Wer trinkt hier wen unter den Tisch?
Dinah will zur Bierbörse: „Mehr als 350 Sorten Bier – und alle sicher!“
Kenianer wie Deutsche lieben Bier, verrät unsere Kolumnistin Dinah Koschowski vor ihrem zweiten Bierbörsen-Besuch in Hamm. Allerdings ist es in Kenia mitunter gefährlich, Bier zu trinken.
Hamm - An diesem Wochenende werde ich zur Bierbörse in Hamm gehen. Ich werde aufregende neue Biersorten kennenlernen – und sicher sein, dass sie nicht ZU aufregend sind. Anders als in meiner Heimat Kenia.
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Kenianer und Deutsche haben etwas gemeinsam. Sie trinken gerne Bier. Für Kenianer ist es üblich, sich nach der Arbeit in der Bar zu treffen und ein paar Bierchen zu trinken. Am Wochenende schauen sie Sport, essen Braten (nyama choma) – und trinken Bier.
Bier kaufen in Deutschland? Ist ganz schön überwältigend!
Allzu viel Auswahl haben sie dabei nicht. Eine einzige Brauerei dominiert Kenia, die 1922 von zwei britischen Brüdern gegründete East African Breweries Limited (EABL). Ihre bekannteste Marke heißt Tusker, benannt nach dem Elefanten, der einen der Gründer niedertrampelte und tötete. Daneben gibt es zwölf andere Sorten. Das war’s, zumindest, wenn man legal unterwegs ist.
Ich wusste, dass Deutschland ein Bierland ist. Wie groß die Vielfalt ist, hat mich trotzdem überrascht. Manchmal kaufe ich im Trinkgut ein. Dort gibt es nur einen Bruchteil der mehr als 5 000 deutschen Biersorten. Aber dieser kleine Teil überwältigt mich schon völlig. Soll ich ein Bier mit hübschem Etikett nehmen? Oder mit einem Namen, den ich aussprechen kann? Und welche Geschmacksrichtung?
Tolle Entdeckung: Bier mit Früchten schmeckt - zumindest unserer Kolumnistin
Letztes Jahr war ich dann zum ersten Mal bei der Bierbörse in Hamm – und die Auswahl war noch größer als im Getränkemarkt. Es fühlte sich an wie eine Bierreise um die Welt. Bis dahin hatte ich angenommen, Guinness sei das einzige dunkle Bier. Bei der Bierbörse entdeckte ich Altbier und Doppelbock. Und ungewöhnliche Mischungen, Bier mit Früchten zum Beispiel. Ich probierte das Erdbeer-Porter-Bier mit Riesenerdbeeren, verliebte mich in das belgische Bier Rouge Intense. Es schmeckte, als hätten Gerstenmalz und Himbeeren ein würziges Baby bekommen! Das blieb mein Getränk für den Rest des Abends. Bis dahin wusste ich nicht, dass Bier so gut schmecken kann.
Toll ist: Es ist sicher, dieses Bier zu trinken. Alle deutschen Biere folgen dem Reinheitsgebot, enthalten als Hauptbestandteile nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser.
Sie sind in Kenia unterwegs und wollen ein Ihnen unbekanntes Bier probieren? Lieber nicht!
Wenn Sie in Kenia mal ein aufregendes Bier kennenlernen wollen, das nicht von der EABL kommt, gehen Sie ein hohes Risiko ein. In einigen Gegenden verkaufen Kioske und winzige Bars sogenannte traditionelle Biere. Tun Sie mir einen Gefallen: Sollten Sie jemals nach Kenia reisen und dort in eine kleine Bar kommen, in der man Ihnen Bier in einem Becher oder Glas anbietet und Sie sind nicht absolut sicher, die Marke zu kennen: Trinken Sie es nicht!
Man hat festgestellt, dass Bieren in einigen Gegenden giftige Chemikalien zugesetzt werden, um sie stärker zu machen. Das hat manchmal schreckliche Folgen. Leute dachten, man habe das Licht ausgemacht – dabei waren sie erblindet. Es hat Todesfälle gegeben. In manchen Bars bittet man die Gäste, die Hose in die Socken zu stecken, bevor sie ein traditionelles Bier erhalten – weil sie nach dem Genuss des Bieres manchmal die Kontrolle über ihren Stuhlgang verlieren. Die Leute vom Lokal wollen nicht hinter ihnen herwischen.
Kenianer würden sich auf der Bierbörse prächtig amüsieren
Ich freue mich jetzt auf meine zweite Bierbörse in Hamm und darauf, über 350 Biere aus aller Welt zu entdecken. Man kann auch in Kenia internationale Biere kaufen, aber nur in Dosen. Jeder Biertrinker weiß, dass frisch gezapft besser ist – und so gibt es sie auf der Bierbörse. Würden mehr Kenianer zur Bierbörse kommen, dann würden sie sich prächtig amüsieren und die Deutschen herausfordern, wer wen unter den Tisch trinken kann. Sie würden die Bierbörse zu schätzen wissen. Was mich betrifft, ich will keine faden Biere mehr. Ich freue mich darauf, mehr fruchtige Biere auszuprobieren. Prost!
Unsere Kolumnistin
Dinah Koschowski (41) hat in Kenia und Australien Journalistik studiert. Vor zwei Jahren hat sie einen Mann aus Hamm geheiratet und lebt in Bockum-Hövel. Nach einem Praktikum in der Lokalredaktion schreibt sie für uns eine Kolumne darüber, was sie als Einwanderin in Hamm erlebt.