„Weihnachtsmarkt 2. Klasse“?
Frust statt Glanz in Hamm: Herzhütten auf Abstellgleis
Manche von ihnen fühlen sich abgekoppelt, von „Weihnachtsmarkt 2. Klasse“ ist die Rede: Das Konzept der Stadt Hamm, die „Herzhütten“ in der Weststraße zu platzieren, stößt nicht bei allen auf Gegenliebe.
Hamm – Die Kritik: Die Angebote und Präsentationen der Ehrenamtlichen werden abseits des Weihnachtsdorfes an der Pauluskirche so gut wie nicht wahrgenommen, und entsprechend bleiben auch die Einnahmen aus. 24 Vereine und Organisationen im Wechsel belegen die vier Herzhütten zwischen dem 22. November und 23. Dezember. Die Hütten sind jeweils von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Durch das Modell der Herzhütten, das 2016 von der Stadt initiiert wurde, sollen Ehrenamtler ohne Standmiete die Möglichkeit erhalten, sich und ihre Angebote zu präsentieren.
Ursprünglich hatten die Hütten ihren Platz im Weihnachtsdorf an der Kirche. 2020, nach Absage des Weihnachtsmarktes, wurden die Hütten kurzfristig in der Weststraße platziert. Vereine und Organisationen erklärten sich bereit, auf diese Weise zumindest etwas Weihnachtsatmosphäre in die Stadt zu tragen.
Doch jetzt, 2021, mit einem Weihnachtsmarkt um die Kirche herum samt Eisbahn ist die Situation eine andere. Was die Abkopplung der Herzhütten vom Hauptgeschehen bedeutet, bekommen die Ehrenamtler gerade offenbar massiv zu spüren. Viele Weihnachtsmarktbesucher finden den Weg hierher scheinbar nicht.
Thema in der Politik angekommen
Das Thema ist in der Politik angekommen: „Mehrere Organisationen habe sich an uns gewandt“, sagt Michael Pricking, Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Hamm. „Es kann nicht sein, dass es einen Weihnachtsmarkt 1. und 2. Klasse gibt. Für die Beschicker der Herzhütten geht es um Aufmerksamkeit, Anerkennung und darum, gesehen zu werden. Das findet hier offenbar nicht in dem Maße statt. Damit läuft die ursprüngliche Idee, auch dem sozialen Bereich eine Plattform zu geben, ins Leere.“ Das Argument, den Markt wegen Corona durch die Auslagerung entzerren zu wollen, tauge mit Blick auf die übrige Anordnung und das Bild an einigen Ständen wenig.
Stephan Mohr, der mit seinem Knappen- und Heimatverein „Glück Auf“ Maximilian Werries ab Montag vor Ort ist, hat sich ein Bild unter bisherigen Nutzern gemacht. Dies fällt laut Mohr teils ernüchternd aus: „Die Nutzer wünschen sich den ursprünglichen Standort rund um die Kirche zurück. Die Umsätze sind so schlecht, das einige überlegen abzubrechen.“