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Klimaneutral bis 2035: So will Hamm die Muskeln spielen lassen

Windkraft über den Wolken von Rhynern, und darunter die Stadt Hamm.
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Große Pläne: Bis 2035 soll der CO2-Ausstoß in Hamm auf Null sinken. (Archivfoto)

1,36 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) blasen die Hammer jährlich in die Atmosphäre. 2035 soll Schluss damit sein – so hat es der Rat jedenfalls vor gut drei Jahren beschlossen. Gutachter halten das für möglich. Dafür muss die Stadt allerdings mit gutem Beispiel vorangehen – und die Bürger müssen ihr Verhalten in einigen Bereichen ändern.

Hamm – Klimaneutralität hat die Stadt sich auf die Fahnen geschrieben. Wie sie erreicht werden soll, steht im Gutachten „Klimaschutz in Hamm –Bilanz und Handlungsempfehlungen“, das jetzt vorliegt und am 21. Juni im Rat besprochen wird. In Auftrag gegeben hat es die Klimaagentur, erstellt haben es die Unternehmensberatung Baum Consult und das Öko-Zentrum NRW unter der Leitung von Baum-Geschäftsführer Johannes Auge.

Die Ausgangslage

In dem 83 Seiten umfassenden Werk geht es um den Ausstoß von Treibhausgasen. Der liegt gut 30 Prozent unter dem Wert von 1990 und ist damit jährlich um etwa ein Prozent gesunken. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 zu erreichen, müssten die Hammer Werte allerdings jährlich um 6,5 Prozent sinken, haben die Gutachter errechnet.

Strom

Hier steht Hamm schon gut da. 64 Prozent des hier gelieferten Stroms stammen aus erneuerbaren Energien. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 38 Prozent. Und es ist noch mehr drin, vor allem durch Photovoltaikanlagen auf Dächern und Freiflächen. Das Potenzial liegt den Gutachtern zufolge über dem aktuellen Stromverbrauch. Selbst ein steigender Strombedarf könnte so abgedeckt werden.

Pariser Abkommen

Im Übereinkommen von Paris vom 12. Dezember 2015 verpflichten sich die Staaten der Welt, die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Deutschland soll dabei bis 2045 klimaneutral sein, also keine Treibhausgase mehr ausstoßen.

Wärme

Öl- und vor allem Gasheizungen sorgen derzeit noch für warme Wohnungen. Sie sollen durch Wärmepumpen und Solarthermie ersetzt werden. Weil die Investitionskosten dafür hoch sind, rechnen die Gutachter allerdings mit einer nur allmählichen Umsetzung.

Gebäude

Bisher werden jährlich 0,8 bis 1,2 Prozent der Hammer Häuser saniert – eine mäßige Rate. Die Gutachter rechnen damit, dass sie durch die steigenden Energiepreise von allein auf 2 Prozent steigen wird; sollte die Stadt Förderprogramme auflegen, wären auch 4 Prozent drin. Die Stadt selbst sollte mit gutem Beispiel vorangehen und ihre eigenen Gebäude bis 2035 klimaneutral gestalten; zudem könnte eine entsprechende Sanierung der HGB-Wohnungen Vorbildcharakter im Mietwohnungsbereich erlangen. Handwerker- und Baustoffmangel könnten den Elan aber bremsen.

Verkehr

Derzeit fahren die Hammer überwiegend mit dem Auto, und das ganz überwiegend mit Benzin und Diesel. Trotzdem meinen die Gutachter, dass die Emissionen hier bis 2030 um 30 Prozent und bis 2035 sogar um 40 Prozent sinken können. Die Gutachter setzen zum einen auf Elektroautos. Vor allem aber auf Verhaltensänderungen: sparsame Fahrweise mit dem Auto, mehr Fahrten mit Fahrrad, Bus und Bahn. Firmen, Freizeit-, Sport- und Kultureinrichtungen sollen Mobilitätskonzepte aufstellen.

Unternehmen

Rund 60 Prozent der Treibhausgase in Hamm werden aktuell von Firmen ausgestoßen. Die Gutachter attestieren der Wirtschaft den Willen zur Veränderung, beispielsweise durch das langjährige Projekt Öko-Profit. Folgen sollen nun Klimapatenschaften mit Unternehmen und Wirtschaftsverbänden sowie Konzepte für nachhaltige Gewerbegebiete.

Die Ziele

Die Gutachter halten es für machbar, die Emission bis 2035 rechnerisch auf null zu bringen. Dazu gehören aber auch Finanzierungskonzepte, um privates Kapital einzubinden, fortlaufendes Controlling und Monitoring sowie ein Kommunikationskonzept, um die Bevölkerung mitzunehmen.

KOMMENTAR: Uns bleiben nur noch 13 Jahre...

„13 Jahre bleiben uns noch, um klimaneutral zu werden. Das klingt nach viel Zeit, ist aber wenig. Die Stadt hat sich ein anspruchsvolles Ziel gesetzt: Wir alle sollen jährlich 6,5 Prozent weniger Kohlendioxid produzieren. Das ist machbar – aber nur, wenn alle mitmachen.

Tausende Solaranlagen und Wärmepumpen müssen installiert, tausende Elektroautos angeschafft werden. Sind die Hammer bereit zu solchen Investitionen? Fördermittel können ein Anreiz sein. Doch können die Stadt, Land und Bund die entsprechenden Summen auch aufbringen?

Die Stadt muss selbst mit gutem Beispiel vorangehen, setzt Photovolatikanlagen auf Schuldächer und Wärmepumpen in die Keller von HGB-Mietshäusern setzen. Und sie muss Konflikte aushalten, beispielsweise, wenn Parkplätze zugunsten von Radwegen oder Busspuren gestrichen werden.

Doch letztlich wird es an uns Bürgern hängen: Sind wir bereit, unsere Lebensgewohnheiten dauerhaft zu ändern? Dafür wird die Stadt 14 Jahre lang werben müssen.“

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