Google-Earth-Simulation

Fliegen Sie entlang der Seilbahn über die Hammer Innenstadt

Unser Screenshot zeigt die Zielmarken der Seilbahn: unten im Nordring am Allee-Center und oben in den Lippeauen. Das Video dazu finden Sie etwas weiter unten im Artikel.
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Unser Screenshot zeigt die Zielmarken der Seilbahn: unten im Nordring am Allee-Center und oben in den Lippeauen. Das Video dazu finden Sie etwas weiter unten im Artikel.

Hamm/Bonn - Die Seilbahn in der Hammer Innenstadt ist Zukunftsmusik - ob sie jemals zur Aufführung kommt, steht heute noch in den Sternen. Doch der Wille seitens der Stadt-Planer ist da - und deshalb haben wir uns den angedachten Fahrtweg mal angesehen und ihn in Google Earth für Sie nachgestellt.

Unsere Aufbereitung mittels der Google-Applikation (unter diesem Absatz) zeigt, welche Bereiche in ein paar Jahren auf direktem Weg mit der Seilbahn passiert werden sollen, um Menschen von der Innenstadt in die dann zum Naherholungsgebiet umgestalteten Lippeauen zu transportieren. Natürlich ist die Darstellung nicht authentisch - vor allem die Flughöhe wird deutlich niedriger sein als in der Simulation (nämlich dann "nur" 20 bis 30 Meter) - doch die mit Google Earth mögliche Höhe einen eindrucksvollen Überblick über die Strecke, wie sie nach jetzigem Stand aussehen würde:

Im Zeitraffer führt das Video vom Haltepunkt im Nordringpark (gegenüber der Ost-Spindel des Allee-Centers) bis zum etwa 800 Meter entfernt gelegenen Hochwasserschutzdeich (dann mit neuer Lage, siehe Grafik) gegenüber des Flugplatzes - und wieder zurück. Überwunden werden der Sportplatz des Gymnasiums Hammonense, die Adenauerallee, der Datteln-Hamm-Kanal und die Lippe. Die für kleines Geld mögliche Fahrt soll drei Minuten dauern. Die Seilbahn soll auch von Rollstuhlfahrern sowie Eltern mit Kinderwagen genutzt werden können. Auch die Mitnahme von Fahrrädern soll möglich sein.

Der rote Streifen in der Bildmitte dokumentiert den angedachten Verlauf einer Seilbahn. Bitte auf das Kreuz in der Ecke klicken für die komplette Darstellung der Grafik.

Im direkten Umfeld der Seilbahnstation am Deich soll eine Innen- und Außengastronomie entstehen. Fußwege führen von hier in einen Auenpark, dem Teil der Lippeauen, der einen neuen Freizeitwert für die Bürger bieten soll. Hier sind ein Sandstrand und

So könnten die Seilbahnstationen in Hamm aussehen.

Liegewiesen geplant. Auch Open-Air-Veranstaltungen könnte es hier einmal geben. Für die Seilbahn müssten sechs Mastenstandorte mit einer Höhe von bis zu 25 oder 30 Metern errichtet werden. Davon müssten zwei auch innerhalb des Überschwemmungsgebietes der Lippe stehen. 

Offizielle Handlungskonzepte der Stadt Hamm mit weiteren Infos

So könnte es einmal aussehen: In drei Minuten wären die Fahrgäste aus der Innenstadt per Seilbahn am Lippestrand.

Der Bau der Seilbahn würde je nach Ausstattung zwischen fünf und acht Millionen Euro kosten, hatte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann bei der Vorstellung des umfangreichen Förderantrags gesagt. Gebaut würde die Seilbahn aber nur, wenn sie vom Düsseldorfer Umweltministerium als förderwürdig eingestuft würde - dann würden 80 Prozent der Kosten aus EU-Mitteln finanziert.

Hamm, Bonn, London: Fürsprecher und Widerstand

Auch in anderen Städten sind innerstädtische Seilbahnen ein Thema. In Bonn soll im Frühjahr eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn zum dortigen Venusberg vorgestellt werden und damit – so hoffen zumindest die Befürworter des Baus – die Hängepartie in der ehemaligen Bundeshauptstadt beendet werden. Schwung für den geplanten Schwebetransport soll es in Hamm ebenfalls im Frühjahr geben, wenn klar ist, ob und wie viele Fördermillionen vom Land in die Lippestadt fließen.

Allerdings verbindet die bislang nur auf Plänen existierenden Seilbahnen von Hamm und Bonn noch etwas anderes: Sie haben Gegner.

In Hamm sieht die gesamte politische Opposition das Seilbahn-Projekt im Rahmen des Großprojekts „Erlebensraum Lippeaue“ kritisch. Schließlich könnte die Seilbahn fünf bis acht Millionen Euro kosten. Die Linken wollen soviel Geld lieber für arme Kinder als für Seilbahnen ausgeben, Pro Hamm vermutet einen Aprilscherz und sieht in der unglaublichen Geldvernichtung einen Fall für das Schwarzbuch der Steuerzahler und die FDP spricht von Mogelpackung.

Doch in Zeiten von großen Koalitionen ist die Opposition klein. Wer also sollte – vorausgesetzt das Geld wäre da – die Seilbahn

„Bonn bleibt seilbahnfrei“ lautet der etwas sperrige Titel der Bonner Seilbahngegner. Sie fürchten, dass die Seilbahnnutzer in ihre Wohnungen schauen.

noch stoppen? In Bonn ist man bereits einen Schritt weiter und kennt die Antwort. Dort gibt es eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Bonn bleibt seilbahnfrei“. Diese zählte im vergangenen Monat rund 40 Mitglieder. Die Gegner bezweifeln nicht nur den Nutzen und die Wirtschaftlichkeit der Seilbahn, sie sehen auch die Privatsphäre und die Wohnqualität in Gefahr. Die Bonner Seilbahn könnte das rechtsrheinische Beuel mit dem ehemaligen Regierungsviertel und den Unikliniken verbinden, täglich könnten bis zu 6000 Menschen befördert werden. Als mögliche Kosten wurden in der Vergangenheit 40 bis 54 Millionen Euro genannt.

Seilbahn-Gegner in Bonn nicht allein

Die Seilbahn-Gegner in Bonn sind zahlenmäßig überschaubar, aber sie stehen nicht alleine da. Zumindest legen sie das selbst auf ihrer Internetseite nahe. Hier verweisen sie auf vergangene

Zum Vergleich: die Rhein-Seilbahn in Köln.

und aktuelle Bürgervoten und -initiativen gegen Seilbahnen in Wuppertal, Marburg, Hamburg und Tirol. Last but not least: Der Londoner Seilbahn, die anlässlich der Olympischen Spiele im Jahr 2012 gebaut wurde und ursprünglich integraler Bestandteil des Londoner Personennahverkehrs werden sollte, drohe die Stilllegung.

Natürlich gibt es wie in Hamm auch in Bonn Befürworter der Seilbahn – und das sind nicht gerade wenig: Die Kölnische Rundschau zählte in der vergangenen Woche gleich sieben Verkehrs- und Umweltverbände aus der Region auf, die die Bonner Seilbahn als umweltverträglichste und kostengünstigste Variante zu mehr Straßenbau oder neuen U-Bahn-Linien ansehen.

Außerdem: Seilbahnen hätten sich in einigen europäischen und außereuropäischen Städten zum Transport von Personen und Fahrrädern bewährt. Warum also nicht auch zum Venusberg oder eben in die Lippeauen?! - han/asc/dfb

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