HGB hat ein verzwicktes Problem
Feinkost oder Fahrräder? Stress im Kloster-Drubbel
Hamm – Es klingt alles so einfach, doch aus einer Kündigung und einer Nachvermietung ist nun ein gehöriger Interessenkonflikt entstanden.
Feinkost Kosinowski im Kloster-Drubbel hat fristgerecht zu Ende Juni 2019 gekündigt und hört auf. Fahrrad Niehues würde seit längerem gerne sein Ladenlokal erweitern und die Feinkostfläche hinzunehmen. Doch da will Kosinowski nicht mitmachen; er hat angeblich einen Nachmieter im gleichen Segment gefunden. Harte Kost nun für die HGB als Vermieter: Feinkost oder Fahrräder? So schwarz-weiß ist das Thema aber bei weitem nicht. Hätte eine Medaille mehr als zwei Seiten, ließen sie sich problemlos füllen.
Der Versuch einer Rekonstruktion des bisher Geschehenen:
Im vergangenen Dezember erfragt Feinkosthändler Udo Kosinowski die Kündigungsbedingungen bei der HGB. Er will aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Ergebnis: Kosinowski kündigt im Dezember und kann zu Ende Juni 2019 raus. In einer mündlichen Absprache soll Kosinowski nach dessen Angabe von Seiten eines HGB-Mitarbeiters die Möglichkeit eröffnet worden sein, einen Nachmieter zu stellen.
Niehues will hohen Betrag investieren
Fahrrad Niehues hat der HGB nach eigenen Angaben schon vor Kosinowskis Kündigung Absichten für eine Erweiterung mitgeteilt. Falls nicht an der Oststraße, dann auch an einem anderen Ort. Als Niehues von Kosinowskis Kündigung erfährt, stellt letzterer dem Radhandel auf Nachfrage die Pläne des Ladenlokals zur Verfügung und führt durch die Räume. Noch ist das Klima freundlich.
Niehues will nach eigenen Angaben einen sechsstelligen Betrag investieren, um beide Ladenlokale zu einer Fläche zusammenzuführen und umfangreich zu modernisieren. Es kämen rund 90 Quadratmeter hinzu. Der Zweiradhandel strebt einen langfristigen Mietvertrag (Minimum 10 Jahre an).
Die HGB kennt diese Pläne und weiß auch, dass sie Niehues als Pächter von aktuell rund 700 Quadratmetern Fläche womöglich verliert, kann der Radhandel sich nicht vergrößern. Für den Klosterdrubbel wäre dieser Leerstand fatal. Vorher hatte die heutige Niehues-Fläche schon einmal für Jahre leer gestanden.
Nachmietersuche kommt zögerlich in Gang
Zu Beginn tut sich wenig auf Kosinowskis Nachmietersuche, dann finden sich nach seinen Angaben zwei „ernsthaft interessierte“ Kandidaten. Ein Betrieb aus Dortmund wolle im gleichen Segment weitermachen und könne schon Anfang Juni nahtlos den Feinkostladen übernehmen. Er wünsche sich für Hamm und seine Kunden eine Fortführung dieses Angebots, sagt Kosinowski. Vergleichbares an einem Ort gebe es ja in der Stadt nicht. Praktisch auch: Der potenzielle Pächter wolle gegen eine Abstandszahlung (fünfstellig) das Inventar übernehmen. Und nicht zuletzt bedeute die Übernahme auch mehr Klarheit für den Wareneinkauf.
Die HGB hält sich bedeckt. Eine Entscheidung, wie es an dieser Stelle im Sommer weitergeht, sei noch nicht gefallen, sagt Geschäftsführer Thomas Jörrißen. Unterschriften seien noch nicht geleistet.
Ominöser Brief: "Das darf nicht wahr sein!"
Inzwischen macht das Thema im Quartier die Runde. Nicht zuletzt weil ein ominöser Brief von einer Absenderin im Seniorenzentrum An St. Agnes im Umfeld verteilt worden ist. Der Brief ist an OB Thomas Hunsteger-Petermann adressiert und macht sich für den Erhalt von Kosinowskis Ladenlokal stark. „Wir sind nicht nur überrascht, sondern auch entsetzt. Das darf doch nicht wahr sein! (Fahrräder gegen Feinkost)“, heißt es darin. Unterzeichnet mit „alle Kunden des Hauses Kosinowski“. Die Heimleitung macht gegenüber dem WA deutlich, dass der Brief keineswegs in deren Auftrag oder mit deren Zustimmung verfasst worden sei.
Niehues reagiert mit Befremden auf den Brief. Das Klima ist jetzt unterkühlt.
