Bahnhofstraße, Weststraße, Westentor, Rödinghauser Straße und und und...

Hammer Innenstadt im Umbruch: Was geht da noch?!

So stellen sich die Planer die „Büromeile“ vor: Die blau eingezeichneten Gebäude sind neu – im mittlereren Bereich die Komplexe von Ter Veen und dem ehemaligem „Kipp’n in“.
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So stellen sich die Planer die „Büromeile“ vor: Die blau eingezeichneten Gebäude sind neu – im mittlereren Bereich die Komplexe von Ter Veen und dem ehemaligem „Kipp’n in“.

Hamm - Die Neue Bahnhofstraße ein Flop, sterbender Einzelhandel in der Bahnhofstraße, eine vor sich hin dümpelnde Weststraße, ein schickes „B-tween“ ohne Anbindung, die Rödinghauser Straße eine bessere Pinkelgasse und das Westentor ein schmuddeliges Drehkreuz...

Mancher mag nicht daran glauben, aber dieses düster gezeichnete Szenario birgt für Hammer Stadtplaner reichlich Potenzial. Baustellen gibt es jede Menge, dennoch herrscht Zuversicht, das Stadtbild nachhaltig positiv zu verändern. Der Rahmenplan Perspektive Innenstadt 2030 skizziert die (Wunsch-)Vorstellung, wie Innenstadt in gut zehn Jahren aussehen könnte.

Allerdings müssen dafür viele Steine aus dem Weg geräumt werden. Warum dies nicht so leicht ist, wie „der Bürger“ vielleicht denken mag, und welche positiven Ansätze es gibt, zeigen einige Beispiele. Alle Maßnahmen stehen in enger Wechselwirkung zueinander.

Beispiel Bahnhofstraße:

Mit der Aufgabe von Ter Veen am 30. Juni 2019 setzt sich der radikale Rückgang des Einzelhandels fort. Herlitz ist ein Wackelkandidat, der Verkauf der Immobilie nicht ausgeschlossen. Sollte sich der Kaufhof mit Auslaufen des Mietvertrages ebenfalls zurückziehen, wird die Straße keine Einzelhandelsfunktion mehr haben.

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Die Verwaltung setzt hier künftig auf Belebung durch neuen Wohnraum. Das gilt für den Standort des ehemaligen „Kipp’n in“, und das wird auch für den Ter-Veen-Standort gelten. Dieser soll privat entwickelt und Teil eines ganzheitlichen Entwurfs werden. Er umfasst die zerklüftete Hinterhoflandschaft zur Neuen Bahnhofstraße hin. Das Ziel: in Absprache mit den Eigentümern eine einheitliche Bebauung erreichen. Die Gespräche seien bisher aussichtsreich verlaufen, sagt Stadtplaner Heinz-Martin Muhle. Ein Pfund für die Stadt: Sie selbst besitzt ein Grundstück hinter Ter Veen.

Laut Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann könnten hier künftig mehrere Hundert Menschen wohnen. „Früher wurden ganze Straßenzüge leer gelegt. Wohnraum an dieser Stelle würde für Belebung der Innenstadt sorgen.“

Ein Hotel am Ter-Veen-Standort scheint vom Tisch, die Stadt hat nach eigener Aussage aber mehrere interessierte Betreiber, die Innenstadtstandorte oder die Kanalkante belegen könnten. Eine Öffnung der Bahnhofstraße für den Autoverkehr sei ausgeschlossen, hinter Bussen stehe ebenfalls ein dickes Fragezeichen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte das noch anders geklungen, doch die Option scheint vom Tisch.

Beispiel Westentor:

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Der Verkehrs- und Pendlerknotenpunkt wird ab 2021 umgebaut. Laut Muhle geht es um dreierlei: um Funktionaltität, Aufenthaltsqualität und um einen vernünftigen Zugang zur Weststraße, Ritterstraße („B-tween“) und zum Luther-Viertel. Die Planung erfolgt noch in dieser Legislaturperiode (Kommunalwahl 2020), die Umsetzung danach.

Beispiel Weststraße:

Eine uneinige Eigentümer- und Händlerschaft vor allem im westlichen Teil wünscht sich mehr städtisches Engagement, mehr Frequenz und eine bessere Anbindung zum Allee-Center.

Die Stadt wünscht sich umgekehrt vor allem von den Eigentümern mehr Aktivität. „Sie müssen endlich begreifen, dass sie mitmachen müssen“, sagt der Oberbürgermeister. „Es gibt pfiffigeres, als nach neuen Straßenlampen zu rufen.“ Ende Januar lädt das Stadtmarketing erneut ein, um Händler und Eigentümer an einen Tisch zu bringen (siehe Infokasten).

Beispiel Rödinghauser Straße:

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Die Jahrhunderte alte Verbindungsachse soll aufgewertet und für Passanten zwischen Allee-Center, „B-tween“ und Weststraße attraktiver werden. Das wünschen sich Politik und Verwaltung. Im Rahmenplan ist eine offene Platzsituation skizziert, mit der sich die Stadtplaner durchaus anfreunden können.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Hinter der ehemaligen McDonald’s-Immobilie auf der einen Seite steht eine vielköpfige Erbengemeinschaft. Im Obergeschoss befindet sich eine florierende Arztpraxis, und erst vor kurzem erfolgten größere Renovierungsmaßnahmen am Gebäude. Die Mitverantwortung der Eigentümer für Innenstadtgestaltung dürfte hier als Argument für eine Veräußerung nicht reichen.

Auch auf der östlichen Seite gibt es Erbengemeinschaften, allerdings überschaubarer. Parkplätze bestimmen das Bild zur Ritterstraße hin. Die sollen nach Möglichkeit verschwinden, um den Bereich zu gestalten. Hier könnte die Stadt einen Trumpf ausspielen: Die Zuwegung erfolgt zum Teil durch die Rödinghauser Straße. Wäre diese im nördlichen Bereich wieder ausschließlich für Fußgänger und nicht für Autos geöffnet, ergäbe ein Parkplatz keinen Sinn mehr. Die Stadt befindet sich in Gesprächen mit den Anliegern der Rödinghauser Straße.

Als optische Anbindung der gesamten Rödinghauser Straße an das „B-tween“ und weiter zum Allee-Center stellen sich die Planer unter anderem einen durchgängigen, einheitlichen Bodenbelag vor. Fokus Development als Projektentwickler habe Zustimmung signalisiert, den Belag auch im „B-tween“ zu verwenden.

Voraussichtlich im Mai will die Verwaltung zudem Vorlagen zum Masterplan Licht und zur „Qualifizierungsoffensive Fußgängerzone“ vorlegen.

Individuelle Fördermöglichkeiten für Eigentümer und Händler bieten beispielsweise das Fassaden- und Hofprogramm oder der Verfügungsfonds für gemeinschaftliche Projekte oder Anschaffungen. Beratung erfolgt im Büro Innenstadt (Oststraße 9).

Schicksal von Ter Veen:

Nach 111 Jahren wird Ter Veen, das „Kaufhaus für jedermann“ an der Bahnhofstraße 13, Ende Juni 2019 schließen. Weil die wirtschaftlichen Aussichten für das Unternehmen nicht gut genug sind, die dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen und Investitionen zu rechtfertigen. So hatte der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Teppler den Schritt im September begründet.

Teppler leitet das Haus seit 28 Jahren, hat die Entwicklung der Innenstadt genau verfolgt und eine entschiedene Meinung dazu.

Blick auf Ter Veen.

Zum Standort sagt er: „Es gibt bessere Lösungen als Einzelhandel.“ Ihm sei es nicht egal, was nach der Ära Ter Veen an dieser Stelle geschehe. Er stellt sich in enger Abstimmung mit der Stadt eine L-förmige Bebauung mit Wohnraum vor. Es gelte, diese Ecke zu stabilisieren und Leben in die Stadt zu bringen. Sollte das gelingen, könnte das neue Gebäude zukunftsweisend für die Innenstadt sein.

Der Weg, den Verwaltung und Politik gegangen seien, sei gut. Unbefriedigend sei demgegenüber die Ausrichtung der Wirtschaftsförderung. „Es ging viel zu sehr um Prestige-Objekte wie Finke“, so Teppler. Man habe viel zu viel auf konsumabhängige und zu wenig auf produktionsabhängige Arbeitsplätze gesetzt. Die Kaufkraft sei stetig gesunken, das „Downgrading“ der Stadt vorangeschritten. Besonders in der Bahnhofstraße und auch schon weiter in Richtung Westentor sei dies ablesbar.

Bildung sei der Schlüssel, um das Niveau anzuheben. „Aber dann muss auch die Privatwirtschaft nachziehen und entsprechende Arbeitsplätze schaffen. Der Standort muss für Interessenten akzeptabel bleiben.“

Treffen zur Weststraße:

Blick in die Weststraße.

Das Stadtmarketing lädt Einzelhändler und Eigentümer an der Weststraße für Dienstag, 29. Januar, um 19.15 Uhr erneut ins Büro Innenstadt ein. Bei diesem Termin sollen der begonnene Dialog fortgesetzt, relevante Themen und Instrumente für eine bessere Kommunikation und Interessenvertretung erörtert werden. Beim ersten Treffen Ende November waren rund 30 Teilnehmer erschienen. Festgestellt von Einzelpersonen wurde die Notwendigkeit eines Vereins oder einer Stadtortgemeinschaft, um Interessen besser vertreten und durchsetzen zu können.

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