"Ehe für alle" in Hamm

Erst König, dann Bräutigam: Gockels wollen die ersten sein

Ralf Gockel und Bernd Barkholt-Gockel sind das erste schwule Königspaar in Hamm. Seit Anfang Juni regieren sie in Wiescherhöfen.
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Ralf Gockel und Bernd Barkholt-Gockel sind das erste schwule Königspaar in Hamm. Seit Anfang Juni regieren sie in Wiescherhöfen.

Hamm - Sieben Wörter machen den Unterschied aus. Sieben Wörter, auf die Ralf Gockel und Bernd Barkholt-Gockel lange gewartet haben. Möglichst bald wollen die beiden heiraten. Die „Ehe für alle“ macht es möglich.

Als der Bundestag vor knapp sechs Wochen die „Ehe für alle“ beschlossen hatte, da wurden im Bürgerlichen Gesetzbuch sieben Wörter neu eingefügt. Bislang heißt es in Paragraf 1353: „Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen“. Ergänzt wurden die sieben Wörter „von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts“. Für Ralf Gockel und Bernd Barkholt-Gockel ist klar, dass sie nun den nächsten Schritt gehen werden, um ihre Liebe zueinander auf ein neues Fundament zu stellen. Die sieben Wörter bringen sie in den siebten Himmel.

Verpartnert durch eine eingetragene Lebenspartnerschaft sind sie schon seit dem Jahr 2009. „Doch das ist nicht das Gleiche“, sagt Bernd Barkholt-Gockel. Durch die Eheschließung, die Anfang Oktober erfolgen soll – sie wollen die ersten in Hamm sein –, könnten sie als richtige Ehepartner gemeinsam durch das Leben gehen. Durch die Möglichkeit, nun heiraten zu dürfen, fühlen sie sich in ihrer Partnerschaft durch die Gesellschaft anerkannt. Ralf Gockel: „Die Eheschließung macht die Sache endgültig rund.“

Mit Anerkennung in ihrem persönlichen Umfeld haben die beiden noch nie Schwierigkeiten gehabt. Im Gegenteil. Auch mit ihrem Schwul-Sein gehen sie offensiv um. Als erstes schwules Königspaar in Hamm haben sie einen Schritt in die Öffentlichkeit getan und stehen auf der großen Bühne. Ralf Gockel als König und Bernd Barkholt-Gockel als Prinzgemahl der Schützengesellschaft Wiescherhöfen-Weetfeld.

Ralf Gockel und Bernd Barkholt-Gockel schreiben Hammer Schützen-Geschichte

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Ralf Gockel und Bernd Barkholt-Gockel schreiben Hammer Schützen-Geschichte

„Zu 99,9 Prozent haben wir Zustimmung erhalten“, freuen sich beide. „Auch bei den befreundeten Vereinen, haben wie keine

Sobald es möglich ist, wollen sich die „eingetragenen Lebenspartner“ ihren Trautermin sichern.

blöden Kommentare erlebt.“ Ein wenig aufgeregt sei er gewesen, als er mit seinem Throngefolge zum Bürgerschützenfest nach Walstedde gefahren sei. Bernd Barkholt-Gockel ist in dem kleinen Dorf aufgewachsen. Zuvor hat er sich beim Vorstand erkundigt, ob er als Prinzgemahl mit seinem König willkommen sei. „Es hat keine Probleme gegeben, wir sind mit offenen Armen empfangen worden. „Uns wurde gesagt, dass mit unserem Besuch Walstedde im Jahr 2017 angekommen sei. Das hat mich sehr gefreut.“

Die beiden leben offen schwul. „Es sollte das Normalste der Welt sein“, sagt Bernd Barkholt-Gockel. Weil das so sein soll, freuen sie sich darüber, dass der Bundestag den Weg für die Ehe für alle nun geebnet hat. Ralf Gockel hat schon beim Standesamt vorgesprochen und sich nach einem Termin für die Eheschließung erkundigt. Noch konnte man ihm dort keinen Termin nennen, da das neue Gesetz erst veröffentlicht werden muss, ehe es in Kraft tritt. Wahrscheinlich, so heißt aus dem Rathaus, soll das Anfang Oktober geschehen.

Ab sofort ist nur noch „Ehe für alle“ möglich

In der Hammer Stadtverwaltung laufen derzeit die Vorbereitungen für die „Ehe für alle". Alle 117 eingetragenen Lebenspartnerschaften werden angeschrieben und auf die neue Rechtslage hingewiesen. Denn die Partnerschaften werden nicht automatisch zu einer Ehe. Verpartnerte Paare müssen persönlich und gemeinsam erneut zum Standesamt und erklären, dass sie sie künftig in einer gleichgeschlechtlichen Ehe leben wollen.

„Viele Anfragen gibt es derzeit aber noch nicht“, teilt ein Stadtsprecher mit. Er macht aber auch deutlich, dass es eine Pflicht dazu nicht gebe. „Lebenspartnerschaften können einfach weitergeführt werden.“ Allerdings sind keine neuen mehr möglich. Künftig gibt es nur noch die Ehe. Seit 2001 konnten gleichgeschlechtliche Paare eine Lebenspartnerschaft amtlich eintragen lassen. Das haben in Hamm seither 117 Paare getan.

Benachteiligungen bleiben

Gleichgestellt mit einer Ehe waren sie aber noch lange nicht – im Miet-, Erb- und Steuerrecht gab es Einschränkungen, die in den vergangenen Jahren – auf Antreiben des Bundesverfassungsgerichtes – beseitigt wurden. Trotzdem fühlten sich Ralf Gockel und Bernd Barkholt-Gockel wie in einer „Ehe-Light“. Gegen ihre Steuerbescheide haben sie immer wieder Widerspruch eingelegt, bis das Bundesverfassungsgericht eine Änderung einforderte. „Das gab eine schöne Nachzahlung“, grinst Barkholt-Gockel.

Benachteiligungen blieben aber immer wieder. Gockel nennt beispielsweise das Grundbuch. Dort möchte er seinen Lebenspartner gerne eingetragen wissen. „Das hätte mehrere tausend Euro gekostet. Für Ehepartner ist das kostenlos.“ Die beiden haben anders vorgesorgt und ein notarielles Testament verfasst.

"Anerkennung ein schönes Gefühl"

Die größte Benachteiligung war allerdings bis zuletzt, dass Lebenspartner nicht gemeinsam Kinder adoptieren dürfen. „Das ist für uns aber kein Thema mehr“, so Ralf Gockel.

Neben der materiellen Seite sind die beiden froh, dass durch die „Ehe für alle“ das Thema gleichgeschlechtliche Liebe zur Normalität wird. Die „Ehe für alle“ habe auch einen hohen symbolischen Wert, weil es den Staat nun nicht mehr interessiere, ob ein Mann einen Mann oder eine Frau eine Frau liebt. Bernd Barkholt-Gockel: „Unsere Liebe wird durch den Staat anerkannt. Das ist ein schönes Gefühl.“

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