Einkaufsmeile jetzt Geschichte
Letzter Verkaufstag für Kaufhof in Hamm: Konsum-Dinos ausgestorben
Nach 48 Jahren ist Schluss für den Kaufhof in Hamm. An diesem Samstag, 17. Oktober, stirbt der letzte Einkaufs-Dinosaurier der Stadt.
Hamm - Mit Plakataktionen im Schaufenster wurden die verbleibenden Verkaufstage heruntergezählt, ein Großteil der Regale ist schon längst auseinandergeschraubt. Für viele Hammer Bürger hinterlässt die Schließung ein Vakuum, sowohl nostalgisch als auch durch den Verlust weiterer Warensortimente in der Stadt.
Über Jahrzehnte war der Kaufhof eine feste Größe des gesellschaftlichen Lebens in der Innenstadt. Nicht nur durch sein Warenangebot, sondern auch durch publikumswirksame Aktionen und Veranstaltungen, an denen sich das Unternehmen beteiligte. Zuletzt wirkte das Kaufhaus in einer grundlegend veränderten Umgebung wie ein Dinosaurier, der sich gegen das Aussterben wehrt.
Am Ende gehörte Hamm nicht zu den Filialen im Insolvenzverfahren, die in letzter Minute doch noch saniert werden sollten. Ende Juli herrschte Gewissheit, dass Kaufhof schließen würde. Monatelang hatten die rund 40 Mitarbeiter zwischen Hoffen und Bangen um ihren Arbeitsplatz gelebt. Über ihren Verbleib ist nichts nach außen gedrungen. Der Standortleitung war von der Konzernzentrale striktes Schweigen verordnet worden, eine Öffentlichkeitsarbeit der Zentrale fand nicht statt. Sämtliche Rettungsversuche der Gewerkschaft und der Politik waren ins Leere gelaufen.
Der Kaufhof in Hamm schließt: „Preiswunder“ und Ausverkauf
Am 4. Oktober 1972 eröffnete der Kaufhof an der Bahnhofstraße im markanten Müller-Hamm-Gebäude mit einem angekündigten Preiswunder. Dieses „Preiswunder“ fand mit dem Ausverkauf in den vergangenen Wochen unter traurigen Umständen erneut statt.
Ursprünglich befand sich der Kaufhof in guter Gesellschaft: von 1970 bis 2002 (zehn Jahre nach Allee-Center-Eröffnung) war Horten Nachbar, später Yimpas (bis 2007). 2010 schloss C&A nach 48 Jahren am Bahnhof und zog ins Allee-Center, die Kaufhalle schloss im Januar 2004. Damit war die alte Einkaufsmeile mit Vollsortimenten bis auf den Kaufhof und Ter Veen zerschlagen. Ter Veen schloss Ende Juni 2019.
Der Kaufhof in Hamm schließt: Und was kommt danach?
Neue Nutzungen abseits des Handels haben längst Einzug gehalten in der Bahnhofstraße. Der Wandel wird sich fortsetzen. In jedem Fall will die Stadt einen langen Leerstand verhindern.
Beantragt sind beim Land NRW bereits Fördergelder für eine Machbarkeitsstudie. Diese soll sich mit Nachnutzungsmöglichkeiten des Warenhaus-Standortes auseinandersetzen, sowohl baulich wie funktional. Beurteilt wird auch die Frage, ob Gebäudeteile erhaltenswert sind oder ein Neubau die bessere Lösung ist. Die Studie ist zu 90 Prozent förderfähig. Die Ausschreibung erfolgt durch die Stadt, mit Ergebnissen sei Mitte 2021 zu rechnen sagte Stadtsprecher Tom Herberg. Die Eigentümergesellschaft sei eng in diesen Prozess eingebunden.
Der Kaufhof in Hamm schließt: Gestaltungsoffensive kommt
Während des Leerstands sei zunächst eine „Gestaltungsoffensive Schaufenster Kaufhof“ geplant. In den Wintermonaten soll eine beleuchtete Ausstellung zu verschiedenen Aspekten der Stadtentwicklung die Schaufensterfonten beleben.
Die Schließung des Kaufhofs bewertet Hamms designierter OB Marc Herter als einen schweren Schlag für die Mitarbeiter und die Innenstadt. Diese benötige insgesamt einen echten Neustart. Herter. „In den ersten 100 Tagen nach Amtsantritt werde ich eine Innenstadt-Konferenz einberufen, in der wir wirksame Maßnahmen für die Belebung diskutieren werden. Dabei werden Arbeit und Wohnen, Freizeit und Sport sowie Kunst und Kultur mehr Raum einnehmen. Das gilt im Besonderen für die Nachnutzung des Kaufhof-Standortes“.



