St.-Stephanus-Leiter Jens Jörger im Interview
„Meilenstein“: So lief das Impfen im größten Hammer Altenheim
Auch im größten Altenheim in Hamm, dem Seniorenheim St. Stephanus am Rande des Heessener Waldes, wurde Bewohnern und Mitarbeitern die Corona-Impfung angeboten. Wird jetzt alles gut?
Hamm – Die Corona-Schutzimpfung läuft in den Seniorenheimen. Für das St.-Stephanus-Heim in Heessen freut sich dessen Leiter Jens Jörger: „Im Ergebnis sind über 92 Prozent der Bewohnerschaft und 82 Prozent der Mitarbeiterschaft geimpft.“ Er sagt aber auch: „Dass jüngere Menschen die Impfung kritischer sehen als ältere Menschen, entspricht unseren Beobachtungen.“ (News zum Coronavirus in Hamm)
WA.de erkundigte sich bei Jörger nach der Impfquote, den Auswirkungen der Impfung und den Perspektiven.
Corona-Impfen im St. Stephanus in Hamm - hier unser Interview:
Jede Impfung setzt natürlich die Einverständniserklärung des Impflings voraus. Bei Bewohnern, die über eine rechtliche Vertretung, zum Beispiel einen Betreuer, verfügen, musste Kontakt aufgenommen werden. Die Reihenfolge für die Impfungen war vorzubereiten und alle mussten gut informiert werden, sodass Spritze und Oberarm auch zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort zusammenfinden.
Ich bin eher stolz darauf, dass die Mitarbeiter sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzen, denn das Vertrauen in die Pharmakologie ist an einigen Stellen nicht grundlos getrübt. Aber wir müssen auch den Nutzen der Arzneimittel anerkennen. Viele Menschen würden ohne Medikamente gar nicht mehr leben. Erfreut hat mich die fachliche Auseinandersetzung mit dem Impfarzt, der die Mitarbeitenden konkret auf ihre persönliche Situation beraten konnte. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das Angebot der Einzelberatung wahrgenommen und genau nachgefragt. Daran ist nichts auszusetzen.
Im Ergebnis sind über 92 Prozent der Bewohnerschaft und 82 Prozent der Mitarbeiterschaft geimpft. Das bietet einen großen Schutz.
Wichtig finde ich, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema sachlich bleibt. Wer sich ernsthaft mit den Risiken der Impfung auseinandersetzt, begibt sich auf medizinisches Gebiet, und das ist natürlich auch anspruchsvoll. Die Brücke schlägt der Impfarzt oder der Hausarzt, der das Risiko für den einzelnen Impfling bewertet. Anhand des Gesundheitsstatus‘ wird das Risiko einer Impfkomplikation dem Risiko einer Erkrankung gegenübergestellt.
Letzlich ist es eine höchstpersönliche Entscheidung, sich impfen zu lassen oder nicht. Das gilt für Bewohner und Mitarbeitende gleichermaßen. Die Entscheidung ist zu respektieren. Wir sind sehr froh, dass der allergrößte Teil der Mitarbeiterschaft und Bewohnerschaft geimpft werden kann, denn Impfung bedeutet Sicherheit.
Indirekt stellt sich die Frage aber dann doch wieder, denn: Aus der Erfahrung wissen wir, dass die Versorgung erkrankter Bewohner und Personalausfälle erkrankter Mitarbeiter die Systeme an die Grenzen des Machbaren treibt. Eine unkontrollierbare Ausbruchssituation führt regelmäßig zu Todesfällen in der Bewohnerschaft und erheblichen Überlastungen der Belegschaft. Es hat in NRW auch Todesfälle unter dem Pflegepersonal gegeben. Das dürfen wir nicht vergessen. Daher ist die Bereitschaft zur Impfung indirekt auch immer ein Beitrag zur Stärkung des Pflege- und Gesundheitssektors.
Größtes Altenheim in Hamm
Das Seniorenheim St. Stephanus im Heessener Dorf ist das größte Seniorenheim Hamms. Derzeit betreuen 230 Mitarbeiter die 180 Bewohner. An diesen Zahlen orientiert sich die im Interview genannte Impfquote.
Natürlich sehnen sich alle danach, in die Gesichter der Menschen zu blicken und mittels ausdrucksvoller Gestik zu kommunizieren. Die Mitarbeiterschaft hat im letzten Sommer bei Temperaturen über 36 Grad in den Schutzkitteln die körperlich anstrengende Arbeit verrichtet. Da gibt es große Hoffnungen auf eine Normalisierung.
Auch für Besuche durch Angehörige sind großzügige Regeln geschaffen worden. Der Betreuungsdienst ist sehr bemüht, Angebote anzubieten, die auf die neue Situation angepasst sind. Ein schönes Konzert mit seinem Sitznachbarn in einer Stuhlreihe mit anderen Menschen zu genießen, ist eine andere Sache, das ist uns allen klar.
Das Gesundheitssystem ist handlungsfähig, die Pflegeeinrichtungen werden durch einen Rettungsschirm unterstützt und die Einschränkungen im öffentlichen Raum werden von der Mehrheit der Bevölkerung getragen. Jeder tut, was er kann. Gefühlsmäßig kann ich nur sagen: Der Einsatz hat sich bis jetzt gelohnt. Die Pandemie wird uns noch so manche Herausforderung bringen, aber ich bin mir sicher, dass wir damit umgehen können.
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