Hamms beste Band 2003: Que pasa ganz knapp vorne
Bei Hamms Beste Band 2003 war die Publikumsstimme diesmal noch wichtiger als sonst, denn nach Auswertung der Jury hatte es einen Patt zwischen den ersten beiden Bands gegeben.
Aber auch die nachfolgenden platzierten Bands lagen so dicht zusammen wie noch nie in der jungen Festivalgeschichte. Zweite wurden „Said And Done“, Dritte „Enojado“. Aber der Reihe nach...
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Schließlich fing der Abend für die WA-Band als Veranstalter gleich mit zwei Nackenschlägen an: Erst musste die „Kapelle Petra“ ihre Rolle als „Special Guests“ absagen, weil sich der gute Ficken den Rücken ordentlich verklemmt hat. Und dann kam der Anruf vom Attacke-Bär: Brechdurchfall! Doch zum Glück fand sich Ersatz: Die Hammer Rock-Legende „King Fritte“ mit unserem Günna am Mikro kratzte schnell ihre Siebenmusiksachen zusammen und unterhielt die Halle während der Stimmauszählung. Und die Blasattacken zwischen den Auftritten übernahm die Gazelle, das lebende Maskottchen der Kapelle – mit einer Posaune (und zum Glück mindestens genauso schön schräg, wie wir es all die Jahre gewohnt waren!).
Dem Ergebnis der Auslosung vom Nachmittag entsprechend mussten ROCKAGE als erste ran. Toll, das die Halle schon zu diesem Zeitpunkt (es war gerade halb Acht) ganz ordentlich gefüllt war, denn eine undankbarere als die Opener-Rolle gibt’s eigentlich nicht. Also rockten die 22 (!) Schüler des Stein-Gymnasiums von der ersten Minute an munter drauf los. Und obwohl der Gesamtsound (das ist wohl das Schicksal der Umstände...) undifferenziert ankam und auch die Darbietung zeitweilig etwas uninspiriert und -koordiniert wirkte, machte der schuleigene Fanclub den Auftritt letztlich zu einem Erlebnis. Schülerband hin oder her: Von dem Können einzelner Rockage-Leute kann sich der ein oder andere Musiker durchaus noch eine Scheibe abschneiden!
Dann QUE PASA. Kaum auf der Bühne, hängten die vier/sechs Jungs die Latte für die weiteren Bands hoch bis zum Anschlag. Kaum jemand, der ihrem munteren Party-Ska-Punk-oder-was-auch-immer guten Gewissens widerstehen konnte. Die Stimmung im Innenraum konnte kaum besser sein, und auch der Sound kam jetzt klarer und druckvoller an. Es zeugt schon von einer gewissen Professionalität, mit der die Band den Riss eines Gitarrengurtes während des Sets überspielte.
ENOJADO auf dem dritten Auftrittsplatz bestätigten ihren Eindruck vom Jahr zuvor, als sie bei HBB mit einem unglaublichen Gig debütiert hatten. Starke Songs, ein Sound wie eine Dampfwalze – waren da wirklich nur drei Musiker am Werk? Natürlich konnten nicht alle HBB-Besucher etwas mit der Härte des Trios anfangen, aber jene, die in der Halle blieben, hatten einen Riesenspaß. Damit auch die Originalität nicht zu kurz kam, holte sich die Band während eines Songs einen Saz-spielenden Gastmusiker auf die Bühne. Respekt!
FIVE MINUTES LEFT hatten es danach unendlich schwer, die Stimmung weiterzutragen. Mit ihrem Ziel, hochklassiges Pop- und Rock-Songmaterial anspruchsvoll auf die Bühne zu bringen von Musikern, die sich in der Öffentlichkeit rar machen, hatte die Band einen wenig beneidenswerten Stand. Schöne Harmonien zum Hinhören - das reichte den Fans an diesem Abend nicht. Doch sie blieben fair und zeigten ihre Meinung allein durch einen lichter gewordenen Innenraum.
Das änderte sich jedoch wieder, als die AKUTE VERSEUCHUNG die Bretter betrat und mit ihrem mitreißenden deutschsprachigen „Ersatzpunk“ auch Musik für den Bauch bot. Die Fans dankten es dem Vierer mit einer tollen Party, viel Hüpfen und einem besonders beeindruckenden Finale, das sie mit dutzenden Wunderkerzen in der Hand erst lange nach dem letzten Takt ausklingen ließen.
Und dass, obwohl auf der anderen Seite bereits sehnsüchtig SAID AND DONE erwartet wurden. Die Zweitplatzierten des JZ-Nachwuchswettbewerbs 2003 hatten nicht nur einen riesigen, begeisterungsfähigen Fanclub mitgebracht, sondern zeigten von Beginn an eine Klasse, die man von solch jungen Bands selten erwartet. Und das musikalisch wie optisch. Animiert vom souveränen Sänger Kris McDougall blieb die Stimmung im Innenraum während des gesamten halbstündigen Gigs am oberen Level. Eine Band mit großer Zukunft!
An Platz sieben gab’s wieder ordentlich was auf die Ohren. Mit FRACTAL DAWN hatte sich in diesem Jahr die einzige waschechte Metal-Band qualifiziert. Souveräne Songs im Spannungsfeld von Melodie und Brutalität, die besonders im Gesang zum Ausdruck kam, waren angesagt. Logisch, dass sich die Härtegemeinde vor der Bühne zusammenfand und dankbar ihre Nackenmuskulatur quälte. Jene, deren Ohren hierbei klingelten, strebten derweil ins Foyer...
...um für FOOTLOOSE die Halle mit den Metalheads wieder zu tauschen. Familienclan hin oder her – die Band fand mit ihrem ordentlichen und musikalisch auf sehr hohem Niveau gespielten Poprock auch zu später Stunde noch jede Menge zufriedene Zuschauer. Musik mit Hirn für jene, deren Horizont ein bisschen weiter geht, aber eben nicht zwingend stadionkompatibel.
Mit diesen Eindrücken verdrückte sich die Jury (Birgit Copony, Bernhard Weiß, Frank Deimel und Stuart Grimshaw) schließlich in die heiligen Backstage-Räume, um ihre Sieger zu küren. Dies, wie gesagt, letztlich so knapp, dass es ohne die Publikumsstimme diesmal keinen echten Sieger gegeben hätte. Und doch bleibt unterm Strich auch im vierten Jahr die Erfahrung, dass die Jury- und die Publikumsmeinung nahezu identisch.



