Käufer gefunden
„Gutes Gefühl“: Nähzentrum Aufermann öffnet nur noch ein Mal
Ein Käufer für das Geschäfts- und Wohnhaus am Alten Uentroper Weg 185 ist gefunden. Das Nähzentrum Aufermann öffnet am Samstag, 18. Dezember, zum letzten Mal seine Pforten – dann heißt es nach 26 Jahren Abschied nehmen.
Werries - „Dann ist Schluss“, sagt Inhaberin Mechthild Aufermann. „Ein bisschen Aufräumzeit brauchen wir aber noch.“ Die Geschäftsfrau, die bereits 1981 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hatte, hofft, die Immobilie Anfang Januar besenrein zu haben und dann letztmalig den Schlüssel umzudrehen.
Noch ist im Nähzentrum Aufermann alles an seinem Platz. Doch der Schein trügt: In den Regalen befindet sich nur noch ein Bruchteil dessen, was das Nähzentrum am Rande der Werrieser Zechenkolonie sonst zu bieten hatte. Denn der Räumungsverkauf ist in vollem Gange. Ratzfatz seien die Nähmaschinen weg gewesen, obwohl es zunächst nur 20 Prozent Rabatt gegeben habe. „Da hatte ich überhaupt nicht mit gerechnet, dass so viele Kunden kommen. Selbst unter 2G-Bedingungen“, bilanziert Aufermann zum Verlauf des Räumungsverkaufs.
Vorfreude auf neuen Lebensabschnitt
Doch je leerer die Regale würden, desto mehr wachse die Vorfreude auf das, was jetzt komme. „Ich habe richtig Bock auf was Neues“, sagt sie. Besonders freut sie sich darauf, künftig mit ihrem Ehemann Heinz Georg einfach in den Tag hineinleben zu können und nicht mehr auf die Uhr gucken zu müssen. Für sie sei der Eintritt in den Ruhestand so, als würde sie das dritte Kind abgeben. In eine neue Wohnung sind die Eheleute bereits gezogen. „Die Enkelkinder freuen sich und wir freuen uns, dass wir endlich mehr Zeit zum Fahrrad fahren und für die Pflege von Freundschaften haben“, so die 67-Jährige. Das Private sei ja all die Jahre viel zu kurz gekommen.
Ich habe richtig Bock auf was Neues. Die Enkelkinder freuen sich und wir freuen uns, dass wir endlich mehr Zeit zum Fahrrad fahren und für die Pflege von Freundschaften haben.
Auch wenn Aufermann, wie sie sagt, dem Abschied ihres Nähzentrums eher mit einer Art „Galgenhumor“ entgegen sieht, blickt sie mit einem guten Gefühl auf die 26 Jahre zurück: „Es war schon schön und ich will die Zeit nicht missen. Ich würde es immer wieder tun.“ Viele Kunden kämen aber auch vorbei, um sich einfach persönlich zu verabschieden. Besonders freue sie sich über Kunden, die sich einfach nur für die lange betreute Zeit bedanken wollen. Viele der Kunden, die aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern zum Nähzentrum Aufermann gekommen seien, sind traurig, dass die Hilfe bei Problemen, beispielsweise mit Abnähern, nun wegfällt. Denn die Beratung gab es immer kostenlos dazu. „Dieser Dank in den Augen der Kunden ist das größte Lob und die schönste Bestätigung, die man haben kann“, findet Aufermann.
Bekannter Dienstleister hat Immobilie gekauft
Neben den treuen Kunden werde sie auch ihre vier „Mädels“ aus ihrem Team vermissen. Zwei von ihnen machen sich selbstständig und werden selbst Nähkurse anbieten. Die anderen beiden suchen noch nach neuen Anstellungen. Ein paar Tränen habe sie auch verdrückt, als sie von ihrem Mechanikermeister Abschied nehmen musste. Am letzten Verkaufstag freut sich Aufermann darauf, dass möglichst viele Weggefährten nochmals vorbeikommen. Bekannte werden für Glühwein und Gegrilltes sorgen.
Zum 1. Februar 2022 ist die Immobilie verkauft. Ein Dienstleister aus Werries habe bereits Bedarf angemeldet. Um wen es sich bei dem neuen Mieter handelt, wollte Aufermann allerdings noch nicht verraten.