Vom Flüchtling zum Unternehmer
Als die Russen einfielen... Der erstaunliche Lebensweg von Massoud Ahmady
Flüchtling, Kellner, Unternehmer - auf den Werdegang von Massoud Ahmady kann man wie auf einen spannenden Film schauen. Und es läuft längst noch nicht der Abspann: Der Mann hat noch viel vor.
Hamm – Wer Massoud Ahmady kennenlernt, erlebt einen sympathischen 54-jährigen Mann, der stolzer Vater zweier Kinder und beruflich sehr erfolgreich ist. Er ist SAP-Basis-Administrator und hat zudem noch mehrere Unternehmen im Baubereich. Sein Erfolg wurde ihm allerdings nicht in die Wiege gelegt, sondern er hat ihn sich mit Fleiß und Wagemut hart erarbeitet.
Unbegleiteter Flüchtling aus Afghanistan
Die Ausgangslage hätte für Ahmady kaum schwieriger sein können: Mit nur 13 Jahren kam er im Jahr 1982 mit zwei Geschwistern als unbegleiteter afghanischer Flüchtling nach Deutschland. In Afghanistan tobte der Krieg mit den Russen und er war mit seinen Geschwistern alleine in Hamm gelandet. Doch er gab nicht auf, lernte fleißig Deutsch und legte nach seinem Hauptschulabschluss auch noch das Abitur ab.
Flüchtling will erfolgreicher Ingenieur werden
Er ging diesen Weg, da er von dem Gedanken erfüllt war, ein erfolgreicher Ingenieur werden zu können. Ahmady begann sein Studium, doch ein wissenschaftlicher Mitarbeiter hatte ihn „auf dem Kieker“, wie er sagt. Schließlich kapitulierte er und brach das Studium ab. „Ich war jung, musste von irgendwas leben und habe dann im Jonathan auf der Südstraße gekellnert“, so Ahmady. Das sei schon eine schöne Zeit gewesen.
Als er 27 Jahre alt war, zogen auch seine Eltern nach Deutschland und er bekam den Ehrgeiz, etwas mehr aus sich zu machen. Er hatte schon viele Bewerbungen ohne Erfolg geschrieben, als er sah, dass Leute für eine Umschulung zum SAP-Basis-Administrator gesucht wurden. So ging er zum Arbeitsamt, um sich zu informieren. Dort erfuhr er, dass er zunächst einen Test als Zugangsvoraussetzung für die anspruchsvolle Ausbildung ablegen musste.
„Das werde ich nie vergessen“, sagt Ahmady. An einem Mittwoch hatte er bei Siemens-Nixdorf angerufen und wurde gleich für den kommenden Montag zum Test in Münster eingeladen. Er fuhr hin, bestand und gab umgehend das Testergebnis bei dem verblüfften Arbeitsamts-Mitarbeiter ab. Im Laufe der Ausbildung hatte er auch ein zweimonatiges Praktikum bei Siemens in Nürnberg. Die dortigen Vorgesetzten gaben ihm gleich den Rat, umgehend seine Bewerbung dort einzureichen.
Er wurde genommen und zog nach Süddeutschland. Ein Schlaganfall seines Vaters sorgte schließlich für Ahmadys Rückkehr nach Hamm. Nach einer Stelle in Rhynern bewarb er sich bei den Stadtwerken in Hamm, wo er schließlich 2001 anfing. Dort ist er bis heute, doch der Bau seines Eigenheims in Hamm-Süden, den er 2005 realisierte, faszinierte ihn so sehr, dass er gerne weiter auch in dem Bereich aktiv sein wollte. „Da sind wieder die Zufälle im Leben, die bei mir immer eine große Rolle spielten“, so Ahmady.
Er war bereits seit Jahrzehnten mit einem Architekten befreundet und beschloss, ein Unternehmen zur Immobilienentwicklung zu gründen. Mit dem neuen Unternehmen Domicile Construction GmbH wurde zunächst ein Fünf-Familienhaus in Neheim gebaut, dann folgten Objekte in Arnsberg, in Holzwickede und 2015 ein Mehrfamilienhaus mit 15 Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau in Hamm-Süden. Aktuell vermarktet das Unternehmen das Objekt Querstraße 26 in Dortmund, wo ein Haus mit sechs Wohneinheiten kernsaniert und um zwei weitere Wohnungen aufgestockt wurde. Ahmady hat darüber hinaus noch einige weitere Projekte, zu denen er aktuell die Planungen anstellt.
„Viele Leute haben mir gesagt, ich hätte doch einen tollen Job und verdiente viel Geld“, so Ahmady. Sie hätten nur die viele Arbeit gesehen, jedoch nicht die Freude, die ihm das kreative Entwickeln anspruchsvollen, modernen Wohnraums gebe. „Inzwischen habe ich den Stiefsohn meines Architekten als festangestellten Bauleiter, der sich um das Alltagsgeschäft kümmert“, so Ahmady. Da es oft ein Problem war, gute Handwerker zu finden, hat er zusätzlich noch mit einem befreundeten Dachdeckermeister einen Betrieb in Hamm gegründet.
„Das läuft schon sehr gut, nur suchen wir noch eine passende Halle mit Büroräumen“, so Ahmady. Ein weiteres Projekt, an dem er arbeitet, ist der Bau eines neuen Mehrfamilienhauses am Caldenhofer Weg/Ecke Bradfortstraße; und einen seiner früheren Arbeitsplätze hat er auch schon gekauft: Die Immobilie, in der sich früher das Jonathan direkt am Beginn der Südstraße befand. „Da läuft noch der Pachtvertrag“, so Ahmady. Doch wenn der Betreiber der jetzt darin vorhandenen Shisha-Bar nicht verlängern wolle, habe er auch schon einige Pläne dafür in der Schublade.