff zum Messer mit einer deutlich niedrigeren Hemmschwelle verbunden ist als noch vor etlichen Jahren.
Was Hamm betrifft: Es ist nicht so, dass jeden Tag eine Messerstraftat passiert. Aber sie finden in einer Anzahl statt, die uns besorgt. 60 bis 70 Taten fallen pro Jahr in Hamm an, die Tendenz ist steigend. Messer sind leicht zu beschaffen, man hat sie letztlich in jedem Haushalt. Offensichtlich ist es so, dass einige glauben, dass wenn sie sich bewaffnen, in einem Konflikt besser geschützt zu sein. Mein Erklärungsansatz ist: Wer etwas mitnimmt, die mögliche Nutzung vorher auch durchdacht hat, der hat gerade in Affektsituationen eine niedrigere Hemmschwelle, es zu benutzen.
Was kann getan werden, dass Messer erst gar nicht mitgenommen werden?
Kubera: Es gibt die Möglichkeit, für bestimmte Örtlichkeiten das Mitführen von sämtlichen gefährlichen Gegenständen zu verbieten. Am Dortmunder Hauptbahnhof ist das beispielsweise so. Allerdings ist dies die Ultima Ratio. Im Vorfeld muss es an dem Ort eine Fallhäufung gegeben haben. Ansonsten bleiben uns eigentlich nur Appelle und die Präventionsarbeit.

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