Wie vor einem Jahr
Prügel und Polizei: „Kinderbande“ treibt Unwesen am Westentor
Wie schon vor einem Jahr sorgt der Bereich Westentor in Hamm wieder für Diskussionen: Vermehrt gab es dort zuletzt Prügeleien und Polizeieinsätze. Mittendrin: Kinder und Jugendliche. Nicht nur Beobachter sind besorgt.
Hamm – Werden Innenstadt und speziell der Bereich um das Westentor wieder zur „Spielwiese“ aggressiver Jugendlicher und zum Schauplatz von Gewaltausbrüchen? Vieles von dem, was sich in den vergangenen Wochen am Busknotenpunkt ereignete, erinnert stark an ein Szenario vor gut einem Jahr. Damals wurde eine Gruppe mit vereinten Kräften von Polizei, Jugendamt und dem Verein Paidaia zerschlagen. Läuft es jetzt auf eine neue Eskalation hinaus? Zum Teil handelt es sich um die selben Akteure.
Neben einer Prügelei am Montag, 25. Juli, bei der zwei Jugendliche verletzt wurden, berichten Zeugen von einer weiteren Prügelei am Westentor am Montag, 11. Juli, ebenfalls unter Jugendlichen. Die Polizei bestätigt den Einsatz, ermittelt worden sei aber kein Verdächtiger. Die Täter seien vorher abgetaucht, berichten Zeugen. Nach deren Beobachtungen sollen sie aus einer größeren Gruppe von Kindern und Jugendlichen, geschätzt zwischen 12 und 18 Jahren alt, agiert haben.
Bei derben Beleidigungen blieb es laut Zeugen eine Woche vorher am 4. Juli am gleichen Ort, wieder aus einer Gruppe heraus. Alle Vorfälle ereigneten sich in etwa um die gleiche Zeit gegen 21.15 Uhr. Am 4. und 11. Juli war eine Gruppe von Senioren, die nach einem Bahnausflug am Westentor auf ihren Busanschluss wartete, Zeuge der Ereignisse geworden. Aus Angst vor Übergriffen sei man nicht eingeschritten, eine andere Zeugin habe per Handy die Polizei alarmiert.
„Keine Überraschung, wenn Leute den Ort meiden“
„Für mich ist es nach diesen Ereignissen keine Überraschung, wenn Leute diesen Ort meiden“, sagt ein Zeuge vom Westentor. „Hier schreitet anscheinend niemand ein, und Chaoten übernehmen das Feld. Es ist traurig, dass sich ein bestimmtes Klientel den öffentlichen Raum derart zu eigen machen kann.“
Der Mann fürchtet, dass vor allem auch Menschen seiner Altersklasse (Ü70) der ÖPNV vergrämt werden könnte, weil sich an diesem wichtigen Knotenpunkt niemand gerne aufhält, schon gar nicht in den Abendstunden. Er beschreibt sich selbst als couragiert, wisse aber auch, wann es besser sei, nicht einzuschreiten.
Stadt: „Der Großteil der Gruppe ist uns bekannt“
Die Polizei verzeichnet zu den genannten Vorkommnissen noch zwei weitere Anzeigen, eine davon wegen Beleidigung am Dienstag. Tatverdächtige war die Mutter eines der Kinder aus der Gruppe. Polizei und Stadt bestätigten gegenüber unserer Zeitung, dass es sich teils um die selben Personen wie im Vorjahr handelt.
„Der Großteil der Gruppe ist uns bekannt und Teile davon beziehungsweise deren Familien sind bereits in Betreuung des Jugendamtes“, so Stadtsprecher Tom Herberg. Einige der Jugendlichen würden im Zusammenwirken zwischen Polizei und Jugendamt bereits betreut.
Mehr KOD vor Ort - Polizei appelliert an Bürger
„Wir werden gemeinsam mit Polizei und dem Träger schauen, ob es noch eine engere und gezieltere Betreuung braucht und ob diese auf weitere Beschuldigte ausgeweitet werden sollte“, so der Stadtsprecher. Ferner kündigte die Stadt eine erhöhte Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) an.
Polizeisprecher Hendrik Heine appelliert an die Bürger, Übergriffe oder Beleidigungen direkt bei der Polizei zu melden und gegebenenfalls auch zur Anzeige zu bringen. Derzeit liefen Ermittlungen gegen zwei von drei mutmaßlichen Beteiligten der Prügelei vom 25. Juli.
Auffällige Gruppe zerschlagen
Zwischen 12 und 16 Jahren waren die Angehörigen einer auffälligen und gewalttätigen Gruppe, die Polizei und Stadt vor gut einem Jahr im Sommer 2021 zerschlagen hatte. Der Hammer Verein „Paidaia“ war mit seinem Kriseninterventionsprogramm beauftragt worden. Das war damals eine einmalige Intervention, kein Dauerprogramm. Einen neuen Auftrag für die aktuelle Situation gibt es bisher nicht.
Der mutmaßliche Hauptakteur wurde 2021 (mit seiner Zustimmung) aus der Familie genommen und befindet sich aktuell noch in einem Programm im Ausland. Weitere Jugendliche wurden über Paidaia betreut. Mit Erfolg, wie es in einer Zwischenbilanz im vergangenen Oktober gegenüber unserer Zeitung hieß.