Kampfmittelräumdienst gibt Blindgänger-Entwarnung am Nordring
Viele Zeitbomben im Hamm: So arbeiten die Spurensucher
Hamm - Wenn vieles so aussieht wie bei einer normalen Straßenbaustelle, direkt nebenan aber Fahrzeuge eines Kampfmittelräumdienstes parken - dann werden nicht nur Anwohner unruhig. So wie in dieser Woche auf dem Präsentierteller Nordring, direkt hinter der Musikschule. Dort gab es zum Glück Entwarnung.
Tatsächlich kommen Feuerwerker häufiger für Blindgänger-Sondierungen ins Hammer Stadtgebiet, als man denkt: allein 164 Mal im
vergangenen Jahr. Meistens agieren sie jedoch abseits der Hauptstraßen. Und zum Glück stellen sich vermeintliche Gefahren meistens als harmlos heraus: 18 Mal wurden 2017 tatsächlich Bomben entdeckt und ausgebuddelt; in zwei Fällen musste evakuiert werden (weitere Zahlen unten!).
Umso mehr Beachtung fand die Arbeit der Münsteraner Firma Tauber in den vergangenen Tagen im Kreuzungsbereich Nordring/Agnesstraße. Akribisch prüfte sie dort Hinweise auf eine alte Weltkriegsbombe unterm Asphalt, die es vorsorglich zu entfernen galt.
Woher kommen diese Hinweise? Und was passiert, wenn sie da sind?
In seltenen Fällen stoßen Bauarbeiter per Zufall direkt auf die verdächtigen Objekte. Die Regel ist nämlich diese: Im Vorfeld größerer Bauprojekten muss der Boden auf verbliebene Blindgänger - also mögliche Zeitbomben - abgesucht werden. Die dafür verwendeten Luftbildaufnahmen werden dem Land NRW und der Bundesregierung seit 1989 von den Briten nach und nach für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Sollte sich bei der Auswertung ein Verdachtspunkt zeigen, beauftragt die Bezirksregierung einen Kampfmittelräumdienst.
Die Experten gehen in der dafür vorbereiteten Baustelle nach fixen Kriterien vor. Zunächst wird die Oberfläche mit Metalldetektoren gescannt. Weil die Ergebnisse aber oft wegen zu viel "Schrott" im Boden aussagearm sind, nutzen die Feuerwerker danach in der Regel ein spezielles Raster: Nach diesem werden, wie jetzt im Nordring geschehen, eng um einen Mittelpunkt X herum 37 Bohrlöcher in sieben bis acht Meter Tiefe getrieben.
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In alle diese Maulwurfslöcher führen die Spezialisten nun so genannte Detektionsgeräte ein. Sollte der Verdacht weiterhin bestehen - wie eben im Nordring -, wird der Bereich aufgegraben. Nicht nur wegen des möglichen Sprengstoffs geschieht das sehr vorsichtig - auch die zuvor
von Stadtwerke-Mitarbeitern georteten Kabel und Leitungen sollten natürlich nicht beschädigt werden. Trotzdem: Ist diese Arbeit wegen der möglichen Gefahren nicht gefährlich? Nein, heißt es von Beteiligten: Das sei doch weniger gefährlich als Radfahren auf der Straße. Wichtig sei aber, keine Routine einkehren zu lassen.
Jetzt wird es spannend: Bestätigt sich der Verdacht hierbei, geht diese Info unmittelbar an die Hammer Feuerwehr. Diese setzt direkt die in der Stadt hinlänglich erprobte Alarmkette in Gang, die alle potenziell an einer Evakuierungs- und Entschärfungsaktion beteiligten Institutionen umfasst.
Entwarnung am Nordring
Am Nordring wird das nicht nötig sein: Dort gab die Feuerwehr am Donnerstagnachmittag offiziell Entwarnung - es wurde keine Bombe gefunden.
Die Profis waren da übrigens schon fast auf dem Weg zum nächsten Einsatz: In Herringen gibt es gleich drei weitere Verdachtspunkte...
Tendenz steigend - Blindgänger-Zahlen für Hamm:
| Kampfmittelangelegenheiten | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 |
| Luftbildauswertungen beantragt | 408 | 371 | 180 | 75 | 42 |
| Bescheinigungen über Kampfmittelfreiheit | 942 | 616 | 591 | 623 | 488 |
| Baugruben-/Freiflächenabsuchungen | 209 | 110 | 115 | 100 | 87 |
| gefundene vermutliche Blindgängereinschlagstellen | 219 | 278 | 172 | 60 | 24 |
| Sondierung von eventl. Blindgängereinschlagstellen | 164 | 75 | 73 | 93 | 26 |
| Bombenfunde mit Evakuierung | 2 | 4 | 3 | 9 | 9 |
| Bombenfunde ohne Evakuierung | 16 | 9 | 49 | 12 | 12 |
| Gesamt | 1960 | 1463 | 1183 | 972 | 688 |
Die Daten entstammen den Jahresberichten der Hammer Feuerwehr.

