Lager umgebaut

Großer Bedarf: ASB erweitert Tagesstätte für psychisch Kranke im Hammer Osten

Künstlerisch zur Tagesstruktur: Ralf Lenz, ASB-Vorsitzender Mittleres Westfalen, (links) und die ASB-Tagesstättenleiter Sandy Fronczek und Dominik König zeigen, was die Besucher der Einrichtung bei den Kreativangeboten erschaffen.
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Künstlerisch zur Tagesstruktur: Ralf Lenz, ASB-Vorsitzender Mittleres Westfalen, (links) und die ASB-Tagesstättenleiter Sandy Fronczek und Dominik König zeigen, was die Besucher der Einrichtung bei den Kreativangeboten erschaffen.

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat seine Tagesstätte im Hammer Osten erweitert. Jetzt stehen den Besuchern 35 Plätze - zehn mehr - zur Verfügung.

Hamm-Osten - Unübersehbar war der Penny-Umbau vor zwei Jahren am Alten Uentroper Weg. Zur gleichen Zeit machte sich ein anderer Nahversorger nur zwei Etagen darüber und doch für die meisten unbemerkt auf, um im Bestand zu expandieren – Nahversorgung im übertragenen Sinne. Der Arbeiter-Samariter-Bund baute seine Tagesstätte aus – für Menschen aus der Nähe. Seit 1998 betreibt der ASB die Einrichtung für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung. Dort gehen die Verantwortlichen von einem steigenden Bedarf aus, auf den sie nun reagieren können.

Wo einst nur ein Lager war, sind neue Möglichkeiten entstanden. Zwei Räume mehr, Wände sind unter dem Dach versetzt, der Raucherraum ist abgeschafft und zum Sportraum umfunktioniert, Therapieräume sind weiter ausgestaltet. Auf rund 300 Quadratmeter können die ASB-Mitarbeiter nun die Besucher der Tagesstätte betreuen. Ihre Kernaufgabe ist es, ihnen eine Tagesstruktur zu geben. Diese fehlt ihnen.

Kostenträger LWL

Nachdem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Kostenträger grünes Licht für die Erweiterung gegeben hat, können bis zu 35 Menschen die Tagesstätte in Hamm-Osten besuchen. Die Zahl der Plätze ist um zehn gestiegen. Als „Anlaufstelle“, wo psychisch Erkrankte Unterstützung finden, „ohne anzuecken“, bezeichnet Dominik König die Einrichtung. Sie fänden hier einen „wertschätzenden Rahmen und respektvollen Umgang.“ Die Voraussetzungen sind wichtig für Menschen, die an Belastungsgrenzen gelangen. Seit rund einem Jahr leitet König zusammen mit Sandy Fronczek die Einrichtung.

Die Besucher, überwiegend mit Depressionen und Persönlichkeitsstörungen, erfahren einen strukturierten Tag, den sie mit Yoga, einer Traumreise, einem Spaziergang oder Achtsamkeitsübungen beginnen. Das Frühstück gehört wie die Selbstversorgung beim Kochen zum Gemeinschaftserlebnis. Ergotherapie, Filmprojekte, Ausflüge, Aufgaben des Alters und mehr zählen zu den Gruppenangeboten, die je nach individueller Belastbarkeit über die Kernzeit (8 bis 14 Uhr) bis 16 Uhr ausgeweitet werden können.

Eingliederungshilfe

Die Tagesstätte ist eine Einrichtung der Eingliederungshilfe. Ziel sei es, die Besucher trotz Beeinträchtigung sozial zu integrieren, sagt Fronczek, „dass sie nicht dauerhaft bleiben“. Das kann bei Erfolg zu einer Weitervermittlung führen, zum Beispiel zum Jobcenter oder zur Lebenshilfe. „Wir sehen uns ein bisschen als Durchgangsstation“, sagt König. Die Besucher stammen aus „allen Schichten der Gesellschaft“, verteilt über alle Alters- und Bildungsschichten. Sie sind zwischen 20 und etwa 70 Jahre alt. „2023 lag das Durchschnittsalter bei 48,1“, sagt er.

Derzeit erfahren in der ASB-Stätte 26 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen eine Tagesstruktur. Nach der Genehmigung sollen die neuen Plätze möglichst bald belegt werden. „Wir planen dazu, die Kooperation zu erweitern“, sagt Fronczek. So solle die Zusammenarbeit mit dem Marienhospital intensiviert werden. Der Bedarf an den Plätzen sei vorhanden, ist sie überzeugt. „Wir beobachten nur, dass die Verweildauer bei den jüngeren Klienten abnimmt.“

Bedarf vorhanden

Angesetzt ist ein einjähriger Besuch der Tagesstätte. „Jüngere schaffen es immer weniger, eine Woche in der Tagesstätte zu bleiben“, sagt Fronczek über Besucher zwischen etwa Mitte 20 bis etwa Anfang 30, die dann oft in die Klinik wechseln. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Bei den Älteren kann es durchaus anders sein. „Es gibt welche, die schon seit zehn Jahren kommen.“

Eine Bewertung des Angebots ist schwierig. Zahlen etwa zu einer Rückkehrerquote gibt es nicht. Der ASB setzt andere Maßstäbe an. „Ein erster Erfolg ist es schon, wenn die Menschen hier ankommen und nicht in der Depression verbleiben“, sagt Ralf Lenz, Vorstandsvorsitzender des ASB Regionalverband Mittleres Westfalen. Oder wie König sagt: „Für uns ist es ein Erfolg, wenn jemand nicht wiederkommt, weil er seinen Weg gefunden hat.“

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