Die Bahn lässt sich Zeit
In Westtünnen und Berge bleibt es laut: Lärmschutzwände kommen viel später als geplant
Die Westtünner und Berger Bürger, insbesondere die Nachbarn der Eisenbahnstrecke kommen nicht zur Ruhe. Jetzt gab die Bahn zu, dass die längst versprochenen Lärmschutzwände nicht vor dem Jahr 2027 gebaut werden.
Hamm – Eigentlich ist die Angelegenheit klar. In den betroffenen Wohnhäusern von Berge und Westtünnen nahe der Bahnstrecke ist es nachweislich zu laut. Das haben Berechnungen der Bahn so bestätigt. Der Bund hat das Geld für passiven und aktiven Lärmschutz im Rahmen eines Lärmsanierungsprogramms auch bereits zur Verfügung gestellt.
Dennoch stehen die Lärmschutzwände noch nicht. Und dies werden sie vorerst auch nicht. „Ein Baubeginn ist voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2027 möglich“, teilte nun ein Bahnsprecher auf Anfrage mit.
Baustart für Lärmschutzmaßnahmen sogar bereits kommuniziert
Für viele Anwohner ist dies eine niederschmetternde Nachricht. Sie fühlen sich mittlerweile sogar verschaukelt, zumindest aber alleingelassen. Viele Jahre kämpften sie für den Lärmschutz, vor allem, weil aus der einstigen Nebenstrecke eine Schnellstrecke mit deutlich mehr Zugverkehr wurde. Mit dem Lärmsanierungsprogramm des Bundes war die Maßnahme dann beschlossene Sache. Es wurde sogar ein Baustart bereits kommuniziert.
Doch der Termin im Mai 2021 konnte nicht gehalten werden, obwohl dort bereits eine Sperrpause für die Strecke eingeplant war. Eine Sperrpause ist eine Zeit, in der keine Züge über die Strecke rollen, damit die Arbeiten an dieser sicher durchgeführt werden können. Angeblich hatte es aber Fehler bei der Ausschreibung der Arbeiten gegeben, räumte die zuständige Mitarbeiterin, Sandra Katz, damals ein. Daher war der Zeitplan nicht mehr einzuhalten, der Sperrfrist verstrich.
Bahn: Keine Sperrpause vor 2027 möglich
Und genau hier liegt das Problem, wie ein Bahnsprecher auf Nachfrage noch einmal erklärt. Der Fahrplan sei ein sehr komplexes Gebilde. Jede Sperrpause werfe den Plan durcheinander. Daher müssen diese weit im Vorfeld angemeldet werden. Aller Voraussicht nach werde dies erst in 2027 wieder klappen, so der Sprecher – also sechs Jahre nach dem eigentlich geplanten Baustart. Unter anderem aber müssten Baumaßnahmen auf umliegenden Strecken mitberücksichtigt werden, da diese gegebenenfalls als sogenannte Umleiterstrecken genutzt werden. Dies sei in den kommenden Jahren auch bei der Strecke zwischen Hamm und Soest der Fall, erklärt der Sprecher.
Immerhin sollen aufgrund bestehender Sperrpausen – die nächste im August 2022 – für den Neubau des Haltepunkts Westtünnen bereits einige vorbereitende Arbeiten für die Lärmschutzwände gestartet werden können. Die Dauer dieser Pausen reiche aber nicht aus, um die Wände fertigzustellen, so der Sprecher. Darauf hoffen eigentlich die Anwohner.
Über 200 Züge pro Tag rollen über die Strecke
Einen kleinen Hoffnungsschimmer für die lärmgeplagten Anwohner hat der Bahnsprecher dann doch noch: „Um eventuell doch noch einen früheren Baubeginn der Lärmschutzwände ermöglichen zu können, prüft die DB derzeit, ob noch vor 2027 Sperrpausen eingerichtet werden können. Im Herbst dieses Jahres gibt es eine Entscheidung.“
Für die Anwohner dauert dies alles viel zu lange. Mittlerweile rollen 200 Züge am Tag am Haus von Jürgen Biermann vorbei. „Demnächst sollen es über 300 werden“, sagte der Anwohner der Von-Thünen-Straße mit Garten zur Bahnstrecke auf der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung am 10. März. „Die gesamte Situation ist mittlerweile mehr als nervig“, gibt er zu. Auf der BV-Sitzung bat Biermann die Verwaltung auch um Unterstützung zur schnelleren Umsetzung dieser Maßnahme. Einen Monat später hat er noch keine Antwort auf seine Frage erhalten.