Extrem dick: Forscher in Hamm hinterfragen Gründe für Übergewicht bei Kindern
Hamm - Extremes Übergewicht, auch Adipositas genannt, ist eine ernsthafte Erkrankung. Forscher der LWL-Universitätsklinik Hamm und Motivationsforscher der Ruhr-Uni Bochum wollen die Gründe für die Entstehung von Übergewicht besser verstehen. Daher starten sie jetzt eine gemeinsame Untersuchung. Dafür werden Teilnehmer zwischen sechs und zehn Jahren gesucht.
Welchen Einfluss hat das Temperament auf extreme Übergewichtigkeit? Welchen haben Charaktereigenschaften, Impulskontrolle und die Empfänglichkeit für Belohnungen auf das Essverhalten von Kindern? Welche Auswirkungen hat dies wiederum auf das Körpergewicht? Von den Antworten erhoffen sich die Forscher in Hamm und Bochum, die Gründe für die Entstehung von Übergewicht besser zu verstehen.
Jetzt müssen die her, denen die Forscher die Fragen stellen können. Für die Untersuchung werden Kinder gesucht, die entweder übergewichtig oder normalgewichtig sind oder bei denen ADHS festgestellt wurde. Die Studie wird in der LWL-Universitätsklinik Hamm, Heithofer Allee, durchgeführt. Eine Teilnahme dauert rund 40 Minuten. Mitmachen können Schulkinder zwischen sechs und zehn Jahren.
Bei allen Teilnehmern werden das Gewicht und die Größe erfasst, Fragen zum Schlaf- und Essverhalten gestellt sowie Tests zur Reaktionsfähigkeit am PC durchgeführt, heißt es in einer Mittelung des LWL. Auch die Eltern werden zur Gesundheit des Kindes befragt. Auf Wunsch gibt es nach der Auswertung eine diagnostische Einschätzung zum aktuellen Gesundheitszustand der Kinder. Alle Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro.
Fragen zur Studie und Anmeldungen in der LWL-Universitätsklinik Hamm bei Natalie Deux, Telefon 02381/893-8065, natalie.deux@rub.de, oder Miriam Davids, 02381/893-5155, marastudie@gmail.com.
Adipositas und die Folgen
In Deutschland ist laut einer Mitteilung des LWL ein Viertel der Erwachsenen von Adipositas betroffen. Besonders besorgniserregend sei jedoch die wachsende Anzahl an Kindern und Jugendlichen, die unter starkem Übergewicht leide. Fast 15 Prozent der Zwei- bis 17-Jährigen gelten demnach heute als übergewichtig und haben einen stark erhöhten Body Mass Index (BMI).
Die Folgen von Übergewicht stellen eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität dar, warnen die Forscher der LWL-Uniklinik: Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gelenkproblemen können weitere stoffwechselbedingte Veränderungen wie Diabetes Typ 2 auftreten. Hinzu kommen emotionale Belastungen und Stigmatisierungserfahrungen.
Adipositas entwickelt sich oft über einen längeren Zeitraum und es gibt viele Faktoren, die an der Entwicklung des Übergewichts beteiligt sind. Insbesondere die Schwierigkeit, Adipositas erfolgreich zu behandeln, macht ein frühzeitiges Eingreifen und die Verbesserung von vorbeugenden Maßnahmen notwendig. Um dies zu erreichen und die bisherigen Behandlungsangebote zu verbessern, ist es wichtig, Einflussfaktoren zu erkennen, die beispielsweise eine Gewichtsabnahme verhindern oder zu einer stetigen Gewichtszunahme beitragen.
Aktuelle Studien zeigen, dass vor allem eine hohe Sensibilität gegenüber Belohnungsreizen und die Tendenz zu impulsivem Handeln das Essverhalten ungünstig beeinflussen und einen Ansatzpunkt in der Behandlung darstellen könnten. Menschen, die impulsiver sind, gelingt es demnach schwerer, leckerem Essen zu widerstehen oder das Essen zu beenden, wenn das Sättigungsgefühl erreicht ist.
"Oft ist es den Betroffenen gar nicht bewusst, dass sie stärker auf Nahrungsreize reagieren und mehr essen, als sie eigentlich brauchen, weil diese Prozesse automatisch ablaufen und daher schwer zu verändern sind", sagt Professor Dr. Tanja Legenbauer, Leiterin der Forschungsabteilung an der LWL-Universitätsklinik Hamm. "Erste Studien zeigen, dass Trainings zur Hemmung automatischer Handlungsimpulse auf Nahrungsreize auch zu einem veränderten Essverhalten führen." Die meisten Studien wurden an Erwachsenen durchgeführt. Inwiefern Impulsivität sich auch bei Kindern auf das Essverhalten auswirkt und welche zusätzliche Faktoren auf diese Zusammenhänge wirken und das Gewicht ungünstig beeinflussen, ist bislang unklar.