Hammer Westen: Stadt will keinen Aktionismus
HAMM - Im Hammer Westen stehen immer mehr Gebäude leer - allein auf der Wilhelmstraße sind es rund ein Dutzend. Anwohner beobachten mit Sorge, dass dazu Häuser an Prostituierte vermietet werden. Die Stadt sieht das sehr wohl, will aber nicht mit der Brechstange vorgehen.
Bevor man in Aktionismus verfalle, müsse erst einmal geprüft werden, wie der Sachstand wirklich ist, erklärte Stadtbaurätin Rita Schulze Böing zu den Klagen einiger Anwohner des Hammer Westens. Martin Poppe, ein Anwohner des Viktoriaplatzes, hatte sich zuletzt massiv über den aus seiner Sicht zunehmenden Verfall des Viertels beklagt. Zahlreiche Leerstände und die Zunahme von Spielhallen und Prostitution zeigten den Abwärtstrend des Quartiers.
Schulze Böing nimmt die Hinweise auf, relativiert jedoch gleich die Einflussmöglichkeiten der Stadt. Gründe für Leerstände können vielfältig sein. „Wenn eine Erbengemeinschaft sich nicht einig ist, was mit einem Gebäude passieren soll, so kann die Stadt nicht viel tun“, erklärt die Fachfrau. Zunächst sei immer der Eigentümer in der Pflicht, sich um das Objekt zu kümmern. Im Bezug auf die Spielhallenproblematik verweist sie auf die Vergnügungsstättenverordnung, die 2010 verabschiedet wurde, und die eine Zunahme von Spielhallen und Wettbüros verhindere. In Bezug auf Prostitution sei nur eine Immobilie bekannt, und das sei noch vertretbar. Die Stadt werde jedoch das Handlungskonzept Wohnen aktualisieren. Der Bereich Wilhelmstraße, Radbodstraße und Thyssengelände soll dabei den Schwerpunkt bilden.
Zudem möchte die Stadt die Eigentümer von Immobilien anschreiben, um über Förderkonzepte zu informieren. „Optimal wäre eine Initiative von engagierten Bürgern, ähnlich wie im Lutherviertel“, erklärt Schulze Böing. Vielleicht sei so etwas auch mit Hilfe von Herrn Poppe einzurichten, hofft die Stadtbaurätin. - pk/WA