Nach langem Ringen

Tempo 30: Vor Heessener Kita wird Höchstgeschwindigkeit reduziert

Tempo 30 vor der Josef-Kita: Seit vielen Jahren hat die SPD Anstrengungen zur Verkehrsberuhigung unternommen.
+
Tempo 30 vor der Josef-Kita: Seit vielen Jahren hat die Heessener SPD Anstrengungen zur Verkehrsberuhigung unternommen.

Eine vielbefahrene Straße, daran eine Kita - und dennoch hatte die Stadt lange Zeit keine Möglichkeit oder Notwendigkeit gesehen, Tempo 30 einzuführen. Doch das ändert sich an der Mansfelder Straße nun.

Heessen – Die Freude war Nicole Blömers schon von Weitem anzusehen. Zwar war das Schild mit der großen 30, das die Vertreter der Heessener SPD zum schnell ausgemachten Ortstermin mitgebracht hatten, noch nicht für den Verkehr bindend. Doch die Leiterin der katholischen Kita St. Josef verstand sofort: Vor ihrer Einrichtung an der viel befahrenen Mansfelder Straße gilt bald Tempo 30, nachdem das vorher mehrfach abgewiesen worden war.

„Ich finde das ganz toll“, sagte Blömers glücklich in einer ersten Reaktion, nachdem ihr Bezirksbürgermeisterin Erzina Brennecke die Entscheidung der Stadtverwaltung vor Ort mitgeteilt hatte. Als stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD war sie daran beteiligt, als die Hammer Sozialdemokraten im vergangenen Juni einen Antrag unter dem Motto „Tempo 30 ausweiten“ auf den Weg brachten. Stadtweit sollte eine einheitliche Prüfung vorgenommen werden, so Brennecke: „Mir war es wichtig, eine Vergleichbarkeit der Orte zu gewährleisten.“ Die jetzige Verwaltungsentscheidung pro Mansfelder Straße bezieht sich darauf.

Große Freude über die Parteigrenzen hinweg

„Ich freue mich riesig, dass sich der Einsatz, auch der Eltern, gelohnt hat“, meinte Blömers. Und auch in der Politik war über die Parteigrenzen hinweg die Freude über die Mitteilung der Stadt groß, wie die Fraktionsvorsitzenden Tobias Lohse (SPD) und Gabriele Beltrop-Hengst (CDU) versicherten. Schon lange war den Betroffenen die potenzielle Gefahrenstelle ein Dorn im Auge.

Im Lauf der Zeit getroffene Maßnahmen zur Verkehrssicherheit wie eine Bedarfsampel direkt vor dem Eingangsbereich oder Hinweisschilder am Straßenrand oder die zuletzt aufgebrachten Piktogramme auf der Fahrbahn wurden zwar von Kita-Seite begrüßt. Wirklich sicher hätten sie die Stelle aber nicht gemacht, befand Blömers.

Jahrelanges Ringen mit der Verwaltung

Um Tempo 30 in diesem Teil der Mansfelder Straße war lange gerungen worden. Die politischen Vertreter waren sich dabei einig, dass es kommen soll, die Verwaltung hatte allerdings bislang ablehnend reagiert. „Schon, als wir noch in der Opposition waren, haben wir einen Antrag gestellt“, sagte Klaus Wenthaus und blickte auf die Zeit vor 2014.

„Wir haben vor acht Jahren angefangen zu prockeln, aber es ist immer wieder abgebügelt worden“, meinte auch Heessens CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Beltrop-Hengst und spricht vom Beginn der Bauarbeiten für die Kita 2013/14. Im Februar 2016 blieb ein Antrag der Union erfolglos, die Einrichtung von Tempo 30 vor der Kita überprüfen zu lassen. Laut Verwaltung lagen damals keine Voraussetzungen gemäß Straßenverkehrsordnung vor.

Immerzu „geprockelt“ hat die Heessener CDU wegen Tempo 30 vor der Kita, jetzt ist die Freude über die Einführung umso größer.

„Vorgerobbt bis Tempo 30“

2017 trat ein Bundesgesetz in Kraft, dass Tempo 30 vor Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Seniorenheimen möglich sei, wenn ein direkter Zugang zur Straße vorliegt. Die Union wurde wieder aktiv, nahm nun den ganzen Bereich von der Uedinghoffstraße bis zur Münsterstraße mit Josefschule und Seniorenzentrum St. Josef in den Blick. Doch die Verwaltung äußerte erneut Bedenken, sah den Kita-Eingang „nicht im unmittelbaren Bereich“ der Straße. Von der Eingangstür der Kita führt ein kleiner Patt zur Ampelanlage auf einem schmalen Gehweg, den können Kinder jedoch schnell überbrücken. Außerdem birgt der Hol- und Bringdienst der Eltern zusätzliche Unübersichtlichkeit.

Deswegen zeigte sich kein politischer Vertreter in Heessen mit der Erklärung zufrieden, sondern sie sahen weiter eine Gefahr für die Kinder. Die CDU wiederholte bald ihren Antrag, schob ihn, weil mittlerweile von Stadtseite wegen „Tempo 30 ausweiten“ eine weitere Überprüfung angekündigt worden war. Die SPD bat in einer Anfrage um zusätzliche Piktogramme und Geschwindigkeitskontrollen. „Wir haben versucht, den Diskurs fortlaufen zu lassen“, sagte Lohse: „Wir haben uns schrittweise vorgerobbt bis Tempo 30.“ Aus Sicht von Beltrop-Hengst haben die Piktogramme dagegen wenig gebracht, Lohse bezeichnete den letzten CDU-Antrag als „nicht zielführend“.

Tempo 30 auf 300 Meter

Nun wird also doch auf den 300 Metern um die Kita die Geschwindigkeit von 50 auf 30 reduziert. Die CDU-Fraktionsvorsitzende hofft nun, dass der Bereich die Einfahrt zu Grundschule mit einschließt: „Das müsste in etwa passen.“ Brennecke ergänzte: „Tempo 30 allein reicht nicht. Wir wissen, dass nicht alle 30 fahren. Deswegen werden wir darauf bestehen, dass Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt werden.“ Wann die Maßnahme umgesetzt wird, war derweil noch unklar.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare